Senden allein reicht nicht

7. Februar 2005, 18:53
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Stolz wird die ORF-Spitze erklären, dass ab 5. Juli ganz Europa ORF 2 über Satellit unverschlüsselt zu sehen bekommt ...

Stolz wird die ORF-Spitze am Mittwoch im Programmausschuss erklären, dass ab 5. Juli ganz Europa ORF 2 über Satellit unverschlüsselt zu sehen bekommt, also österreichische Kultur und Information. Morgen im Stiftungsrat freut man sich gewiss noch einmal gehörig.

Ganz ORF 2? Nur wo die Anstalt Senderechte für ganz Europa hat. Im Hauptabend wird der Europäer nicht selten schwarzsehen mit einem Hinweis, wann er die nächste Sendung erwarten darf, die man jenseits der Grenzen senden darf.

Ganz Europa? Nur wer einen digitalen Satellitenempfänger hat, kann es verfolgen. Die verbreiten sich ohnehin so rasch, dass mancher fragt, wer Digitalfernsehen über Antenne noch braucht. Digitales Satellitenfernsehen ist billig für die Sender und beschert dem Publikum Aberhunderte Fernsehprogramme. Und künftig mittendrunter eine Version von ORF 2, nur von 16 Uhr bis nach der "ZiB 3" und auch hier mit großen Lücken.

Schon ab 1997 konnte Europa ORF 2 via Digitalsatellit sehen. Wo Rechte fehlten, spielte man immerhin Wetterpanorama. Das durfte der ORF, bevor sein neues Gesetz kam. Als die Anstalt das Angebot anno 2000 wieder einstellte, hielten sich die Proteste, ja überhaupt die Reaktionen in eher engen Grenzen.

ORF 2 über Satellit hat damals wie heute ein entscheidendes Problem: Damit die Segnungen österreichischer Kultur in Europa ankommen, muss Europa davon wissen. Es ihm beizubringen kostet Unsummen. Deutschsprachige Kultur sucht das internationale Publikum viel eher bei den eingeführten Marken 3sat oder Arte, an denen der ORF längst beteiligt ist. Über sie kann die Anstalt Kultur exportieren, die auch gesehen wird.

Immerhin: Mit Digitaldecoder am Urlaubsziel bekommen Sie nun auch die dynamische neue "ZiB 1" nachgeliefert. (DER STANDARD; Printausgabe, 16.6.2004)

Von Harald Fidler
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