Verkauf an Swisscom steht offenbar bevor

28. Juli 2004, 11:24
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Offert laut Zeitungsbericht bei 15 Euro je Aktie - "Kein Kommentar" aus dem Finanzministerium

Wien - Die Telekom Austria (TA) soll vor dem Verkauf an die schweizerische Swisscom stehen. Das berichtet die "Presse" in ihrer Samstagausgabe. Nach dem Bericht verhandelt die Swisscom ernsthaft über einen Einstieg in die Telekom und soll nun 15 Euro pro Aktie bieten. Seitens der Schweizer ist laut "Presse" von "seriösen Sondierungsgesprächen" die Rede, im Finanzministerium heißt es dazu nur "kein Kommentar." Die Schweizer sollen aber jedenfalls schon bei Finanzminister Karl-Heinz Grasser angeklopft haben.

"Großes Interesse"

Der seit mehr als einem Jahr mit wechselnder Intensität diskutierte Verkauf der Telekom Austria an die Swisscom ist dem Bericht zufolge so "heiß" wie nie zuvor. "Die Swisscom hat sehr großes Interesse und führt seriöse Sondierungsgespräche", wurde der Zeitung aus dem Swisscom-Umfeld bestätigt.

Die Schweizer - Wunschpartner von Teilen der TA - wollen seit langem die Mehrheit, sind aber an keiner feindlichen Übernahme interessiert. Die nun gebotenen 15 Euro je Aktie würden für das von der ÖIAG zur Privatisierung frei gegebene 17-Prozent-Paket 1,275 Mrd. Euro Erlös bedeutete - viel mehr als bei der eigentlich angepeilten Börseplatzierung.

Swisscom-Boss Jens Alder hatte bei der Bilanzpräsentation im März und dann erneut im Mai sein Grundsatzinteresse erneuert und in einem Interview mit der "Handelszeitung" gemeint, dass man noch nicht zum Zug gekommen sei, sei "eher ein politisches denn ein wirtschaftliches Thema" - auf Seiten Österreichs.

Verhandlungen schon vor einem Jahr

Vor einem Jahr hatte es bereits ernsthafte Verhandlungen mit den Schweizern gegeben, sie waren an unterschiedlichen Preisvorstellungen gescheitert: Die Schweizer boten unter 12 Euro, die ÖIAG und das Finanzministerium wollten zumindest 13 Euro.

Sollten die Schweizer mit Grasser handelseins werden - der Finanzminister hat als Eigentümervertreter das letzte Wort - stellt das die ÖIAG vor eine neue Situation, heißt es weiter. Denn an sich hat der Aufsichtsrat im Mai den Verkauf eines 17-Prozent-Pakets der TA an internationale institutionelle Investoren (Banken, Versicherungen, Fonds usw.) beschlossen. Bis dato ist nicht einmal in Investmentbanker-Kreisen ein Termin für die Platzierung durchgesickert, auch in der ÖIAG-Aufsichtsratssitzung am heutigen Freitag, war die TA nur Randthema gewesen - obwohl angesichts der guten Börsensituation der Juni als gutes Zeitfenster gewertet wird.

Mehrere Varianten

Das sei, so die Zeitung, für Insider ein Indiz, dass der Verkauf an die Schweizer ernsthaft in Erwägung gezogen werde. Dabei böten sich mehrere Varianten an: Die Swisscom kauft nicht unmittelbar von der ÖIAG. Diese platziert die 17 Prozent wie geplant. Wie bereits von Vorstand Rainer Wieltsch angekündigt, gehen die Aktien aber nicht direkt an institutionelle Investoren, sondern an Banken. Die Banken kaufen das Paket zu einem bestimmten Kurs und platzieren die Aktien selbst, übernehmen also das Risiko. Dann schlägt die Swisscom zu. Dabei könnten J.P. Morgan und Merrill Lynch zum Zug kommen, die bereits die fünfprozentige Wandelanleihe der ÖIAG auf TA-Aktien abgewickelt hatten. Zweite Variante: Die Swisscom kauft direkt von der ÖIAG. In einem weiteren Schritt dürfte die Swisscom dem Streubesitz von 52,2 Prozent ein Übernahmeangebot machen. Bei der ÖIAG verblieben dann vorerst weitere 25 Prozent an der TA. (APA)

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