Höchstgericht gibt "Krone" Sender

1. Juli 2004, 23:18
5 Postings

Warten auf neues Radiogesetz - Große Mitspieler bauen schon jetzt ihre Sendegebiete aus: Die Fellners haben Wels übernommen, der "Krone" verhelfen die Verwaltungsrichter zu einer Radiolizenz in Innsbruck

Von einer völlig neuen Seite zeigen sich Wolfgang und Helmuth Fellner ab Ende Juni den Radiohörern in Wels. Die sonst auf jüngere Zielgruppen abzielenden News-Brüder haben soeben die örtliche Radiolizenz übernommen und gehen on air mit Austropop, Oldies und - Schlagern.

"Die Fellners haben sie gekauft", bestätigt Roland Bürger dem STANDARD. Er bleibe jedenfalls zwei Jahre Geschäftsführer des Senders.

Die Lizenz bekam der Gesellschafter einer Werbeagentur mit einem Konzept, das "mindestens zwei Drittel der Sendezeit" Schlager und volkstümliche Schlager versprach. Daran müssen sich vorerst auch die Brüder Fellner halten. Ihnen gehören schon die Antennen Wien und Salzburg, Wels wird Programmteile übernehmen. Die Schlagervorgabe wollen sie auch mit Austropop erfüllen, sagt Bürger: "So, dass die KommAustria nicht böse ist."

So lange die von der FP blockierten Mediennovellen nicht in Kraft sind, können die Fellners das Format in Wels kaum ändern.

Der Welser Sender strahlt laut Medienbehörde KommAustria nach Linz ein, versorgt diese Stadt aber nicht mit. Eine neue Radiolizenz für Linz wird demnächst vergeben. Oldiesender Arabella zählt dort zu den Favoriten.

"Dringend Bedarf" an Mediennovellen

"Dringend Bedarf" an den Mediennovellen sehen Alfred Grinschgl von der Rundfunkregulierung RTR, Verleger und Privatradios. Danach können Betreiber ihre Lizenzen zu einer gemeinsamen, überregionalen zusammenlegen, der keine lokalen Inhalte vorgeschrieben sind. Bedingung: Sie müssen gemeinsam 60 Prozent der Bevölkerung erreichen können.

Deshalb redet wie berichtet derzeit praktisch jede Radiogruppe mit Konkurrenten, um gemeinsam auf die 60 Prozent zu kommen. Energy ist gerade dabei, sich mit knapp 67 Prozent an Kronehit zu beteiligen.

60-Prozent-Grenze

Der Mediaprint-Sender schafft die 60-Prozent-Grenze nun noch lockerer mit einer Mittwoch auf der Homepage des Verwaltungsgerichtshofs veröffentlichten Entscheidung über die Innsbrucker Frequenz 106,5. Die Höchstrichter sprachen sie nun der Frau Hitt Privatradio GmbH zu, einer Gesellschaft aus dem Umfeld von Kronehit. Bisher bespielte sie die Welle 1 eines Lokalzeitungsverlags namens Print.

Auch die Styria ("Kleine Zeitung") ist an Sendern interessiert, bestätigt Manager Klaus Schweighofer. Verhandlungen mit Schellackliebhaber Gerhard Werner über das Grazer Radio Nostalgie dementieren beide Seiten. Es passte zum Oldieformat Harmonie, das die Styria neben den Antennen in Kärnten und Steiermark betreibt. Werner spricht von anderen Interessenten, will aber noch nicht verkaufen. (Harald Fidler/DER STANDARD, Printausgabe, 17.6.2004)

  • Artikelbild
    foto: photodisc
Share if you care.