Monogame Nager durch Gentherapie

19. Juni 2004, 20:00
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Ein hohes Niveau an Vasopressin-Rezeptoren führte zu treueren Wiesenmühlmaus­männchen

Atlanta, Georgia - Gentherapie kann aus dem Don Juan der Wühlmäuse einen treu sorgenden, aufmerksamen Ehemann machen, berichtet das Wissenschaftsmagazin Nature. Miranda Lim von der Emory Universität in Atlanta, Georgia, und ihre Kollegen haben mithilfe eines Virus ein Gen direkt in das Gehirn einer Wiesenwühlmaus (Microtus pennsylvanicus) implantiert. Das Gen kodiert ein Protein, das Vasopressin-Rezeptor genannt wird und das auf das Sozialverhalten sowie auf Paarbindungen einwirkt. Einige Tage später haben die normalweise sehr sexualfreudigen Nager ein hohes Niveau an Vasopressin-Rezeptoren entwickelt und ihre Lust auf Weibchen verloren.

Die Chemie des Gehirns und das Verhalten der Wiesenmühlmäuse ähneln sehr ihren Verwandten, den monogamen Präriewühlmäusen (Microtus ochrogaster). Diese Tiere verbringen ihr ganzes Leben mit nur einem Partner. Sie haben viele Vasopressin-Rezeptoren im ventralen Vorderhirn, einer Gehirnregion, die Abhängigkeit und Belohnung reguliert.

Ergebnisse

Lims Team hat männliche Prärie- und Wiesenmühlmäuse mit Weibchen der jeweiligen Art gepaart. Jedes Paar durfte sich einen Tag lang kennenlernen, dann wurden die Männchen einem Treuetest unterzogen. Jede Wühlmaus konnte frei zwischen seinem angebundenen Partner und einem angebundenen Fremden herumwandern. Präriewühlmäuse und genetisch behandelte Wiesenwühlmäuse kuschelten sich dicht an ihren Partner, während unbehandelte Wiesenwühlmäuse bevorzugten allein zu sein.

Frühere Studien haben ergeben, dass die Erhöhung von Vasopressin-Rezeptoren die Paarbindung monogamer Wühlmäuse anregt. Das Ergebnis der aktuellen Forschung zeigt, dass eine ähnliche Technik eine sexuell freizügige Art von Wühlmäusen in eine treue Art verwandeln kann. Ob diese Technik auch bei Menschen funktioniert, ist nicht bekannt. Untreue und monogame Affenarten haben verschiedene Muster von Vasopressin-Rezeptoren, die dem Schema der Wühlmäuse gleichen. Also kann es sein, dass sich notorisch flirtende und treue Menschen von der Chemie im Gehirn her unterscheiden.

Grundlagenforschung

Der Co-Autor der Studie, Larry Young, erklärte: "Grund für diese Forschung ist nicht zuletzt unser Versuch, das soziale Gehirn zu verstehen. Warum interagieren wir mit anderen Menschen und was könnte bei Krankheiten wie Autismus schief laufen? Autisten sind sehr distanziert, sie wollen nicht mit anderen interagieren. Es könnte sein, dass das Vasopressin eine Rolle bei sozialen Interaktionen beim Menschen spielt." Joseph Piven, ein Psychiatrieexperte von der Universität von North Carolina in Chapel Hill, bestätigt den möglichen Zusammenhang zwischen Autismus und Vasopressin, der bislang aber noch nicht genau erforscht ist. (pte)

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    Mittels Gentherapie wird die Wiesenwühlmaus monogam ...

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