Vertrag mit Privaten steht

28. September 2004, 17:24
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Bundesliga-Präsident Frank Stronach und Premiere-Chef Georg Kofler unterzeichneten eine Vereinbarung über drei Jahre

Brunn am Gebirge - Die österreichische Fußball-Bundesliga geht in Sachen TV-Vertrag seit 15. Juni 2004 endgültig neue Wege. Bei der Außerordentlichen Hauptversammlung im Hotel Böck in Brunn am Gebirge unterzeichneten Bundesliga-Präsident Frank Stronach und Premiere-Chef Georg Kofler am Dienstag um 13:08 Uhr den neuen Dreijahresvertrag. Dieser Kontrakt mit den privaten Anbietern Premiere und ATVplus bringt den Vereinen 42 Millionen Euro, lediglich von Sturm-Präsident Hannes Kartnig kam bei der Abstimmung eine Gegenstimme.

Am 19. Mai hatten sich die Bundesliga-Klubs bei der Präsidenten-Konferenz gegen das Paket des bisherigen Fernseh-Partners ORF und für die Privat-Sender entschieden. Das bessere finanzielle Angebot (15 Millionen Euro im ersten, 14 im zweiten und 13 im dritten) sowie ein Mehr an Übertragungsminuten (insgesamt sind nun 1.405 Minuten pro Runde auf Premiere und ATVplus zu sehen) gaben dabei den Ausschlag. Am 25. Mai hatte anschließend auch der Aufsichtsrat die Entscheidung der Präsidenten-Konferenz unterstützt.

Westenthaler brachte Stronach aus dem Konzept

"Ohne Konkurrenz geht nichts. Wenn es immer nur einen Anbieter gibt, dann hätte es vielleicht nur fünf Millionen gegeben. Unser Name muss was heißen und wir müssen zu unserem Wort stehen, sonst würden wir unglaubwürdig sein. In Zukunft soll es drei, vier oder fünf Anbieter geben und nicht unterm Tisch verhandelt werden. Mehr Gelder und besserer Fußball - ich hoffe auf eine gute Zusammenarbeit", freute sich Frank Stronach über den Abschluss mit Premiere und ATVplus. Bei der umstrittenen Verhandlungs-Rolle von Bundesliga-Vorstand Peter Westenthaler (Kofler: "Skandalös, er hat mehr als Interessensvertreter des ORF denn als jener der Liga agiert") kam Stronach ein wenig ins Stottern: "Der Peter hätte im Nachhinein gerne den ORF irgendwie, nicht ....."

Zur Tatsache, dass es diesmal von den Violetten im Gegensatz zur ablehnenden Haltung von Andreas Rudas bei der Präsidenten-Konferenz am 19. Mai eine Zustimmung durch Manager Markus Kraetschmer gab, stellte der Austria-Mäzen fest: "Wir müssen alle an einem Strick ziehen." Zum "Ausscheren" von Hannes Kartnig meinte dessen Trauzeuge: "Jeder Präsident muss seine eigene Lage kennen. Aber die Liga ist ein Kollektiv. Ein Vertragsabschluss von Hannes Kartnig mit dem ORF wird schwierig sein - sonst hätten wir keine Liga."

Kartnig denkt immer noch an Alleingang

Der Sturm-Präsident war hingegen guter Dinge: "Wir können nachweisen, dass uns für Sturm ein finanzieller Schaden von rund 600.000 Euro entsteht. Der ORF verhandelt mit uns und muss uns ein besseres Angebot als das von Premiere machen. Die Übertragungen wären kein Problem: Auswärts sind wir bei Premiere zu sehen und daheim im ORF."

Premiere-Chef Kofler fühlte sich sichtlich wohl in seiner Haut, und sprach gleich einmal eine allgemeine Einladung zum Heurigen nach Gumpoldskirchen aus. "Wir wollen, dass Premiere in Österreich bekannt wird und rechnen in den nächsten zwölf bis 18 Monaten mit rund 100.000 Abonnenten. Dann rechnet es sich auch für uns, so wie es sich jetzt schon für den Fußball rechnet. Mit diesem Beschluss können wir jetzt arbeiten, ab morgen geht es los. Einen Vertrag von Hannes Kartnig mit dem ORF halte ich juristisch für nicht machbar. So ein Vertrag wird nicht zu Stande kommen, denn es gibt eine einheitliche Vermarktung der Liga und ich habe Informationen, wonach Herr Kartnig seine Vermarktungsrechte an die Liga abgetreten hat. Ich wünsche ihm viel Erfolg. Er soll für guten Fußball sorgen."

Positives Resume von Pucher

Im "Wienerberg-Stüberl" war zunächst am Dienstagvormittag die Präsidenten-Konferenz über die Bühne gegangen, den Vereinsvertretern wurde von Bundesliga-Vizepräsident Martin Pucher (Leiter der Arbeitsgruppe TV-Vertrag) dabei noch einmal die finale Umsetzung präsentiert. "Eine Kerngruppe von zwölf Personen und einige Untergruppen haben gemeinsam an einem Strang gezogen. Es war ein Klima des positiven Wollens und so bringt man auch etwas weiter. Es ist ein Schritt in ein neues Zeitalter. Der Vergleich der Wirtschaftlichkeit mit 1:10 zu deutschen Verhältnissen bringt uns eine finanzielle Basis, die wir bis jetzt nicht hatten", so der Mattersburg-Obmann.

Auf Antrag von Pucher wurde bei der Hauptversammlung auch die Zustimmung über Verhandlungen zu einem neuen Hörfunk-Vertrag (hier gibt es ein ORF-Angebot) erteilt. (APA)

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    Frank Stronach und Georg Kofler beim feierlichen Akt.

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