Heftiges Buhlen um Bratislava

1. Juli 2004, 17:46
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AUA und Flughafen Wien bieten getrennt um slovakischen Flughafen - Häupl: "Unglückliche Situation"

Pressburg - Um den voraussichtlich ab Herbst zur Privatisierung anstehenden Flughafen Bratislava herrscht bereits jetzt ein österreichinterner Bieterwettbewerb: Beteiligungsangebote legen wollen sowohl der Flughafen Wien als auch die AUA, letztere aber nur als Miniteilhaber eines österreichisch-slowakischen Konsortiums. Dass die zwei österreichischen Interessenten nicht gemeinsam ins Rennen steigen, sorgt vor allem beim Wiener Flughafen-Großeigentümer für Unmut, wie bei einer Wirtschaftskonferenz mit prominenter österreichischer Beteiligung in der slowakischen Hauptstadt Pressburg offenkundig wurde.

Dass man sich nicht auf eine gemeinsame Vorgangsweise verständigen konnte, war wie berichtet schon seit Wochen klar. AUA-Chef Vagn Sörensen weist jede Schuld von sich, zumal es sei ja das ursprüngliche Angebot der AUA an den Flughafen gewesen sei, da gemeinsam vorzugehen. Das sei aber vom Flughafen Wien abgelehnt worden, sagte Sörensen am Donnerstag vor österreichischen Journalisten in Pressburg.

"Unglückliche Situation"

Wiens Bürgermeister Michael Häupl (S), 20-Prozent-Eigentümer-Vertreter des Flughafen Wien, hält es für eine "unglückliche Situation", dass um den Airport Pressburg zwei Österreicher gegeneinander antreten. "Ich habe das auch dem Finanzvorstand mitgeteilt, dass das ein Unglück ist", so Häupl am Donnerstag auf Journalistenfragen.

Häupl trifft sich heute Nachmittag mit dem slowakischen Verkehrsminister. Ihm unterbereite er dabei das offizielle Angebot, "dass wir als Flughafen Wien als Bewerber für eine Beteiligung auftreten werden". Vor allem aber werde er ein Kooperationsangebot unterbreiten, also zusagen, "dass wir unsere Flughafen-Eisenbahn CAT nach Bratislava anbinden, wenn wir den Zuschlag bekommen".

Keine "feindliche Übernahme"

Vor den Teilnehmern eines österreichisch-slowakischen Wirtschaftsgipfels in der slowakischen Hauptstadt versicherte Häupl abermals, dass es dem Wiener Flughafen in Bratislava nicht um eine "feindliche Übernahme" gehe. Es gehe tatsächlich um eine enge Zusammenarbeit. "Wir können als einzige die Verknüpfung von Flug und Schiene anbieten."

AUA-Chef Sörensen hielte es für wichtig, dass es eine engere Anbindung und Kooperation der beiden Flughäfen gibt, "egal, wer den Zuschlag erhält". Solches könne man nicht abhängig davon machen, wer wirklich eine Beteiligung erwirbt.

Symbolischer Anteil

Sörensen hielt fest, dass sich seine börsenotierte Austrian Airlines in dem bisher "noch nicht ganz vollständigen" österreichisch-slowakischen Bieterkonsortium nur mit einem symbolischen Anteil beteiligen werde. "Wenngleich unser Konsortium natürlich so viel haben möchte wie möglich." Nicht üblich sei es aber, dass eine Airline ein mehrheitlicher Flughafeneigentümer sei.

Sörensen geht davon aus, dass es insgesamt vier bis fünf Bewerber für den Airport Bratislava geben wird. Den Kick-off zur Privatisierung erwartet er im Herbst bzw. Winter. Sollte die Privatisierung heuer noch starten, sei auch ein Angebot noch 2004 machbar. Als internationale Interessenten gelten mehrere andere europäische Airports und ein irisch-amerikanisches Konsortium.

Auch Wiens Bürgermeister geht davon aus, dass im Herbst in der Slowakei entschieden wird, ob eine "kooperative strategische Partnerschaft" gewählt wird oder ein Verkauf nach einer internationalen Ausschreibung. Er favorisiert zwar Ersteres, "aber wir werden auch bei einer Auktion die Hand heben".

Ein "Twin-Airport", also die Schaffung eines Flughafenverbunds zwischen Wien und Bratislava, ist auch eine der Forderungen, die sechs namhafte österreichische Konzerne und Slowakei-Töchter deutscher und französischer Autokonzerne in einer Resolution formuliert haben. Diese Resolution wurde den Bürgermeistern von Wien und Pressburg zu Mittag in einer feierlichen Zeremonie überreicht.(APA)

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