Porr vor großangelegtem Konzernumbau

1. Juli 2004, 10:58
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Strategischer Schwerpunkt ist Wachstum in Osteuropa - Konzernstruktur wird für Rating und Börsemaßnahmen fit gemacht - Doppelte Dividende für 2003

Wien - Das Management des börsenotierten Baukonzerns Porr hat bei seiner Bilanzpressekonferenz am Dienstag Strukturmaßnahmen und strategische Weichenstellungen angekündigt, die in ihrer Summe einem Umbau des Konzerns in den nächsten zwei bis drei Jahren gleichkommen: Statt wie bisher 30 Prozent will der Konzern schon bald bis zu 50 Prozent seines Geschäfts im Ausland, hauptsächlich in Osteuropa, machen, sagte Porr-Generaldirektor Horst Pöchhacker.

Abspaltung

Bereits in den nächsten Tagen soll eine Abspaltung des nicht für den Baubetrieb notwendigen Vermögens (Liegenschaften, Schottergruben) in eine eigene Tochtergesellschaft beschlossen werden, um das Bilanzbild zu verbessern.

Die neue Rohstoff-Tochter soll zwar nicht verkauft werden, eine Verschränkung mit anderen vergleichbaren Assets von Partnern sei aber nicht auszuschließen, hieß es. Der Aufsichtsrat soll in den nächsten Tagen darüber entscheiden. Die Transaktion wird für die Bilanz der Porr in etwa eine ähnliche Auswirkung haben, wie die kürzlich erfolgte Abgabe von 25 Prozent an der ehemaligen Immobilien-Tochter UBM, sagte Porr-Vorstand Peter Weber.

Verbreiterung der Börsepräsenz

Die Maßnahmen zielen offensichtlich in zwei Richtungen: Zum einen macht sich die Porr für ihr Rating fit, das ab Herbst abgeschlossen werden soll; zum anderen wälzt der Vorstand Pläne zur Zuführung von frischem Kapital und für eine Verbreiterung der Börsepräsenz: Eine Kapitalerhöhung sei ratsam, zwar nicht aus Liquiditäts-, sondern aus Ertragsgründen, hieß es. Die Aufstockung wird aber laut Pöchhacker voraussichtlich heuer nicht mehr stattfinden können.

Das Management bekannte sich zu einer Erhöhung des "Free floats" (Streubesitzes) an der Börse. Wann und mit welchen Instrumenten diese Ziele erreicht werden könnten, sei aber Sache der Eigentümer, hieß es sinngemäß. Derzeit verhandelt die Porr als Zwischenschritt über die Begebung einer Unternehmensanleihe im Volumen von 50 bis 100 Mio. Euro, die teure Bankkredite ersetzen soll. Die derzeitige Eigenkapitalquote von nur 12,5 Prozent soll auf Sicht auf 15 bis 20 Prozent angehoben werden, sagte Finanzvorstand Helmut Mayer.

Markteintritte geprüft

Im Zeichen der regionalen Neuausrichtung des Konzerns Richtung Osten prüft die Porr derzeit "intensiv" einen Markteintritt in Lettland, Bulgarien und Rumänien. Ziel der verstärkten Ausrichtung nach Osten sei aber nicht primär das Umsatzwachstum, sondern die Akquisition ertragsstarker Projekte, sagte Pöchhacker. "Es geht uns nicht darum, 'etwas draufzusetzen', sondern auch darum, Dinge abzugeben, die nicht so erfolgreich laufen. Theoretisch könnte auch das Österreich-Geschäft kleiner werden."

Weitere Hoffnungsgebiete für die Porr sind die neuen EU-Länder, vor allem Ungarn und Polen. Dort ist man zwar schon präsent, will die Aktivitäten aber verstärken und namentlich im Tiefbau wachsen. So hoffe man vor allem, über die Straßenbau-Tochter Teerag-Asdag von Projekten zum Ausbau der Infrastruktur in Ungarn und Polen zu profitieren, sagte Porr-Vorstand Wolfgang Hesoun.

Gewinnsteigerung

Im vergangenen Geschäftsjahr 2003 hat die Porr-Gruppe deutliche Gewinnsteigerungen erzielen können. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) verbesserte sich im Jahresabstand um 60 Prozent auf 47,5 (2002: 29,6) Mio. Euro, das Ergebnis vor Ertragssteuern (EBT) kletterte auf 23,27 (12,17) Mio. Euro, teilte das Unternehmen mit. Das Konzernergebnis betrug 14,8 nach 9,3 Mio. Euro im Jahr davor. Das Ergebnis pro Aktie ist im vergangenen Jahr auf 7,35 (4,61) Euro gestiegen. Der Hauptversammlung am 24. Juni wird eine Dividende von 1,74 Euro je Aktie vorgeschlagen, doppelt so viel wie die 0,87 Euro im Jahr davor.

