Putin will Konkurs von Yukos abwenden

5. Juli 2004, 16:58
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Der russische Präsident hat signalisiert, dass Auswege aus dem Steuerdebakel gesucht werden

Moskau - Vor einem Moskauer Gericht hat am Freitag eine Anhörung über Steuernachzahlungen und Bußgelder des Ölkonzerns Yukos in Höhe von rund 3,4 Milliarden Dollar begonnen. Sollte das Gericht die hohen Steuerforderungen erneut bestätigen, droht Yukos nach Unternehmensangaben der Konkurs.

Anträge abgelehnt

Yukos scheiterte mit zwei Anträgen auf Vertagung, so dass das Gericht wie vorgesehen mit der Anhörung begann. Das Unternehmen wollte mit seinen Anträgen mehr Zeit in dem Verfahren gewinnen. Ein Berufungsgericht lehnte die Anträge jedoch ab. In einem offenen Brief an Ministerpräsident Michail Fradkow hatte Yukos zuvor um einen zeitlichen Aufschub bei der möglichen Steuerzahlung gebeten. Auch war der Verkauf von Vermögenswerten angekündigt worden.

Yukos zählt zu den größten Erdölproduzenten in Russland. Der Konzern war bis vor kurzem vom russischen Milliardär Michail Chodorkowski geleitet worden, der seit Oktober vergangenen Jahres wegen des Vorwurfs des Betruges und der Steuerhinterziehung in Haft sitzt.

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte signalisiert, dass seine Regierung nicht an einem Zusammenbruch des angesichts der Betrugsvorwürfe und der Steuerforderungen angeschlagenen Ölkonzerns interessiert ist. Es werde alles Erdenkliche getan, um einen Konkurs von Yukos zu verhindern.

Diese Äußerungen haben bei Analysten Hoffnung geweckt, dass eine Insolvenz von Yukos vermieden werden kann und die Moskauer Börse in die Höhe getrieben.

Die Investmentbank Morgan Stanley stufte die Yukos-Aktien hoch. Es sei unwahrscheinlich, dass der Staat Yukos in die Insolvenz treibe und Vermögenswerte konfisziere. Die am Donnerstag kräftig gestiegenen Yukos-Aktien legten am Freitag erneut zu. Nach den Äußerungen Putins waren die Papiere um knapp 35 Prozent in die Höhe geschossen.

Verfahren vertagt

Exkonzernchef Chodorkowski drohen im Fall einer Verurteilung zehn Jahre Haft. Das Verfahren gegen ihn war am Mittwoch nach wenigen Stunden um eine Woche vertagt worden, da einer der Verteidiger erkrankte.

Chodorkowski hatte die Politik von Präsident Putin kritisiert und den Eindruck erweckt, eine Kandidatur bei der Präsidentenwahl 2008 zu erwägen. Das Vorgehen gegen Yukos und seinen Exchef wird von vielen als Reaktion der russischen Führung auf mögliche politische Ambitionen Chodorkowskis gesehen. (Reuters, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19./20.06.2004)

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