Mit Infrarot gegen Klapperschlangen

22. Juni 2004, 12:36
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Erdhörnchen erhitzen ihren Schwanz, um den Angreifer davor zu warnen, dass sie sich nicht kampflos geschlagen geben

Oaxaca - Angesichts einer angriffsbereiten Klapperschlange erstarrt so manches Opfer vor Angst. Nicht so die kalifornischen Erdhörnchen: Sie erhitzen ihren Schwanz, um die Schlange davor zu warnen, dass sie sich nicht kampflos geschlagen geben. Zum ersten Mal konnte nachgewiesen werden, dass die Nager ein Signal bewusst verwenden, nämlich eine Infrarot-Ausstrahlung oder Hitze, erklärt Aaron Rundus von der Universität Kalifornien in Davis, der die Entdeckung bei dem jährlichen Treffen der Gesellschaft für das Verhalten von Tieren in Oaxaca, Mexiko vorgestellt hat, berichtet das Wissenschaftsmagazin Nature.

Ständige Bedrohung

Klapperschlangen sind eine ständige Bedrohung für die Erdhörnchen, wobei sie oft Jungtiere erbeuten, die von der Familie getrennt sind. Diese Bedrohung hat aggressive Patt-Situationen zwischen Schlangen und erwachsenen Erdhörnchen zur Folge, bei denen die Nager Sand schleudern und ihren Schwanz schwingen, um den Feind zur Aufgabe zu bewegen.

Die Schlangen jagen, indem sie die Körperwärme ihrer Opfer aufspüren, wobei sie sensible Strukturen im Gesicht verwenden. Die neue Entdeckung zeigt, dass sich die Erdhörnchen diese Sensibilität zunutze machen, indem sie ihre Nachricht in eine Sprache verpacken, die die Schlangen verstehen.

Erdhörnchen unterscheiden ihre Feinde

Rundus hat Erdhörnchen aus der Wildnis in einen Käfig mit einer Klapperschlange gegeben und die Begegnung mit einer Infrarot-Kamera gefilmt. Als das Erdhörnchen seinen Schwanz drohend vor und zurück peitschte, wurde der Fortsatz wärmer. Die Nager erreichen den Effekt, indem sie das Schwanzfell aufstellen und mehr Haut zeigen, und wahrscheinlich auch durch die Erweiterung von Blutgefäßen im Bereich der Oberfläche des Schwanzes, erklärte Rundus auf dem Treffen.

Bemerkenswert ist das Ausbleiben einer Erhitzung des Schwanzes im Käfig mit anderen Schlangen, die kein solches Organ zur Aufspürung von Hitze haben. Das bedeutet, dass die Hörnchen verschiedene Feinde unterscheiden können und dementsprechend reagieren. Laut Jim Hare, der Erdhörnchen an der Universität von Manitoba in Winnipeg, Kanada, studiert, reagieren die Tiere außerdem unterschiedlich auf die verschiedenen Angreifer, wenn sie ihren Artgenossen Warnrufe zukommen lassen.

Gefährdung bleibt

Das Hitzesignal könnte die Aufmerksamkeit der Schlangen von den Jungtieren ablenken, vermutet Rundus, oder einfach als Indikator für die Anwesenheit eines erwachsenen Tieres dienen. Trotzdem sind die Erdhörnchen nicht übereifrig. Obwohl Klapperschlangen selten erwachsene Erdhörnchen verspeisen, könnte ein Kampf leicht zum Tod oder zu schweren Verletzungen führen. (pte)

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