Die Umsatzerlöse (exklusive Arbeitsgemeinschaften) stagnierten 2003 bei 1,479 (1,477) Mrd. Euro, die als Umsatzkenngröße relevante Produktionsleistung - einschließlich Arbeitsgemeinschaften entsprechend ihrer Beteiligungshöhe und anteilige Leistungen nicht vollkonsolidierter Unternehmen - stieg um 7 Prozent auf 1,93 Mrd. Euro. Immer wichtiger wird das Auslandsgeschäft: Während die Inlandsleistung um 4,3 Prozent auf 1,34 Mrd. Euro stieg, verzeichnete die Auslandsleistung ein kräftiges Plus von 14 Prozent auf 581,4 Mio. Euro, das sind 30,2 Prozent der Gesamtleistung.

Auslandsgeschäft wächst stark

Wichtigster Auslandsmarkt ist Deutschland mit 12,2 Prozent der Gesamtleistung. Zuwächse gab es dank neuer Projekte insbesondere auch in Polen und Tschechien. 2004 soll der Auslandsumsatz bereits ein Drittel des Gruppenumsatzes ausmachen und in den nächsten Jahren schrittweise bis auf 40 bis 50 Prozent anwachsen. Neben den bestehenden Märkten soll auch das Geschäft in Kroatien forciert werden. Derzeit werde auch "intensiv" der Markteintritt in die baltischen Länder sowie in Bulgarien und Rumänien geprüft. Ziel sei aber in erster Linie eine "kontinuierliche Optimierung der Ertragsstrukturen", erklärte der Vorstand heute.

Die so genannte "EBIT-Marge" - das EBIT im Verhältnis zu den Umsatzerlösen - verbesserte sich von 2,0 auf 3,2 Prozent.

Straßen- und Hochbau verbessert

Der Löwenanteil der Ergebnisverbesserungen entfielen auf die lange kränkelnden Sparten Straßen- und Hochbau, aber auch auf die Immobilientochter UBM. Beim Materialaufwand gab es 2003 "überporportionale Einsparungen", ebenso bei zugekauften Fremdleistungen. Das operative Ergebnis der Straßenbaugruppe um die Teerag-Asdag legte bei einem moderaten Umsatzanstieg um mehr als das Doppelte auf 12,96 (5,13) Mio. Euro zu, die Hochbau-Gruppe konnte ihr Ebit auf 8,26 Mio. Euro mehr als verdreifachen. "Der Wohn- und Siedlungsbau musste zwar, wie auch schon in den Vorjahren, absolute wie auch anteilige Rückgänge hinnehmen. Gleichzeitig konnten jedoch im sonstigen Hochbau, und hier vor allem in den Sparten Geschäfts- und Bürohausbau, sowie im Hotelbau markante Zuwächse verzeichnet werden", teilte das Unternehmen mit. Auch die Immobiliengruppe rund um die bisherige Mehrheitsbeteiligung UBM Realitätenentwicklung AG konnte ihren Ergebnisbeitrag 2003 deutlich auf 9,74 (5,3) Mio. Euro deutlich steigern.

Die Porr ist mit insgesamt 9.500 Beschäftigten der zweitgrößte österreichische Baukonzern hinter dem weit größeren österreichisch-deutschen Konzern Bau Holding Strabag. Die Porr liegt aber - gemessen an der heimischen Wertschöpfung bzw. den Beschäftigten in Österreich - auf Augenhöhe mit der Strabag.

Geringere Gesamtleistung erwartet

Für heuer erwartet die Allgemeine Baugesellschaft - A. Porr AG eine um 4,5 Prozent geringere Gesamtleistung von 1,787 Mrd. Euro. Hauptgrund dafür ist die neue Konzernstruktur: Im April 2004 hat die Porr 25 Prozent an der Immobilientochter UBM an eine der BA-CA nahe stehende Privatstiftung verkauft, die UBM wird aus der Porr-Bilanz entkonsolidiert und künftig in allen Konzernwerten nur mehr mit 41,3 Prozent einbezogen. Der Tiefbau soll weiter wachsen, doch bei Hochbau und Straßenbau werden Rückgänge gegenüber 2003 erwartet. Wegen der eingeleiteten Restrukturierungsmaßnahmen und der allgemein besseren Konjunktur werde sich die Ertragssituation aber verbessern, "wenngleich der überdurchschnittliche Ergebnisanstieg des Vorjahres nur schwer zu erreichen sein wird".

Der Auftragsbestand des Konzerns lag Ende März mit 1,15 Mrd. Euro unter dem Vergleichswert des Vorjahres. Erwartete Auswirkungen der künftig erforderlichen Kapitalhinterlegungsrichtlinien laut "Basel II" will das Unternehmen angesichts der schwachen Eigenkapitalausstattung mit Dekonsolidierungen, Portfoliobereinigungen und "etwaigen Kapitalmarktmaßnahmen" begegnen. Vor allem im Infrastrukturbereich sollen alternative Finanzierungen und Betreibermodelle wie Public Privat Partnerships (PPP) neue Möglichkeiten eröffnen. (APA)

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Porr AG
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