Sagenhaftes Zakynthos

20. Mai 2005, 10:07
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Die südlichste der Ionischen Inseln lockt mit ihrer naturbelassenen Flora und Fauna

Zakynthos ist eine Insel voller Legenden. So geht beispielsweise die Sage, daß die Götter Artenmis und Apoll das grüne Eiland zu ihrem Garten erkoren. Ein anderes Histörchen verdanken wir Homer, der berichtet, daß die Insel nach ihrem ersten Siedler benannt sei: Zakynthos, Sohn des phrygischen Königs Dardanos, der die Stadt Troja gründete.

Weniger mythisch sind die Legenden jüngeren Datums - etwa das berühmte Piraten-Wrack, das spektakulär in einer Bucht am Fuß senkrecht abfallender Felsen liegt und eines der beliebtesten griechischen Werbesujets ist: Es stimmt zwar, daß Zakynthos jahrhundertelang immer wieder von Piraten überfallen wurde, doch bei diesem Wrack handelt es sich um die Überreste eines Frachters, der Mitte der 70er Jahre an dieser Küste auf Grund lief und seither still am Strand vor sich hin rostet. Nichtsdestoweniger bietet es aus der Vogelperspektive einen faszinierenden Anblick. Auch das von vielen Reiseführern kolportierte Märchen von Frischwasserquellen auf Zakynthos ist ein solches: Tatsächlich gibt es auf der ganzen Insel nur eine einzige Quelle, und selbst deren Qualität läßt zu wünschen übrig. Daher wird der Süßwasser-ebenso wie der Strombedarf mittels einer unterirdischen Pipeline von der nur rund fünf Seemeilen entfernten Nachbarinsel Kefallonia gedeckt.

Reichlich Wasser bekommt Zakynthos freilich vom Himmel: Die südlichste der sechs Ionischen Inseln verdankt ihre farbenprächtige Vegetation dem milden, regenreichen Klima. Zwischen dunkelgrünen Pinien und knorrigen Olivenbäumen erfreuen im Frühjahr leuchtendgelbe Ginsterbüsche und knallroter Klatschmohn das Auge; im Hochsommer wird es bei Temperaturen an die 40 Grad allerdings deutlich trockener. In den spärlich bewaldeten Bergen, deren höchster knapp 750 Meter mißt, lebt wenig Wild - dennoch fliegen viele Athener übers Wochenende zur Jagd nach Zakynthos. Geschossen wird nicht auf die ohnehin raren Hasen, sondern auf Singvögel. Um dem ein Ende zu bereiten, greifen Tierschützer neuerdings zu krassen Methoden: Sie legen Giftköder aus, damit die Schützen aus Sorge um ihre Hunde der Insel fernbleiben. Leider besteht die Reaktion der Jäger bisher vor allem darin, auf der Pirsch Erste-Hilfe-Koffer für die Hunde mitzuführen.

Besseren Schutz erfahren die Meeresschildkröten, die neben der Blauen Grotte und dem Piraten-Wrack das dritte touristische Aushängeschild von Zakynthos darstellen. Die Caretta-caretta (Karett-Schildkröte) paart sich in den Buchten der Insel und legt ihre Eier im Sand ab. Der WWF und andere Tierschutzorganisationen wachen darüber, daß die Gelege und Jungtiere nicht gestört werden: So wurden alle Lokale von den Brutstränden verbannt, weil Lärm oder künstliches Licht die Baby-Schildkröten irritieren und desorientieren.

Auch die 20köpfige Population der seltenen Robbenart Monachus-monachus wird sorgsam behütet - ein Zeichen dafür, daß sanfter Tourismus auch in Griechenland immer mehr an Bedeutung gewinnt. (Der Standard, Printausgabe)

Von Marie-Thérèse Gudenus
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