Burda droht mit Verlagerung von 300 Callcenter-Jobs ins Ausland

1. Juli 2004, 23:31
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Verlag will verschärfte Regeln zum Telefonmarketing umgehen

Der Münchner Burda-Verlag droht angesichts der Pläne der rot-grünen Berliner Regierung zur Einschränkung des Telefonmarketings mit der Verlagerung von rund 300 Callcenter-Arbeitsplätzen ins Ausland. Zur Disposition stünden derzeit die Burda-Standorte in Schwerin und im Baden-Württembergischen Schutterwald, sagte ein Verlagssprecher der "Financial Times Deutschland".

Die deutsche Bundesregierung will mit ihrer Gesetzesnovelle gegen den unlauteren Wettbewerb Telefonmarketing nur noch zulassen, wenn Kunden vorher zugestimmt haben. Derzeit liegt der Entwurf im Bundesrat, wo ihn die unionsgeführte Mehrheit nur verzögern, nicht aber stoppen kann.

Mit der Novelle müsse das Callcenter Schwerin abgebaut werden, sagte der Burda-Sprecher. Möglicherweise werde der Standort nach Breslau in Polen verlegt, wo es schon "erfolgreiche Tests" gegeben habe. Für das Callcenter in Schutterwald sei ein Alternative im benachbarten Frankreich in der Diskussion. (APA)

Der Burda-Verlag ("Focus", "Bunte") erwirtschaftet mit seiner Direktmarketing-Tochter "Burda Direct" derzeit etwa neun Prozent seines Jahresumsatzes von zuletzt 1,5 Milliarden Euro. Verlagsangaben zufolge hat das Unternehmen Kontakt zu ungefähr sechs Millionen Endkunden. In seinen Callcentern akquiriert und betreut Burda nicht nur Abonnenten für seine eigenen Zeitschriften, sondern auch für Titel anderer Verlagshäuser. Zudem betreibt Burda Telefonmarketing beispielsweise für Handyverträge oder Lotterielose.
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