Desinteresse an EU-Parlament und Verfassungsvertrag

von Redaktion  |  17. Juni 2004, 15:36
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Das Informationsdefizit in der Bevölkerung zum EU-Verfassungsvertrag ist geradezu exemplarisch für das Demokratiedefizit in der EU! - Ein ATTAC-Kommentar

Ein Demokratisierungsaufruf anlässlich des EU-Gipfels am 17. und 18. Juni: Gratulation zur EU-Wahl: Eine Beteiligung von nur 41,8% in Österreich spricht Bände über das Interesse der BürgerInnen an der Europäischen Union. EU-weit haben 45,5% gewählt – vor 10 Jahren waren es noch 56,8%. Warum ist das Interesse für europäische Entscheidungen so gering? Parallelen beim Prozess zum EU-Verfassungsvertrag erweisen sich als aufschlussreich.

Heute und morgen kommen in Brüssel die Regierungschefs der EU zusammen. Neben politischen Richtungsentscheidungen dürfte die spärliche Beteiligung an den Parlamentswahlen thematisiert werden. Zugleich ist die Regierungskonferenz jedoch selbst ein Teil des Problems, denn sie ist, wie auch der Ministerrat und die Europäische Kommission, weder direkt gewählt noch abwählbar.

Mit den EU-Parlamentswahlen vom 10.-13. Juni ist wieder einmal deutlich geworden, dass die politische Einbindung der BürgerInnen misslingt. Nicht nur die Wahlbeteiligung gibt Anlass zur Sorge – auch die Themen, mit denen die KandidatInnen die Medien und schließlich Prozente gewonnen haben. So waren in Österreich Spesen-Vorwürfe und Verunglimpfungen durchaus wirksam für den Stimmenfang. Inhalte blieben dafür ausgeblendet, obwohl mit dem EU-Verfassungsvertrag gerade in diesen Tagen die Weichen für die Zukunft der EU gestellt werden sollen!

Demokratiedefizit erkannt, aber nicht behoben

Seit Jahren herrscht in der EU Besorgnis über die zunehmende Skepsis und das Desinteresse gegenüber der EU und ihren Institutionen, wie im „Eurobarometer“ nachzulesen ist. Dies war ein Grund dafür, dass der Verfassungskonvent in einem breiten Prozess unter Einbindung der Beitrittsländer und der Zivilgesellschaft über die künftigen Grundlinien der Europäischen Union beraten sollte. So sollte eine stabile Grundlage für das Zusammenleben und –regieren geschaffen sowie die Zustimmung der EU-Bevölkerung erhöht werden.

Vertane Chance beim EU-Verfassungsvertrag

Leider erwiesen sich neue Formen demokratischer Beteiligung der Zivilgesellschaft weitgehend als Farce. Dennoch wurden im Prozess einzelne Fortschritte erzielt: Rechtspersönlichkeit für die EU, Möglichkeiten für eine Volksabstimmung, Verbandsklagerecht, einige soziale Mindeststandards. Nachdem die Konvents-Mitglieder debattiert hatten, wurde ebenso die Gestaltung der Umsetzung – Teil 3 des Vertragswerks – ohne öffentliche Debatte oder Konventsbeteiligung von den Regierungen diktiert.

Heraus gekommen ist ein Entwurf, der zwar die Ziele des Gemeinsamen Marktes durchsetzen hilft, den EU-BürgerInnen aber nicht den Rahmen bietet, den eine Verfassung bilden sollte. Der Konvent hat es versäumt, europäischen Werten wie soziale Sicherheit, Gleichberechtigung der Geschlechter, Umweltschutz oder funktionierende öffentliche Dienstleistungen einen angemessenen Platz einzuräumen. Im Gegenteil: Der „Verfassungsvertrag“ verpflichtet die Staaten zur Aufrüstung und zu neoliberaler Wirtschaftspolitik. Wichtige Schritte zur Demokratisierung der EU, die notwendig wären, um die eigene Bevölkerung wieder zu erreichen, werden nicht gegangen!

Öffentliche Debatte um die Nebensachen

Nachdem heute und morgen beim EU-Gipfel Dokumente zum Tampere-Prozess und zur Terrorismus-Bekämpfung zur Debatte stehen, wird in einem zweiten Anlauf auch über den Verfassungsvertrag abgestimmt. In der öffentlichen Debatte ist von dessen kritischen Inhalten jedoch keine Rede – eine perfekte Parallele zum EU-Wahlkampf! Während das harte Ringen zwischen den Staaten um Elemente der Außen- und Sicherheitspolitik sowie der Wirtschaftspolitik in den letzten Monaten von der Öffentlichkeit unbemerkt vonstatten ging, wurde über die Verteilung der Stimmengewichte im Rat und den nächsten Kommissionspräsidenten diskutiert.

