Opel muss Zuständigkeiten an GM abgeben

18. Juli 2004, 18:27
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Neuer Opel-Chef und neue Strukturen sollen GM Europe sanieren - Produktion der Konzerntöchter wird flexibler organisiert

Wien - Die seit Jahren defizitäre Adam Opel AG muss ihre wichtigsten Zuständigkeiten an die Europazentrale der Konzernmutter General Motors (GM) abgeben. Der weltgrößte Autohersteller GM teilte am Freitag mit, er werde die Autobauer Opel, Saab (Schweden) und Vauxhall (Großbritannien) künftig aus seiner Europa-Zentrale in Zürich leiten, dabei in Europa aber derzeit weder Standorte schließen noch Stellen abbauen.

Zugleich steigt der bisherige Opel-Vorstandsvorsitzende Carl-Peter Forster zum neuen Präsidenten von GM Europa auf. Sein Nachfolger bei Opel wird der bisherige Entwicklungsvorstand Hans Demant. Entwicklung, Vertrieb und Produktion der drei Konzernmarken Opel, Saab und Vauxhall sollen künftig von der GM Zentrale in Zürich zentral gesteuert werden.

Einzige Unternehmenskultur für ganz Europa

"Wir werden eine einzige Unternehmenskultur für ganz Europa entwickeln, alle Töchter von GM Europe werden an einem Strang ziehen", sagte GM-Chef Rick Wagoner. Die drei Töchter sollen nicht mehr eigenständig für Schlüsselaufgaben wie Finanzen, Konstruktion, Einkauf, Fertigung, Marketing und Planung verantwortlich sein. Zudem werde es in Zürich ein europäisches Design-Team geben, das für alle drei Marken arbeiten soll.

Kernpunkt der Neuorganisation ist, dass die Marken mehr gleiche Teile austauschen und die Produktion flexibler organisieren. "Wir wollen eine gemeinsame Architektur für Autos verschiedener Marken schaffen", sagte der GM-Vizevorsitzende Bob Lutz. Ein solcher Fertigungsverbund sei weltweite Praxis. GM könne derzeit keinen Vectra oder Saab in den USA und keinen Vectra in Schweden bauen. "Die Autos unterscheiden sich auf unsinnige Art und Weise. Keinen Kunden interessiert es, woher die Klimaanlage kommt, Hauptsache sie kühlt", so Lutz.

Chance für Rüsselsheim

Das Opel-Werk in Rüsselsheim wird künftig die Entwicklung für alle Mittelklasse-Modelle des Konzerns übernehmen, die GM dann in aller Welt baut. "Das ist eine Riesenchance für den Standort", sagte Forster, der zugleich auch zum Aufsichtsratsvorsitzenden bei Opel ernannt wurde. Über einen möglichen Stellenabbau im Rüsselsheimer Werk, das nur zu 60 Prozent ausgelastet ist, gibt es nach Forsters Worten noch keine Entscheidung. In Rüsselsheim sind 21.000 Opel-Mitarbeiter beschäftigt.

Mit der strafferen Struktur und der Neupositionierung von Opel will GM Europe wieder in die schwarzen Zahlen steuern. Seit vier Jahren schreibt der US-Konzern in Europa rote Zahlen. Zuletzt hatte GM Europe auch das Ziel aufgegeben, dieses Jahr in die Gewinnzone zurückkehren zu können.(APA/dpa/Reuters)

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