Kommentar: Jetzt macht sich die Filmindustrie auf die Socken

2. Juli 2004, 15:07
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Zum Fall der 17-jährigen Schülers der von Disney und Universal verklagt wurde

Hollywood liebt nichts mehr als eine Fortsetzung. Und weil die Klagen der Musikindustrie gegen die fröhlichen Musikpiraten – angeblich – so erfolgreich waren, macht sich die Filmindustrie beizeiten auf die Socken, Klagemauern gegen die bevorstehenden Fluten der Internetpiraterie von Filmen zu bauen. Meist entfalten sich diese epischen Dramen von Millionenklagen gegen Teenager und deren Großmütter in fernen Landen; diesmal hat der Blitz unerwarteterweise in einem kleinen oberösterreichischen Städtchen eingeschlagen und einen 17-Jährigen erwischt.

Aufmerksam

Eltern von Minderjährigen sollten den Fall mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgen. Denn die Frage heißt: Wissen Sie, was Ihre Kids spätnachts mit ihren Computern aufführen? Wahrscheinlich kaum, aber es könnte nicht nur die Söhne und Töchter, sondern auch ihre Eltern nahtlos in den Ruin treiben. Denn dank vergleichsweise billiger Technologie kann auch ein 17-Jähriger durch den Vertrieb von Raubkopien leicht einen Schaden in existenzbedrohender Höhe anrichten – und gegen die zivilrechtliche Haftung gibt es keinen Jugendschutz.

Unschuld

Nun gilt natürlich für den Fall in Oberösterreich die Unschuldsvermutung. Aber es braucht nicht viel Fantasie, um sich auszumalen, dass clevere Teenager im Vertrieb selbst gebrannter CDs und DVDs eine gute Möglichkeit zur Auffettung des Taschengelds sehen und sich dabei nicht viel denken. Woher auch? Eine Konsumwelt, die mit Null-Cent-Tarifen und 29--Tickets lockt, weckt kaum das nötige Unrechtsbewusstsein für Internetpiraterie. Bis auf weiteres gibt es nur eine Konsequenz: Eltern stehen unangenehme Gespräche bevor – nicht über die Blumen und die Bienen, das weiß schon jedes Kind; aber über richtige Verhütung – von Piraterie, die in die Pleite führen kann. (Helmut Spudich, DER STANDARD Printausgabe 18. Juni 2004)

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