Polens Alleinerzieherinnen besetzen Ämter

22. Juli 2004, 11:24
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Mütter protestieren wegen seit April ausbleibender Familienbeihilfe

Warschau - Polens allein erziehende Mütter proben den Aufstand. Im ganzen Land haben Hunderte die Ämter für Familienbeihilfe besetzt, weil sie seit April keine staatliche Hilfe mehr bekommen. Nach Angaben von Frauen-Vereinigungen erhält derzeit nur ein Fünftel der 6,4 Millionen Mütter in Polen die Unterstützung, die ihnen zusteht. Grund dafür ist ein Verwaltungschaos in den Ämtern für Familienbeihilfe.

Gegenseitige Schuldzuweisungen

Seit 1. Mai sollen diese Ämter, die zu den Gemeindeverwaltungen gehören, die Auszahlungen vornehmen. Doch auf diese zusätzliche Aufgabe sind sie nicht vorbereitet. Das Arbeitsministerium und die Gemeindeverwaltungen schieben einander die Schuld am Chaos gegenseitig zu. "Die Gemeinden haben sich nicht vorstellen können, wie viel Arbeit auf sie zukommt", sagt der stellvertretende Arbeitsminister Cezary Mizejewski.

Sein Ministerium habe angeboten, bei der Finanzierung von Neueinstellungen zu helfen. Aber gerade die größeren Städte hätten auf dieses Angebot verzichtet. Die Gemeinden kontern, sie hätten die Mittel für neue Büros viel zu spät erhalten. Außerdem fehle es ihnen noch immer an den notwendigen Computer-Programmen.

Besetzt!

In Stettin hat eine Gruppe von Müttern beschlossen, das Rathaus erst dann zu verlassen, wenn sie ihre Unterstützung ausbezahlt bekommen. "Ich musste meine Kinder zur Oma aufs Land bringen, weil ich sie hier in der Stadt nicht mehr ernähren kann", erklärt eine der Mütter, Malgorzata Orlowska, unter Tränen.

In Lublin versammelten sich am Mittwoch über 100 Mütter vor dem Amt für Familien-Beihilfe, drangen in das Büro des Direktors ein und wollten die MitarbeiterInnen nach Feierabend am Verlassen des Gebäudes hindern. Nach Angaben des Staatlichen Amtes für Statistik gibt es in Polen 6,4 Millionen Mütter, die vom Staat unterstützt werden. Im Haushaltsplan für heuer sind für sie 620 Millionen Euro an Beihilfe vorgesehen. (APA)

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