Die Wahl dieser relativ unwichtigen Themen ist verständlich, denn sie sind ungefährlicher und leichter zu vermitteln als die anstehenden Änderungen. Wer möchte eine Aufrüstungsverpflichtung, wer die Unkontrollierbarkeit der Europäischen Zentralbank oder des Europäischen Rates?

Das Informationsdefizit in der Bevölkerung zum EU-Verfassungsvertrag ist geradezu exemplarisch für das Demokratiedefizit in der EU!

Mehr Bürgerbeteiligung und ein neuer Verfassungsgebungsprozess

Als Konsequenz aus den kritischen Inhalten des vorliegenden Verfassungsvertrags und der verfehlten Informationspolitik kann es nur die Forderung nach besserer Information und nach Mitbestimmung in einem neuen Verfassungsprozess geben: Die EU-Bevölkerung muss neutral über die Inhalte eines Verfassungsvertrags aufgeklärt werden. Danach sollten die Menschen per Referendum gefragt werden, ob sie diese Inhalte als Grundlage für das Zusammenleben haben möchten. – Das ist die demokratische Mindestanforderung bei derart einschneidenden Änderungen.

Eine ehrliche Beteiligung der BürgerInnen ist möglich: In Strempt, einem kleinen Dorf in Deutschland, wurde am vergangenen Wahlsonntag zugleich mit der Parlamentswahl über den Verfassungsvertrag abgestimmt. Interessanter als das Ergebnis, nach dem 75% für den Vertrag stimmten, ist die Wahlbeteiligung: 52% der DorfbewohnerInnen wollten mit entscheiden – nach nur 31% bei der EU-Wahl 1999...

Nachlese

--> Das größte gemeinsame Vielfache beginnt mit gratis Essen
--> Späte Erleuchtung
--> WTO-Verhandlungen reloaded
--> Paris im Herbst - Frühling für Europa
--> Wer besitzt Prestige?
--> Wachstum gegen die Wand?
--> Die Verteidiger Bartensteins arbeiten ohne Beweise
--> Feministische Voest-Gedankensplitter
--> Standpunkt zum Standort
--> Öffentliche Beihilfe zum Steuerschwindel
--> Vollbeschäftigung ist aus, ...
--> In die Krise steuern
--> Für die Gesunden wird's billiger
--> EU: Wasser ist Ware - und sonst nichts
--> Der Preis des langen Lebens
--> Schenkungssteuer für alle
--> Brennpunkt Brennerautobahn
--> EU-Zinsregelung: Kuhhandel mit Folgen
--> Gentech: WTO gegen Demokratie
--> Mit uns ist zu rechnen
--> Vergessene Schrauben der Pensionen
--> Gender im neuen Budget
--> Venezuela: Erstes Land mit Tobinsteuer
--> Die geraubte Wunschfigur
--> Haftung für Diktaturen
--> Wege aus der Schuldenkrise
--> Synergien für Renditejäger
--> Bankgeheimnis und Globalisierung
--> Das schwarze und das blaue Gold
--> US-Kriegslogik: Lokal denken, global handeln
--> GATS oder der Angriff auf die armen Länder

von Martin Kunze

"Fremde Feder" ist eine Kolumne auf derStandard.at für KommentatorInnen von außen. Unter dem Motto "Globalisierung braucht Gestaltung" schreibt ein Team von ATTAC Austria alle zwei Wochen einen Kommentar.

"ATTAC ist ein globales Netzwerk von Globalisierungs- kritikerInnen, das 1998 in Frankreich entstanden und seither in 40 Ländern weltweit aktiv geworden ist. In dieser Kolumne nimmt ATTAC Stellung zu aktuellen wirtschaftspolitischen Themen und stellt Alternativen zur neoliberalen Globalisierung vor."

