Gezupfte Augenbrauen

24. Juni 2004, 17:36
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++Pro&Contra--: Haare im Gesicht: Das ist barbarisch. Die Zivilisation orientiert sich stattdessen am Muster des Babypopos

+++Pro
von Wolfgang Weisgram

Haare im Gesicht: Das ist barbarisch. Die Zivilisation orientiert sich stattdessen am Muster des Babypopos. Im Schritt weg vom Tier floriert das Menschliche sozusagen: Ihm wächst eine Pfirsichhaut. Zwar hat die Tante Jolesch tatsächlich gemeint, dass, was der Mann schöner sei als der Aff' ein Luxus sei. Aber nirgends im Joleschschen Nachlass findet sich etwas Abfälliges über den Luxus. Erstens. Und zweitens hat sie ausdrücklich "Mann" gesagt.

Also weg damit! Der Braue fehlt zur Wertschätzung ohnehin das Wesentliche, das finale R. Sie dem Wildwuchs zu überlassen, hieße ja, vorm eigenen Zivilisationsauftrag zu resignieren, allmählich, aber unerbittlich der nenningoiden Vergünthergüntherung anheim zu fallen. Als Grundkonsens der Gesichtspflege gilt ja, zumindest die Nasenwurzel brauenlos zu halten. Gut: Das Zupfen tut ein bisserl weh, die mit Stumpf und Stingel ausgerissenen Haare hinterlassen Löcher, die, zusammengenommen, zu unschönen Rötungen führen können. Aber da muss man durch, das ist die Pinzette führende Hand dem Gesicht schuldig. Außerdem gibt es ja diese elektrischen Ladyshaves (Ladyshaves?). Die tun nicht weniger weh, aber es geht schneller. Und großflächiger. Also: weg damit.

Ach so, ja: die Sache mit dem Stirnschweiß. Deshalb also nur zupfen und nicht überhaupt wegnehmen?

Ja, wie soll ein Bartträger das wissen?

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Contra--
von Tanja Paar

Themenverfehlungen sind manchmal unvermeidlich. Die Rede war vom Augenbrauenzupfen und nicht etwa von gezupften Augenbrauen! Gezupfte Augenbrauen sind immerhin der lobenswerte Versuch, die Geschlechtergrenzen in der oberen Gesichtshälfte aufrechtzuerhalten. Das Augenbrauenzupfen hingegen ist das eigentlich Ablehnens-und Verdammenswerte. Denn wie soll denn das überhaupt gehen? Muss frau vielleicht mit einer zweifelhaften Pinzette im Gesicht herumlaborieren und unter Gefährdung des Augenlichts die Spreu vom Weizen trennen? Auch die Inanspruchnahme professioneller Hilfe scheint mehr als dubios. Maniküre ja, Pediküre, ja vielleicht, zumindest einmal im Leben, aber Capelliküre? Wie soll denn das funktionieren.

Vielleicht werden die Gesichtswälder ja auch abgeharzt statt abgeholzt, wobei mir persönlich der Honig auf dem Brot lieber ist als das Wachs auf dem Dach. Andererseits verfügt die moderne Gesichtswissenschaft heutzutage ja sicher auch über Methoden, von denen vergangene Generationen von Haarwuchs geplagter Hausfrauen nicht zu träumen wagten. Sicherlich gestatten dieser Tage ausgefuchste Facetten von Gesichtslaser die völlig schmerz- und sorgenfreie Entfernung jeglicher facialer Hornabsonderungen, und die überschüssigen Haare sind ruckzuck weg und machen erst gar keinen Versuch mehr wiederzusprießen, die angepassten Schwächlinge. Aber das wäre dann eine richtige Themenverfehlung und keine um Haaresbreite. (Der Standard/rondo/17/6/2004)

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