Streit um Billigflieger belastet Kärntner FPÖ-SPÖ-Koalition

5. Juli 2004, 16:36
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Hypo-Chef als Flughafen-Aufsichtsrat zurückgetreten - Schwere Vorwürfe von SP-Ambrozy gegen FP-Pfeifenberger

Klagenfurt - Nicht die Nachwehen der EU-Wahl, sondern eine wirtschaftspolitische Frage haben am Mittwoch zu einer ernsten Diskussion zwischen der seit März bestehenden FPÖ-SPÖ-Koalition in Kärnten geführt. Konkreter Anlass: Die Bestellung eines neuen Flughafen-Geschäftsführers durch FPÖ-LHStv. Karl Pfeifenberger, die ohne Abstimmung mit der SPÖ, wie im Koalitionspakt vereinbart, erfolgt sei.

Begonnen hatten die Turbulenzen am Nachmittag mit dem überraschenden Rücktritt von Hypo-Vorstandschef Wolfgang Kulterer als Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafen-Betriebsgesellschaft. Kulterer erklärte, die strategische Ausrichtung des Eigentümers nicht mittragen zu können.

Non-Profit-Organisation

Wenn Verluste aus operativen Geschäften durch Zuschüsse des Eigentümers aufgefangen würden, könne er nicht mehr mit. Er sei nicht geeignet dafür, "eine Non-Profit-Organisation zu leiten". Auch die Bestellung des neuen Flughafen-Geschäftsführers Hannes Gatterer sei ein Grund für seinen Rückzug.

Pfeifenberger begründete dessen Kür zum neuen Chef mit seiner "hervorragenden Qualifikation". Gatterer habe in den vergangenen drei Jahren die Billig-Schiene aufgebaut und sei der beste Mann für den Job, was auch belegbar sei.

In den Augen Ambrozys ist die Bestellung ein Alleingang, der nicht die Mehrheitsmeinung des Eigentümers sei. Zudem gebe es Anzeichen, dass nicht der Beste des Hearings gewählt worden sei. Sollte sich dies bestätigen, sei die Frage nach der "politischen Tragbarkeit" Pfeifenbergers zu stellen.

Bestellung nicht abgesprochen

Auch die Tatsache, dass sich Pfeifenberger selbst in den Aufsichtsrat wählen habe lassen, "ist in keinster Weise abgesprochen, diese Vorgangsweise ist mir unerklärlich", sagte Ambrozy.

Der SPÖ-Chef verlangt daher eine Überprüfung dieser Bestellung. Die beiden SPÖ-Regierungsmitglieder Gabriele Schaunig-Kandut und Reinhart Rohr äußerten ebenfalls "schwerste Bedenken". Schaunig-Kandut forderte eine Überprüfung der Incoming-Zahlen der Billigfluglinien.

Auch ÖVP-Landesobmann Josef Martinz kritisierte die Vorgangsweise Pfeifenbergers. Er sei wie bei allen anderen Gesellschaften des Landes "strikt gegen einen politischen Einfluss". Dort sollten Profis arbeiten und nicht Politgünstlinge.

Infrastruktureinrichtung

Pfeifenberger erklärte, der Flughafen als wichtige Infrastruktureinrichtung müsse nicht als "Cash cow" herhalten, sondern - bei moderaten Gewinnen - für Tourismus und Wirtschaft sowie Bevölkerung des Landes da sein.

Er verwies auf den ausgewiesenen Gewinn von 857.000 Euro im vergangenen Jahr. Dass die Billigflieger dem Airport Verluste brächten, sei daher unrichtig. Er warf Kulterer im Gegenzug vor, ausdrückliche Wünsche des Eigentümers missachtet zu haben.

Mehr Passagiere

Im vergangenen Jahr seien in Klagenfurt 314.000 Passagiere gezählt worden, im Jahr davor es 207.000, erklärte der neue Geschäftsführer Gatterer. Für heuer verspreche eine Hochrechnung 516.000 Passagiere.

Genaue Zahlen über die Nachlässe, welche Hapag Lloyd Express und Ryanair gewährt würden, wollte er nicht bekannt geben. "Sie zahlen pro Passagier eine Summe x, das ist für sie aber natürlich viel günstiger als das normale Tarifmodell."

Das Land Kärnten hat für das vergangene und das heurige Jahr zur Forcierung der Low-Cost-Carrier insgesamt 800.000 Euro Marketingbudget locker gemacht. 2003 erhielt die Kärnten Werbung laut Geschäftsführer Werner Bilgram 450.000 Euro, in diesem Jahr sind es 350.000 Euro. (APA)

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