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1 2
tiuri  
20.06.2004 11:39
fehlende demokratie

ich bin zwar selbst wählen gegangen, aber ich kann es niemanden übel nehmen, warum sie nicht wählen gegangen sind.

schließlich haben sich alle parteien, die einigermaßen eine wählerInnenbasis haben, der eu in jener weise verschrieben, dass sie nicht versuchen, diese eu zu demokratisieren, diese eu mit einem hauch gerechtigkeit zu versehen (selbst die pds in deutschland propagiert die eu-hochrüstung!).

ich will nicht zurück zu den alten nationalstaaten, es wär ein rückschritt, ich will offene grenzen für menschen! (schließlich sind wir angeblich frei geboren).

das einzige das wir dagegen tun können, ist die antikapitalistische bewegung wieder sichtbar machen, die mit seattle begann!

get organized!
fight capitalism!

asinus asinus
19.06.2004 19:14
Wurscht...

Verfassung hin, Kommission her... alles nur geistige Inzucht. Ob sich jemand als Europäer fühlt, ist ihm selbst überlassen, und die EU-Heinis sind vollkommen wurscht...

sixela 
18.06.2004 09:56
He, aufwachen!

Die Partei ("Die Linken"), die diese Art von Kritik vertreten hat, erhielt 0,8% bei der EU-Wahl.

Ich stimme zwar zu, dass zu wenig über die Inhalte der EU-Verfassung diskutiert wird und wurde, aber das Problem ist nicht der angebliche "Neoliberalismus" (Europa braucht tatsächlich noch weniger Staatseinfluss, um mit anderen Weltregionen mithalten zu können), sondern der zu starke Integrationismus dieser Verfassung. Es besteht keine Notwendigkeit, dass die EU ein Superstaat wird!

reiner nutzwert
20.06.2004 00:10
verstehe die aufregung um einen "superstaat" nicht...

... wenn, dann wird die eu eine föderation. also D anstelle von F. die regionen werden gestärkt, das nationalbrimborium geht natürlicherweise etwas zurück, die eigenheiten der länder bleiben erhalten. wer in unserem schönen land schon mal wien verlassen hat, wird feststellen dass z.b. tirol oder steiermarkt sehr wohl ihre eigenheiten behalten haben obwohl sie zu österreich gehören.

Boy Sets Fire 
19.06.2004 12:23
so ein schmarren...

drum geht es uns ja auch um sovieles besser seit, unserer regierung alles verschärbelt für das sich irgend ein privater wirtschaftler interessiert...

allein schon wie viel neue arbetsplätze...
wie gut es unserem gesundheitssystem getan hat...
außerdem rettet die liberale wirtschaft ja auch flüchtlinge davor, in menschenunwürdigen umständen dahinvegitieren zu müssen...

liberale wirtschaftspolitik hilft politikern, die in der wirtschafts tätig sind (komplette ÖVP) und den hierarchisch höher angesiedelten unternehmern...
und sonst absoult niemandem!

wann kapieren leute wie sie endlich, dass österreich ein staat ist, und keine unternehmen!

tiuri  
19.06.2004 09:16
mit einem "he, aufwachen" im standard forum veränderst du nicht die welt ;)

da musst du schon auf die straße gehen, und die leute in ihren unmut abholen und mit ihnen gemeinsam gegen diesen unmut was unternehmen (am besten eine aktion, wo du noch mehr leute erreichst...)

aber das erkennen "die linken" (als partei) auch nicht, sie sagen nur wählt uns wählt uns wählt uns...

anstatt die (antikriegs-, antikapitalistische-, antisystemische-, antiglobalisierung-, ...- bewegung weiter aufzubauen.

fight capitalism!
menschen vor profite

der ball
18.06.2004 16:42
der böse staat, den sie und andere so leidenschaftlich geiseln

ist dafür verantwortlich, dass es uns allen so verdammt gut geht. das modell eines sozialstaates, der sich aktiv um seine bürger kümmert und sich den auswüchsen der freien marktwirtschaft entgegenstemmt, hat überhaupt erst den wohlstand in dem wir leben, ermöglicht.

anstatt froh zu sein, dass es bei uns nicht solch elendigen zustände wie in den usa (es gibt tatsächlich ein amerika, abseits der luxusvillen von beverly hills und den schicki-bars in manhattan) haben, tun wir alles, um dieses erbärmliche niveau zu erreichen.

ich kapier' das einfach nicht...

sixela 
19.06.2004 12:09
Ja, der Staat sorgt sich...

...aber vor allem um seine Beamten, die 20% der Beschäftigten ausmachen und die wir durch unsere Steuern, Sozialabgaben und Kammerbeiträge durchfüttern dürfen.

