Prammer ist die dritte Frau im Nationalratspräsidium

5. Juli 2004, 09:50
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Nach Hubinek (ÖVP) und Schmidt (FPÖ bzw. LIF) - Einsatz für bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Wien - Barbara Prammer (50), Nationalratsabgeordnete der SPÖ und frühere Frauenministerin im Kabinett von Viktor Klima (S) von 1997 bis 2000, ist die erste SPÖ-Frau im Nationalratspräsidium. Sie folgt auf Heinz Fischer, den künftigen Bundespräsidenten. Die Oberösterreicherin Prammer ist 1995 als erste Frau in die oö. Landesregierung eingezogen, zwei Jahre später wurde sie Ministerin für Frauen und Verbraucherschutz, 1997 Bundesfrauenvorsitzende der SPÖ. Prammer ist die dritte Frau im Nationalratspräsidium - nach Marga Hubinek (ÖVP) und Heide Schmidt (FPÖ bzw. LIF).

Prammer hat sich immer für die rechtliche und faktische Gleichstellung der Geschlechter eingesetzt, für bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, mehr Praxis orientierte Kinderbetreuungseinrichtungen, vor allem aber gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit. Ihre Politik war bestimmt von einem "Frauenkurs in Richtung Eigenständigkeit". Das "konservative Frauenbild" der ÖVP-FPÖ-Regierung, das "die Familie den Frauen zuspricht, das Geld aber den Männern", lehnt Prammer ab.

In ihre Zeit als Frauenministerin fiel das Wegweiserecht im Sicherheitspolizeigesetz, das flächendeckende Netz an Interventionsstellen, aber auch die Öffnung des Bundesheeres für Frauen und der Beschluss, dass Frauen Nachtarbeit verrichten dürfen. Gleich zu Beginn ihrer Ministerkarriere wurde das Frauenvolksbegehren zur Unterschrift aufgelegt. 645.000 Österreicher und Österreicherinnen folgten diesem Aufruf - unter ihnen auch Prammer selbst, die in der Folge ihre Unterstützung für die Anliegen der Initiatorinnen zusagte. Umfassend umgesetzt ist das Frauenvolksbegehren allerdings bis heute nicht.

Prammer wurde am 11. Jänner 1954 in Ottnang im Bezirk Vöcklabruck geboren. Nach der HAK-Matura arbeitete sie im Gemeindeamt Ottnang, studierte dann Soziologie in Linz, und arbeitete anschließend als Sozial- und Berufspädagogin. 1991 zog sie in den oö. Landtag ein, von dem sie zur Zweiten Präsidentin gewählt wurde.

1995 wurde Prammer Landesrätin unter anderem für Naturschutz und Wohnbau und damit die erste Frau in einer oberösterreichischen Landesregierung. In dieser Funktion erwarb sie sich den Ruf als "eiserne Lady des Naturschutzes" durch ihr Eintreten gegen den Bau des umstrittenen Traun-Kraftwerks Lambach und die Verwirklichung des Nationalparks Kalkalpen im Süden Oberösterreichs.

Bereits 1995 wollte der damalige Bundeskanzler Franz Vranitzky Prammer nach Wien holen - diese lehnte ab, Helga Konrad kam zum Zug. Zwei Jahre später war es so weit, Prammer wurde von Bundeskanzler Klima in die Regierung geholt.

Seit Februar 2000 - der Angelobung der schwarz-blauen Regierung - ist Prammer Abgeordnete im Nationalrat und musste Frauenanliegen von der Oppositionsbank aus vertreten.

Zuletzt hat Prammer darauf hingewiesen, dass in Österreich 48.000 Betreuungsplätze für Kinder fehlen würden, und die Regierung aufgefordert, endlich den Anspruch auf Teilzeitarbeit und das Recht auf Kinderbetreuung zu realisieren.

Prammer ist Mutter von zwei erwachsenen Kindern. Zu Beginn ihrer Amtszeit in Wien sah sie sich mit einem privaten Problem konfrontiert. Ihr Ehemann, der AK-Angestellte Wolfgang Prammer in Linz, wurde von einer Schreibkraft mit dem Vorwurf der sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz konfrontiert. Die Frauenministerin stellte sich auf die Seite der Sekretärin. 2001 trennte sie sich von ihrem Mann und bezeichnete in einem Interview diesen Schritt als "Erleichterung". (APA)

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