Umfrage: Designierter Bundespräsident Fischer genießt höchstes Vertrauen

5. Juli 2004, 09:50
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Wahlen haben im Politikerradar Spuren hinterlassen - Schüssel gewinnt - Klestil, Ferrero-Waldner und Rauch-Kallat verlieren

Wien - Die vergangenen bundesweiten Wahlen haben am APA/OGM-Vertrauensindex Spuren hinterlassen. Im Vergleich zu Anfang April - noch vor der Präsidentenwahl - hat der designierte Bundespräsident Heinz Fischer in einer aktuellen Umfrage (500 Telefoninterviews, 16. Juni) seine Führungsposition ausbauen können. Seine Kontrahentin Benita Ferrero-Waldner hingegen hat Platz zwei im Ranking an Grün-Bundessprecher Alexander Van der Bellen eingebüßt. Zulegen konnte auch Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V), dem wohl die Nennung als EU-Kommissionspräsident geholfen hat.

"Vertrauen Sie xy oder vertrauen sie xy nicht oder kennen Sie xy nicht", lautet die Frage von OGM. Aus den beiden Werten wird dann der Saldo gebildet, der für das Ranking herangezogen wird.

Fischer klar voran

Mit 45 Punkten klar voran liegt dabei Fischer, der in drei Wochen als Bundespräsident angelobt wird. Abgeschlagen folgt mit 26 Punkten Van der Bellen vor Ferrero-Waldner (23). Das scheidende Staatsoberhaupt Thomas Klestil kommt - gleichauf mit Landwirtschaftsminister Josef Pröll - auf 19 Punkte.

Minus für Ferrero und Klestil

Ferrero-Waldner (minus 8) und Klestil (minus 7) liegen zwar noch im Vorderfeld, haben in den vergangenen zwei Monaten aber deutlich an Vertrauen eingebüßt. Die Außenministerin habe nach der Wahl unglücklich agiert, analysiert OGM-Politologe Peter Hajek. Und seither sei sie beinahe gänzlich von der Bildfläche verschwunden.

Rauch-Kallat stürzt ab

Das größte Minus musste mit neun Punkten allerdings Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat (V) hinnehmen. Aus der ÖVP-Ministerriege ebenfalls verloren haben Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (minus 6) und der nominell unabhängige Finanzminister Karl-Heinz Grasser (minus 4). Letzterer - vor einem Jahr noch einer der Politiker mit dem größten Vertrauen - muss damit erstmals einen negativen Saldo hinnehmen. Hajek: "Der Finanzminister kommt in den Medien so gut wie gar nicht mehr vor. Und wenn, dann hat er eher verunglückte Auftritte wie bei der Diskussion um Defizitsünder in der EU.

Auch Schüssel negativ

Knapp negativ mit minus 1 auch der Saldo von Schüssel. Im Vergleich zum April darf sich der Regierungschef aber über den größten Vertrauenszuwachs freuen. Und Schüssel darf sich auch darüber freuen, dass die Parteichefs Ursula Haubner (F, minus 6) und vor allem Alfred Gusenbauer (S, minus 16) noch deutlich hinter ihm liegen.

Praktisch nichts verändert hat sich am unteren Ende des Vertrauensrankings. Der Dritte Nationalratspräsident Thomas Prinzhorn (F, minus 34) hat die rote Laterne, ebenfalls schlecht gereiht sind seine Parteifreunde Klubchef Herbert Scheibner (minus 19) und Sozialminister Herbert Haupt (minus 17).

Gorbach best-gereihter Blauer

Der best gereihte Freiheitliche ist mit 13 Punkten nach wie vor Vizekanzler Hubert Gorbach, auch wenn er gegenüber dem April fünf Punkte eingebüßt hat. Er nehme seine Führungsposition zu wenig wahr und spüre auch die Krise der FPÖ, kommentiert der Meinungsforscher.

Martin Null

Im Mittelfeld (Saldo null) bewegt sich Hans-Peter Martin, der mit seiner Anti-Privilegien-Liste am vergangenen Sonntag zwei Mandate im EU-Parlamant gewonnen hat. "Er hat damit einen großen Vertrauensvorschuss erhalten, den er erst einmal rechtfertigen muss", so Hajek. (APA)

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