Derweil wandern ganze Betriebszweige nach Osteuropa und in die sog "Dritte Welt" aus, weil es dort noch aufstrebende, erfolgshungrige, aber auch genügsamere Menschen gibt, die sich nicht im Faulbett der staatlichen Gießkanne räkeln wollen.

Und wer zahlt hierzulande drauf? Alle nicht direkt oder indirekt vom Staat abhängigen Lohnempfänger, die nicht begreifen wollen, dass das ganze Sozialsystem zusammenbricht, wenn es nicht von Produktivität getragen wird!

tiuri  
19.06.2004 09:12
dass es uns so verdammt gut geht,

obwohl dies eine sehr oberflächliche analyse der österr. gesellschaft ist, schließlich gibt es >300.000 arbeitslose, noch mehr armutsgefährdete, eine immer geringer werdende mittelschicht und ein paar super reiche, haben wir den arbeiterInnen der ganzen welt zu verdanken, die mit ihrer arbeit reichtum geschaffen hat.
es war in wirklichkeit bisher also eine verteilungsfrage, und der staat wird immer nur soviel soziale gesetze zulassen, dass den unternehmen genug möglichkeit bleibt zu akkumulieren. in wirtschaftlichen hochs ist es also eine leichtigkeit, soziale gesetze zu erlassen, das wahre gesicht des staates erkennen wir erst, wenn der staat vor der wahl steht: arbeiterInnen oder kapitalistInnen

fight capitalism!
menschen vor profite

Karl Philipp Emmanuel Milchmädchen
19.06.2004 01:48
du kapierst es wirklich nicht

Von Staat habe ich genug, auch davon, was ich für ihn zahlen muss. Dass es mir gut geht verdanke ich nicht dem Staat.

memoiyo 
19.06.2004 01:45
sozialer Staat?

Leider strukturieren die europäischen Regierungen "ihre" Staaten in zunehmend neoliberaler Weise - im Gegensatz zur Sozialstaatsversion der 50er und 60er Jahre. Sie delegieren einen Teil der Verantwortung hierfür an die Europäische "Kommission".

Es ist nicht notwendig, auf die krassen Verhältnisse in den USA zu schauen, um zunehmende Missstände auszumachen.

Die Information über die vereinbarten teils alarmierenden Ziele des nun durch die Regierungen (nicht durch die Bevölkerung!) beschlossenen Verfassungsvertrags erscheint mir mehr als notwendig...

Anstatt froh zu sein, wäre ein gutes Maß Entsetzen über die Richtung der Politik in Europa durchaus angebracht - und Protest, nicht nur der Zivilgesellschaft, das Gebot der Stunde.

franc g
18.06.2004 14:45

Die "Linke" hat aber auch keine Unterstützung durch die Boulevardpresse wie HPM erhalten.

Der europäische Sozialstaat ist Grundlage des Erfolges nach 1945 und nicht weniger staatliches Handeln!

Gabriele Wladyka   
18.06.2004 11:44
Auch HPM ist gegen die EU-Verfassung

und unterstützt tatkräftig das Friedensvolksbegehren.
www.friedensvolksbegehren.at

reiner nutzwert
20.06.2004 00:05
der wird wohl kaum dafür sein,

der ist auf der euroskeptischen welle ja ins eu-parlament gespült worden.

Dominik Maria Rosenauer
18.06.2004 08:28
Das Desinteresse an der EU scheint auf Grund mehrerer Faktoren groß:

1) "Die EU" ist ein Konstrukt dass für die Menschen nicht fassbar ist, noch fühlt sich niemand wirklich als Europäer sondern als Ö, D, F usw.
2) "Die EU" ist immer wieder eine billige Ausrede für misslungene Innenpolitik, wird daher nur negativ wahrgenommen.
3) da 1 gilt, gibt es auch kein Wir-Gefühl, das aber für eine Verfassung notwendig wäre.
4) das Parlament hat real nichts zu sagen, wozu soll man es dann wählen (ähnlich unser BP)
5) die Politiker verabsäumen es laufend, Entscheidungen, die getroffen werden müssen auch als Pflicht und nicht als Kür zu bezeichnen, wenn sich damit Erfolge verbuchen lassen (Implementierung des EU-Rechts)
6) wenn Geld von der EU fließt, wird es nicht deutlich genug als solches identifiziert
usw. usw.

Gabriele Wladyka   
18.06.2004 11:45
Unser Geld fließt nach Brüssel und nicht umgekehrt.

