Rollende Landstraße stockt

24. Juni 2004, 14:06
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Im Mai um ein Drittel eingebrochen - Ökombi bricht Fusionsgespräche mit ÖBB ab - Börsegang angepeilt - mit Infografik

Wien - Die Rollende Landstraße (RoLa) in Österreich ist im Mai um ein Drittel eingebrochen. Wie aus Daten des größten heimischen RoLa-Betreiber, der Firma Ökombi, hervorgeht, hat das Unternehmen im Mai 20.276 Lkw auf der Schiene befördert, nach noch 30.643 im Jahr davor. Am Brenner beträgt der Rückgang sogar 40 Prozent. Dort dürften heuer 50.000 Lkw weniger über die Schiene rollen und auf die Straße ausweichen.

Die Gründe: das Ende des Transitvertrags, die EU-Erweiterung, die Probleme mit der Lkw-Mauteinführung in Deutschland und Streitigkeiten mit den ÖBB. Die Ökombi will nun eigene Wege gehen, die Fusionsgespräche mit den ÖBB sind abgebrochen worden. Durch die Gründung einer neuen operativen Tochtergesellschaft - einer Ökombi Neu - sollen die ÖBB auch über Umwege aus dem Aufsichtsrat gedrängt werden.

Zwanzig Jahre Verhandlungen

"Nach zwanzig Jahren Verhandlungen mit den ÖBB haben wir erkannt, dass das nichts wird", sagte Ökombi-Chef Stefan Hofer am Donnerstag vor Journalisten. Die Ökombi hätte für eine 50-prozentige Beteiligung ihre Eigenständigkeit aufgeben müssen, und diese habe die Ökombi nicht wollen. Daher habe man bereits Verhandlungen mit anderen möglichen Partnern aufgenommen.

Außerdem soll bis 2006 auch die Förderung der RoLa neu gestaltet werden. Statt bisher die ÖBB sollen künftig die RoLa-Betreiber in Zukunft direkt die Förderung erhalten, zumal die ÖBB zuletzt bis zu zwei Drittel der Förderungen behalten hätten. Auch wenn die Förderungen in den vergangenen vier Jahren halbiert worden seien, wie Hofer kritisierte, geht es dabei immer noch um immerhin 46 Mio. Euro im heurigen Jahr.

Für die Zukunft ist die Ökombi trotz der Probleme im heurigen Jahr dennoch zuversichtlich. Der Transitverkehr durch Österreich werde bis 2010 von derzeit 1,6 auf 4 bis 5 Mio. Lkw ansteigen. Die Ökombi wolle davon bis dahin ein Drittel auf die Schiene bringen, so Hofer.

Ökombi peilt Börsegang an

Möglicherweise noch rückwirkend mit 1.1.2004 wird die Ökombi ihr operatives Geschäft aus der derzeitigen Kommanditistengesellschaft in eine neue Tochtergesellschaft ausgliedern. Die ÖBB, die als einer der insgesamt fast 400 Kommanditisten auch im Aufsichtsrat vertreten sind und gleichzeitig der Ökombi zuletzt heftig Konkurrenz gemacht haben, hätten dadurch keine Informationen mehr auf das operative Geschäft, erklärte Ökombi-Chef Stefan Hofer am Donnerstag weiter vor Journalisten. Die Beschlüsse in der Hauptversammlung seien nach dem Scheitern der Verhandlungen mit den ÖBB bereits gefallen.

Geplant sei außerdem die Umwandlung der Ökombi in eine Aktiengesellschaft, mittelfristig sei ein Börsegang mit etwa 30 Prozent des Unternehmens nicht ausgeschlossen. Dadurch könne man zum einen strategische Partner an Board holen, zum anderen auch frisches Kapital für die Expansion etwa in Deutschland, Italien oder Ungarn lukrieren. In den nächsten zwei Jahren habe die Ökombi aber keinen Kapitalbedarf, betonte Hofer.

Rekordgewinn

Im vergangenen Jahr hat die Ökombi trotz leichter Umsatzrückgänge einen Rekordgewinn eingefahren. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) erhöhte sich um 8,3 Prozent auf 12,2 Mio. Euro. Das Fördervolumen hingegen ist im Vorjahr erstmals seit der Gründung 1983 geschrumpft. Weil auf Grund von Sicherheitsvorschriften ein Viertel der Wagons erneuert werden musste, sank die Zahl der transportierten Sendungen um 2,6 Prozent auf knapp 680.000 Container und Lkw. Der Umsatz ging allerdings nur um 1 Prozent auf 167 Mio. Euro zurück.

Für heuer sei angesichts der angespannten Situation mit einem weiteren Umsatzrückgang um 10 Prozent zu rechnen, der Gewinn werde sich voraussichtlich halbieren, erklärte Aufsichtsratspräsident Max Schachinger am Donnerstag. Schachinger sieht diese Entwicklung allerdings gelassen: Das Unternehmen stehe "strategisch und finanziell sehr gut" da. Das Eigenkapital liege bei 36 Mio. Euro. Der Gewinne werde 2004 trotz Halbierung auf dem Niveau von 2001 liegen und Verluste drohten der Ökombi nicht.

Problem für österreichische Verkehrspolitik

Der Rückgang auf der Rollenden Landstraße (RoLa) und vor allem am Brenner sei kein Problem für die Ökombi sondern vielmehr ein Problem für die österreichische Verkehrspolitik. Die Ökombi könne sich auf der rentableren Donau-Achse neue Kunden suchen. Heuer sollen neue Verbindungen im unbegleiteten kombinierten Verkehr (Container) zwischen Mannheim, Wels und Budapest und zwischen Wien und Verona aufgenommen werden. Auch auf der RoLa sind heuer neue Züge zwischen Wels und Budapest bzw. zwischen Wels und Sopron geplant.

In den nächsten Jahren rechnet das Unternehmen wieder mit einem deutlichen Wachstum. Zum einen werde der immer dichter werdende Straßenverkehr die Lkw auf die Schiene drängen, zum anderen auch die zunehmend schärferen Kontrollen von Fahrzeugen und Lenker-Ruhezeiten. Weil die Transportwege immer länger würden, könne während der Ruhezeit des Lenkers der Lkw auf der Schiene weiter transportiert werden. Die Ökombi verlangt daher den Aufbau eines transeuropäischen RoLa-Netzes entlang der wichtigsten europäischen Straßenrouten.

(APA)

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mit den ÖBB lassne die Rollende Landstraße einbrechen
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    Das Ende des Transitvertrags, die EU-Erweiterung, die Probleme mit der Lkw-Mauteinführung in Deutschland und Streitigkeiten mit den ÖBB lassne die Rollende Landstraße einbrechen

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