Paris lässt die Preise senken

24. Juni 2004, 13:58
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Planwirtschaft à la française: Auf Druck der Pariser Regierung senken die französischen Supermärkte nach dem Sommer die Preise generell um zwei Prozent

Vertreter von Supermarktketten und Markenherstellern einigten sich in der Nacht auf Donnerstag in Paris darauf, die Verbraucherpreise auf wichtige Produkte um zwei Prozent zu senken. Die Maßnahme gilt ab dem Ende der großen Sommerpause im September. Weitere Preissenkungen würden eventuell "gestaffelt" folgen, meinte ein Vertreter der Branchenverbände, die noch die offizielle Zustimmung ihrer Mitglieder einholen müssen.

Beteiligt waren an den Gesprächen Supermarktketten wie Carrefour, Leclerc, Casino und Intermarché sowie Produzenten wie Nestlé France, L'Oréal, Unilever, Ricard, Gillette oder Procter & Gamble.

Die Maßnahme erfolgt auf Betreiben von Wirtschaftsminister Nicolas Sarkozy, der eine Baisse von insgesamt fünf Prozent bis Mitte 2005 verlangt hatte. Zur Durchsetzung drohte er mit einer Gesetzesänderung im Parlament. Er ließ zwar offen, was genau‑ geändert werde; bei den Gesprächsrunden mit der Lebensmittel- und Konsumgüterbranche vor ein paar Ta-‑ gen ließ er aber durchblicken, dass er den Supermärkten‑ besser auf die Finger schauen wolle.

Verbraucherpreise auf Gesetzesweg kontrollieren

Sarkozy sucht mit den Preissenkungen vorab die Kaufkraft und Konsumlust der französischen Haushalte zu erhöhen. Die Behörden versuchen in Frankreich seit dem Zweiten Weltkrieg, die Verbraucherpreise auf dem Gesetzesweg zu kontrollieren. Dies geschieht allerdings nicht nur zum Glück der Konsumenten – sondern vor allem unter dem Einfluss der in Frankreich sehr starken Lebensmittellobby. Sie setzte 1996 in einem neuen Gesetz ("loi Galland") durch, dass die Supermärkte keine Dumpingpreise oder Mengenrabatte praktizieren dürfen.

Die französischen Supermarktketten verloren damit nicht zuletzt ein anderswo häufig praktiziertes Mittel, gegenüber den Produzenten auf die Preise zu drücken. Also erdrosseln sie die Bauern und Hersteller auf andere Weise: Sie verlangen, dass sich diese an den Werbe- und Marketingkosten für Sonderaktionen beteiligen.

"Nachmargen"

Diese so genannten "Nachmargen" können bei einzelnen Produkten bis zu 40 Prozent des Herstellungspreises ausmachen; laut einer Studie des vergangenen Jahres betrug ihre Gesamtsumme in Frankreich 7,4 Mrd. Euro. Mit anderen Worten: Via Nachmargen behauptet sich der Markt neben der schönen Preis- und Planwirtschaft à la française.

Bloß nützt diese "Mischwirtschaft" letztlich niemandem mehr. Die Produzenten und Konsumenten zahlen ohnehin drauf, und sogar die Supermarktketten sind heute unzufrieden damit, da immer mehr Discounter – wie etwa Lidl oder Aldi – in den französischen Markt drängen. Sie tun das auf ebenso schlaue Weise wie die etablierten Ketten mit ihren Nachmargen.(Stefan Brändle aus Paris, Der Standard, Printausgabe, 18.06.2004)

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    Die Vertreter großer Supermarktketten und Markenhersteller haben am Donnerstag zugesagt, die Preise im September um zwei Prozent zu senken

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