Dominik Maria Rosenauer
18.06.2004 11:51
quod erat demonstrandum

Owi lacht
18.06.2004 17:21
:-)

John Woo
17.06.2004 23:41
attac what?

tjaja, das kommt dabei raus, wenn selbsternannte Exponenten der Zivilgesellschaft versuchen, mit materiae res herumzustümptern..krone-kommentarchen.
die institutionen für die nivaulosigkeit der nationalen wahlkämpfe veranwortlich zu machen ist so peinlich wie letztere.
das outing des binnenmarkts und seine grundfreiheiten als kernelement der integration (im wesentlichen vollendet seit 1992. sowas!) als neoliberales pfuigacksi zeugt auch von beeindruckendem faktenwissen...und dieses elendigliche demokratiedefizit...der rat (bzw. europäische rat) setzt sich aus vertretern der von parlamenten bestellten nationalen regierungen zusammen. und wer ernennt wohl den kommissionspräs samt kommissaren?
lasstses lieber. bitte.

franc g
18.06.2004 14:53

Schlag nach bei Jacques Delors: Er hat auch einen handlungsfähigen Staat komplementär zum Binnenmarkt vorgesehen. Der Binnenmarkt ist nur ein Torso geblieben! Es ist wirklich toll von Ihnen, dass sie trotz aller eingebauten Filter - die sie hier ja anführen - keine Demokratiedefizite erkennen wollen.

reiner nutzwert
20.06.2004 00:07
deswegen...

brauchen wir eine stärkung des eu-parlaments, eine gewählte eu-regierung, eu-minister etc.
die eu ist eine chance, jahrhundertelange "konfliktkultur" zu überwinden. sie wird per se als eu durch das defizit nicht schlechter, dem kann abgeholfen werden. also ärmel hochgekrempelt - und weitergearbeitet.

Alexandra Bader
17.06.2004 21:12
ehrliche information über die verfassung?

die intention ist ja gut, nur bin ich skeptisch hinsichtlich einer neutralen information über die verfassung im falle eine abstimmung darüber. schließlich weiß ich als damals EU-kritische referentin - und eigentlich auch als heutige journalistin - wie selektiv informationen verbreitet bzw. welche unter den tisch fallen gelassen wurden. hielt die damals rotschwarze regierung die leute offenbar für nicht "reif" genug, den vergleichsweise knappen maastricht-vertrag zu kapieren, so gibts sicher eine menge ausflüchte, nicht über die EU-verfassung durch deren publikation zu informieren. 1994 waren es dann einzig die grünen, die den unionsvertrag druckten, erklärten und kommentierten - und das war kaum durchsetzbar.

Bernd Kinschner
17.06.2004 19:25
Von nix kommt nix

Es war ja doch wohl noch nie der Fall, dass "ein Volk" sich besonders um Parlament und Verfassung geschert hätten. Und was die EU anbelangt, ist es kein Wunder dass das Interesse so gering ist, ist doch dessen Parlament nicht nur weit weg, sondern wird auch von der eigenen Kommission nicht besonders beachtet.
Eben hat der Rechtsausschuss des EU-Parlaments in Sachen Weitergabe personenbezogener Passagierdaten an die USA mit Zweidrittelmehrheit ein Eilverfahren vor dem EU-Gerichtshof gefordert, das wird jetzt in Schubladen vergammeln.
Der Wahlkrampf hat alle verschreckt und das EU-Parlament ist für uns doch eigentlich so gut wie nicht existent! Die Parteien haben sich ja nicht einmal die Mühe gemacht, im Wahlkampf Argumente vorzutragen!

Stefan Grünberger 
17.06.2004 19:04

warum ist das interesse so gering?
weil die eu gelinde gesagt ein schmarrn ist.
übe den eu-austritt nachzudenken, wird notwendiger denn je.
grossbritannien denkt schon, die schweizer sind erst gar nicht so blöd gewesen, und die oststaaten bereuen es sowieso schon oder bald.
die friedensaktivitäten von deutschland und frankreich in allen ehren, aber es ist nicht nötig, alle anderen hineinzureiten.
jede menge an eu-lügen, transit, inflation und arbeitslosigkeit, - blendende aussichten.

franc g
18.06.2004 14:47

Ein Austritt wird weder für Österreich noch für andere ein heile Welt bringen. Innerhalb der EU für Demokratisierung und soziale Gerechtigkeit kämpfen!

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