So wird das Leben nach Google

30. September 2004, 15:16
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Für die weitere Entwicklung muss Internetsuche intelligenter werden, indem sie konkrete Information über den jeweiligen Benutzer und seine Welt einschließt - Kolumne von Esther Dyson

Investoren, User und Kommentatoren sind auf der Suche, welche neuen Werkzeuge nach den heute verwendeten allgemeinen Suchmaschinen kommen. Instrumente, die uns maßgeschneiderte Resultate liefern, je nach dem, wer wir sind, wo wir sind und sogar wer unsere Freunde sind.

Für die weitere Entwicklung muss Internetsuche wissender ebenso wie intelligenter werden, indem sie konkrete Information über den jeweiligen Benutzer und seine und ihre wirkliche Welt, in der er oder sie lebt, einschließt - und nicht nur durch immer abstraktere Algorithmen immer fortschrittlicher werden. Das ist es, was als nächstes kommt: Personalisierung.

Sowohl Google als auch Yahoo haben angekündigt, dass sie ihre Suchergebnisse für ihre User relevanter machen wollen. Das könnte bedeuten, dass sie die demografischen Daten der Suchenden erfassen (Alter, Geschlecht, bekannte Interessen oder Probleme - wie Volleyball, die Programmiersprache C oder Rückenschmerzen) oder ihre Intentionen antizipieren (indem man erfasst, was die Suchenden zuvor angesehen haben, entweder unmittelbar vor der Suche oder während der paar letzten Tage).

Natürlich sollte all das nur mit Zustimmung der User passieren. Die Herausforderung dieser Funktion besteht darin, genügend Information einzusammeln, um nützlich, aber nicht aufdringlich zu sein. Das Knifflige an der Geschichte ist der Kompromiss zwischen Komplexität und einfacher Bedienung, der für jeden einzelnen Benutzer einer breiten User-Community getunt werden muss, die unterschiedliche Erfahrung und Detailinteressen mitbringen.

Beziehungsfilter

Sehr wahrscheinlich wird eine der Hauptaufgaben des sozialen Networkings, wie es etwa vom Website-Friendster benutzt wird, darin bestehen, Suchergebnisse zu filtern. Egal ob man nach einem Babysitter oder einem Gebrauchtwagen sucht, wird man den bevorzugen, der von einem Freund empfohlen wurde - oder zumindest vom Freund eines Freundes.

In einer Welt, in der es so leicht ist, Sachen online zu finden, brauchen User eine praktische Methode, um den Umfang der Information zu begrenzen, die sie abrufen. So wie im richtigen Leben werden sie wahrscheinlich vorzugsweise ihre Geschäfte in einer vertrauten Nachbarschaft erledigen. Einige der neuen Plattformen für soziales Networking ermöglichen es ihren Benutzern, nicht nur nach Leuten, sondern auch nach Sachen zu suchen. Tribe.net beispielsweise ist im Grunde ein gigantischer Onlinedienst für Kleinanzeigen, der mit Werkzeugen für soziales Networking verschmolzen ist: User können sich "Stämmen" (Neigungsgruppen) anschließen und diesen Communities Produkte und Dienste anbieten. Ein weiterer neuer Dienst, Eurektster, ist eine Suchmaschine, die ihre Ergebnisse danach reiht, woran Ihre Freunde (so wie Sie sie Eurekster bekannt geben) interessiert waren. Solche Filter werden bei spezifischeren Anwendungen und Diensten Verwendung finden. Der Stellenmarkt Monster.com und eine ganze Reihe anderer Anbieter erweiterten ihren Service um einen Filter "Die Meinungen meiner Freunde" sowie um andere Networking-Funktionen.

Amazon.com bietet dies seit langem in Form von Empfehlungen an, die nicht auf Freunden, sondern anderen (unbekannten) Kunden mit ähnlichen Interessen beruhen.

Örtlicher Kontext

Das digitale Dorf mag zwar global sein, aber es kommt weiterhin auf den Standort an, ob man jetzt eine Ölfirma ist, die Nachrichten über die politische Entwicklung des Nahen Ostens sucht, oder ein Shopper, der ein Sofa braucht. Google bietet ein neues Feature "Suche nach Standort" an, das am besten mit Sites oder Inhalten funktioniert, die Adressen beinhalten - obwohl diese Funktion sich noch häufig irrt.

Das Start-up MetaCarta, bei dem ich einer seiner Investoren bin, kann geografische Bezüge innerhalb eines Texts analysieren und sie mit einer umfangreichen Datenbank vergleichen, um zu erkennen, ob die beschriebenen Ereignisse in Parachinar oder Peshawar stattfanden. Es gibt bereits Systeme, die einer Taxizentrale ermöglichen zu sagen, "Zeig mir alle Taxis im Umkreis von fünf Minuten des Kunden, der soeben angerufen hat". In Zukunft werden Menschen ihre sozialen Onlinebeziehungen nach Standort filtern können: "Ich will eine Liste all meiner Freunde, die sich derzeit mit mir im selben Einkaufszentrum befinden."

Bessere Resultate

Schließlich werden Suchdienste dadurch besser werden, dass sie die Resultate auf eine Art auswählen und darstellen, die besser den Bedürfnissen des Users entspricht.

Zum Beispiel wollen Shopper nicht eine Liste der Webseiten, sondern eine Liste der Produkte zusammen mit Preisen sowie Links, wo man sie einkaufen kann. Viele Preisvergleichsdienste, die es heute gibt, werden von Hand zusammengestellt, um diese Benutzerfreundlichkeit zu erzielen, ähneln dadurch aber eher einem bezahlten Kleinanzeigendienst als einer richtigen Suchmaschine, die das gesamte Universum potenzieller Angebot durchstreift. Googles neuer Dienst Froogle ist ein Versuch in dieser Richtung - aber gerade weil es automatisiert ist, ist es auch sehr spröde und liefert manchmal völlig sinnlose Ergebnisse.

Esther Dyson ist international anerkannte Internetexpertin und Herausgeberin von "Release 1.0".
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