Zwei Steirer als neue EStAG-Vorstände

1. Juli 2004, 10:58
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Ex-Steirerobst-Vorstand Franz-Karl Maier und Ex-Babcock-Manager Franz Kailbauer gingen aus Hearing als Sieger hervor - Mit Portraits

Graz - Die Energie Steiermark Holding AG (EStAG) hat zwei neue Vorstände: Bei einem Hearing gingen aus vier Bewerbern der Endrunde die beiden gebürtigen Steirer Franz-Karl Maier (53) und Franz Kailbauer (41) als neue Vorstände für Finanz bzw. Technik hervor. Maier ist ehemaliger Vorstand der börsenotierten Steirerobst, die er erst Ende März 2004 verlassen hatte. Kailbauer kommt vom deutschen Anlagenbauer Babcock Borsig.

Die beiden neuen Vorstände sollen die Geschicke des im vergangenen Jahr in Turbulenzen geratenen steirischen Energieunternehmens EStAG lenken. Kailbauer war früher Mitarbeiter an einem Institut der Technischen Universität Graz und war dann in verschiedenen Funktionen für deutsche Industriekonzerne tätig. Maier verbrachte 20 Jahre lang in Führungspositionen bei der Steirerobst und gilt im Ostgeschäft als besonders erfahren.

Ramsauer: "Führungskompetenz"

EStAG-Interims-Aufsichtsratschef Richard Ramsauer war bei der Präsentation der beiden neuen Vorstände deutlich entspannt. Beide haben internationale Erfahrung und werden laut Ramsauer die "Führungskompetenz einbringen", die dem vormaligen - gefeuerten - Dreiervorstand "gefehlt" habe. Bei der Bestellung für fünf Jahre ab 1. August sei man sich auch mit den Vertretern des französischen EStAG-Miteigentümers EdF einig gewesen.

Vier Kandidaten bei Hearing

Nach einem Auswahlverfahren aus rund 300 Bewerbungen, die beim Wiener Personalberater Korn/Ferry International eingelangt waren, stellten sich am heutigen Freitag vier Kandidaten einem Hearing vor dem Aufsichtsrat. Schon im Vorfeld hat der französische Partner Electricite de France (EdF) einem gemeinsamen Auswahlverfahren zugestimmt, so Ramsauer. Um dem Syndikatsvertrag mit den Franzosen Rechnung zu tragen, die ihnen bei der Vorstandsbestellung ein Mitspracherecht einräumt, erfolgte die formale Bestellung von Kailbauer durch die EdF.

Maier war als Geschäftsführer und Vorstandsvorsitzender in den vergangenen 20 Jahren maßgeblich für den wirtschaftlichen Aufstieg der Steirerobst AG verantwortlich. 1990 brachte er das Unternehmen an die Wiener Börse und in der zweiten Hälfte der 90-Jahre wurden Produktionsstätten in Ungarn, Rumänien, Polen und in der Ukraine erworben bzw. gebaut. Maier wird bei der EStAG für den Bereich Finanzen zuständig sein und als Sprecher des Vorstandes fungieren. "Er kann aufbauen und an die Börse bringen", lobte Ramsauer die Qualitäten des gebürtigen Pischelsdorfers. Dass beide Vorstände Steiermark-Bezug haben, sei eine nicht unerhebliche Qualifikation gewesen, sagte Ramsauer. Er und Korn/Ferry würden jedenfalls für ein einwandfreies Verfahren stehen. Dies habe weit weniger als 150.000 Euro gekostet, wozu noch die Reisespesen kämen.

Übergabe am 1. August

Der jetzige Interims-Vorstand, der nach der Entlassung der drei früheren Vorstände befristet das Ruder in der mehrheitlich landeseigenen Energiegesellschaft überommen hatte, bleibt noch bis Ende Juli im Amt, am 1. August übernehmen dann Maier und Kailbauer von Johannes Ditz, Peter Schachner-Blazizek und Pierre Aumont. Diese wechseln dann in den Aufsichtsrat zurück. Ramsauer wird dann ebenfalls nur noch einfacher Aufsichtsrat sein. Im Laufe der dem Amtsantritt folgenden Wochen sollen dann die beiden neuen Vorstände ihre Funktion auch bei den EStAG-Tochtergesellschaften übernehmen.

Zur Klage des ehemaligen EStAG-Vorstandes Gerhard Hirschmann auf Wiedereinstellung meinte Ramsauer, sowohl Zahl als auch Zusammensetzung des Vorstandes werde sich nicht mehr ändern. Er strebe allerdings eine einvernehmliche Lösung an.

Klasnic erfreut

Die Eigentümervertreterin des Landes, LH Waltraud Klasnic, meinte zur Vorstandsbestellung, sie freue sich über die einstimmige Bestellung zweier international erfahrener Manager mit steirischen Wurzeln. Dies sei ein positiver Schritt in der Entwicklung des steirischen Leitbetriebs EStAG. Grünen-Abgeordneter Peter Hagenauer: "Es kann das beste Team der Welt nur arbeiten, wenn klar ist, wohin die Reise geht. Hier ist einmal mehr das Land Steiermark gefordert, mit genauen Vorgaben des Landes als Eigentümervertreter." Auch im Untersuchungsausschuss des Landtags, dem er vorstehe, und im Rechnungshofbericht habe sich gezeigt hat, dass das Fehlen solcher Vorgaben zu zeit- und geldraubenden Beteiligungen geführt habe.

Leichtes Murren aus der SPÖ

Der einstimmige Beschluss sei zwar zu akzeptieren, es sei allerdings bemerkenswert, dass keiner der beiden Neo-Vorstände aus einschlägiger Erfahrungen aus der Energiewirtschaft mitbringe, kommentierte der steirische SPÖ-Chef LHStv. Franz Voves am Samstag die am Freitag erfolgte Bestellung von Karl-Franz Maier und Franz Kailbauer an die Spitze der Landes-Energieholding. Auch beim Bestellungsvorgang ortete Voves einen Schönheitsfehler.

Für den steirischen SPÖ-Vorsitzenden war die Vorgangsweise des EStAG-Aufsichtsrates bei der Bestellung der neuen Manager "an sich in Ordnung". In einer Aussendung ließ er wissen, dass "der einstimmige Beschluss voll und ganz zu akzeptieren" ist. Bemerkenswert sei jedoch der Umstand, dass keiner der beiden Auserwählten einschlägige Erfahrungen aus der Energiewirtschaft mitbringt.

"Gesichtswinkel"

Weiters stellte Voves fest, dass (sein SPÖ-Amtsvorgänger, Anm.) Interimsvorstand Peter Schachner-Blazizek bei der Endauswahl im Gegensatz zu Johannes Ditz "elegant umgangen" worden sei. Im Gegensatz zu Schachner sei Ditz bei der Endauswahl in Zürich dabei gewesen: "Unter dem Gesichtswinkel, dass beide interimistischen Vorstände demnächst wieder das Aufsichtsratspräsidium darstellen werden, wäre glaubwürdiger gewesen, wenn bei der Endauswahl entweder beide oder keiner dabei gewesen wären", so Voves. (APA)

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    Die beiden neuen EStAG-Vorstände Franz Kailbauer (l., Technik) und Karl-Franz Maier (r., Finanz).

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