Grasgeflüster zwischen Bäumen und Blüten

22. März 2005, 14:59
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Wo kann man sich entblättern, entspannt lernen oder einfach die Schmetterlinge im Bauch flattern lassen? Ein bundesweiter Park-Test

"Der Flirter"

Votivpark, Wien, 9. Bezirk:
Zwischen Capoeira und Hacki-Sack bleibt das mitgebrachte Skriptum meist unberührt. Hier wird der Blick von Ausgezogenem angezogen und gebaggert wie in der Kiesgrube. Bestimmt kommt auch eine herumziehende Handleserin vorbei und sagt einem die Liebe des Lebens voraus, die vielleicht schon ganz in der Nähe wartet. Wegen des Straßenlärms und der geringen landschaftlichen Vielfalt bleibt leider trotzdem nur die

Note: 4

"Der Verträumte"

Türkenschanzpark, 18. Bezirk:
Hierher kommt man nicht gern allein, angesichts der allerorts geteilten Zweisamkeit. Singles aufgepasst: Augen zu und durch. Das scheint auch der Grund zu sein, warum hier so viele joggen. Dieser Park besticht vor allem durch seine malerischen Wasserflächen und die naturalistisch-hügelige Landschaftsgestaltung. Also Decke und Picknickkorb einpacken und ab in einen Traumpark. Ganz klar

Note: 1

"Der Vornehme"

Burggarten, 1. Bezirk: Highlight dieser Anlage ist das Palmenhaus. Späthistorismus, Barock und Jugendstil treffen einander hier zum architektonischen Brunch. Wer bei wilden Clubbings bis in den Morgen tanzt, findet sich in tropischer Atmosphäre zum Frühstück ein. Mozart und Goethe leisten ganz in marmornem Weiß Gesellschaft. Bei Einbruch der Dunkelheit schließen hier die Pforten. So mancher Gitarrenvirtuose kommt nicht mehr dazu, seine kleine Nachtmusik zu spielen. Studierende flattern für 3,30 € ins Schmetterlingshaus.

Note: 2

"Der Romantiker"

Botanischer Garten der Uni Wien, 3. Bezirk: Dieses blühende Mosaik ist mittlerweile 250 Jahre alt. Unser romantischer Geheimtipp, nicht nur für Botaniker. Wer die knapp 10.000 vertreten Arten auf Latein aus dem Stegreif beherrscht, hat selbst als Frosch die Chance, am Seerosenbecken von seiner Prinzessin geküsst zu werden. Kostenlose Gartenführungen helfen hier intellektuell auf die Sprünge. Der Tausch von Hörsaal gegen Parkbank lohnt sich auf jeden Fall. Verlangt unbedingt eine romantische

Note: 2

"Der Tierfreund"

Stadtpark Graz: Dieser Park macht einen ruhigen, gepflegten Eindruck und präsentiert sich natürlich "soft styled". Hier teilen sich Enten harmonisch den Teich mit Schwänen und Eichhörnchen die Wiese mit frei laufenden Hunden. Hauptsächlich Studenten kommen zum Jonglieren, Trommeln und Frisbeespielen. Eine gastronomische Attraktion ist das "Parkhaus": Longdrinks zu Club-Tunes garantieren chilliges Relaxen unterm Blätterbaldachin. Es stören allerdings die zu vielen Hundstrümmerln, darum

Note: 3

"Der Tourist"

Mirabellgarten, Salzburg: Die Postkartenansicht des geometrisch angelegten Parks lockt nicht nur Maler und Tausende Touristen. Auch Studierende des angrenzenden Mozarteums lassen sich hier gerne die inspirierende Sonne auf den Bauch scheinen. Selbst verwirrte Studenten schaffen es nicht, sich im Labyrinth aus Buchenhecken zu verirren. Heitere Abwechslung bietet auch der Zwergerlgarten, in welchem großartige Statuen für kleine Freuden sorgen. Zu viel Touristentrubel stört aber dann doch beim Lernen. Daher leider nur

Note: 3

"Die Muse"

Hofgarten, Innsbruck: Ob entspannende Konzerte im Musikpavillon, oder spannende Schachpartien im Park - Grün überall! Im Kunstpavillon, dem ehemaligen kaiserlichen Teehäuschen, naschen sich Studenten wie Touristen durch Kekse und Kuchen. Und wer sich für einmalige Kuriositäten interessiert, der lasse sich von seltenen Besuchern, den zutraulichen, nordindischen Halsbandsittichen auf der Parkbank beim Lernen über die Schulter schauen.

Note: 2

Getestet wurde von den UniStandard-MitarbeiterInnen Irini Kombotis, Josef C. Ladenhauf und Michael Mühlböck
  • Artikelbild
    standard/christian fischer
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