"Der (Regulierungs)-Wahnsinn geht weiter"

28. Juli 2004, 11:24
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Marktfoscher EE&MC: "Österreich bei der Telekom-Regulierung EU-Musterschüler" - TA-Fischer: "Wettbewerb in Österreich zu rasch eingeführt"

Wien - Heftige Vorwürfe gegen die österreichische Telekom-Regulierung hat heute, Donnerstag, der Telekom Austria-Festnetz-Chef Rudolf Fischer erhoben. "Der Wahnsinn geht weiter", ärgerte sich Fischer vor Journalisten.

Er fürchtet, durch das neue Telekomgesetz (TKG) und die darin vorgesehene neue Marktbeobachtung weitere Marktanteile sowohl an Mobilfunkanbieter wie auch an Mitbewerber im Festnetz zu verlieren. Er will einmal mehr nur noch Regulierung auf der "letzten Meile" vom Wählamt zum Endkunden.

Fairer Wettbewerb im Endkundenbereich

Seiner Meinung nach Bedarf der Endkundenbereich keiner weiteren Reglementierung, da das Ziel des fairen Wettbewerbs zwischen Ex-Monopolisten und Infrastrukturinhaber Telekom Austria (TA) und Alternativen Anbietern (wie UTA oder Tele2) bereits gegeben sei.

Dies belege auch eine von der TA in Auftrag gegebene Studie des europäischen Beratungsunternehmens EE&MC, so dessen Gründerin Doris Hildebrand.

Gleichzeitig betonte sie, dass Österreich ein Musterschüler bei der Umsetzung der Regulierungsvorgaben der EU sei. Dass die Kritik an der Regulierung nun darauf abziele, Österreich zu einem EU-Hinterbänkler zu machen, wollte Fischer aber so nicht verstanden haben. "Wir wollen gleiche Maßstäbe in Europa", betonte er und verwies darauf, dass in Österreich "der Wettbewerb zu rasch eingeführt wurde".

Erfolgsstory

Geht es nach Hildebrand, dann war die bisherige Regulierung in Österreich jedoch eine "Erfolgsstory", in deren Mittelpunkt niedrige Preise für die Endverbraucher standen. Und dieser habe das auch zu nutzen gewusst, besonders die Wiener Bevölkerung sei sehr "preissensitiv". "Eine Preiserhöhung im Festnetz würde einen Wiener eher bewegen, ganz auf das Handy umzusteigen als einen Bewohner am Land", so Hildebrand.

Demnach dürften die Österreicher mit den Preisen der TA nicht sehr glücklich gewesen sein, schließlich ist die Telekom nach Eigenaussagen einer der Ex-Monopolisten mit dem geringsten Marktanteil im EU-Vergleich. Fischer räumte ein, dass im Zuge des Börsegangs und der damit verbundenen Umstrukturierung einiges an Kunden verloren ging. "Wir haben aber unsere Marktanteile in den vergangenen 18 bis 24 Monaten relativ stabil halten können", so der Festnetzchef.

TA von Mobilfunk weniger getroffen

Die Abwanderung vom Festnetz hin zum Mobilfunk trifft die Telekom allerdings weniger als die Mitbewerber, schließlich gehört mit der Mobilkom Austria der Mobilfunk-Platzhirsch zum eigenen Konzern. Laut Fischer liegt der Pro-Kopf-Durchschnittsumsatz eines TA-Festnetzkunden bei 17 bis 18 Euro, bei der Mobilkom beträgt er früheren Angaben zu Folge 35,6 Euro.

Schmerzlicher ist da schon die Konkurrenz im Breitband-Internet, wo in Wien der Kabelnetzbetreiber Chello eindeutig Marktführer ist. Hildebrand forderte, dass die städtischen Kabelbetreiber verstärkt vom Regulator beobachtet werden.

Das neue Telekom-Gesetz sieht vor, dass die Marktbeherrschung von Unternehmen nun in 18 statt in vier Teilmärkten beobachtet wird. Ein Endbericht dazu wird von der Telekom für Ende Juli erwartet.

Künftig soll die Marktbeherrschung nicht nur vom Marktanteil, sondern auch aus der Sicht des Endkunden beurteilt werden. Marktbeherrscher bekommen dann besondere Auflagen, und die TA befürchtet, hier oft zum Handkuss zu kommen. (APA)

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