Auf bestem Weg zum 7. WM-Titel

19. Juni 2004, 17:28
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Schumacher eine Klasse für sich - Vier Autos disqualifiziert, so holte Klien in Kanada trotz Katastrophenrennen fast den ersten WM-Punkt

Montreal/Wien - Michael Schumacher stürmt dank seines siebenten Saisonsieges seinem siebenten Titelgewinn entgegen. Der deutsche Ferrari-Pilot gewann am Sonntag beim GP von Kanada zudem zum siebenten Mal in Montreal und fügte damit seiner beeindruckenden Rekordsammlung eine weitere Bestmarke hinzu.

Ferrari-Zweistopp-Strategie optimal

Selbst die vier Stunden nach dem Rennen ausgesprochenen Disqualifikationen gegen die beiden Williams-BMW (2. und 4.) und die Toyotas (8. und 10.) wegen regelwidriger Brems-Belüftungen konnten Schumachers Triumph nicht schmälern. Vielmehr ging trotz des bisher schlechtesten Saison-Startplatzes (6.) die kluge Ferrari-Zweistopp-Strategie noch optimaler auf, denn Rubens Barrichello erbte vom ursprünglich zweitplatzierten Pole-Mann Ralf Schumacher ("Habe ich was verbrochen?") Platz zwei und Ferrari damit den fünften Doppelerfolg der Saison. BAR-Honda-Pilot Jenson Button verbesserte sich von vier auf drei und kam so zu seinem bereits sechsten Podiums-Platz in dieser Saison.

Als erster Fahrer in 55 Jahren Formel 1 schaffte es Schumacher damit, auf ein und derselben Strecke sieben Mal zu siegen. "Wir hatten keine Chance auf Pole, deshalb die Zweistopp-Strategie, die fantastisch hingehauen hat", jubelte Schumacher. Durch seinen 77. Grand-Prix-Erfolg baute er die Führung in der Gesamtwertung weiter aus. Der Seriensieger liegt nach acht Saisonrennen mit 70 Punkten 18 Zähler vor Barrichello (54). Button ist mit 44 Punkten weiter WM-Dritter. Weiter geht es schon am kommenden Sonntag in Indianapolis mit dem GP der USA.

Kein Einspruch der Disqualifizierten

Die disqualifizierten Konkurrenten nahmen die Entscheidungen der Kommissäre erstaunlich ruhig hin und verzichteten auf einen Einspruch. "Es war unser Fehler", sagte der neue Williams-Technikchef Sam Michael. "Regelbruch ist Regelbruch. Es ist hart, aber ich muss es akzeptieren", meinte Ralf Schumacher, der sich mit einer Flasche Champagner am Hotelzimmer tröstete. "Ich dachte, bevor sie die Flasche wegen meiner Disqualifikation wieder abholen, vernichte ich sie lieber zusammen mit einigen Freunden."

McLaren-Mercedes konnte sich nach der Doppel-Pleite auf dem Nürburgring dank der Disqualifikationen rehabilitieren. Vizeweltmeister Kimi Räikkönen konnte als Fünfter im endgültigen Klassement zum zweiten Mal in dieser Saison punkten. Der Schotte David Coulthard kam im zweiten Silberpfeil auf Rang sechs ebenfalls noch in die Punkteränge.

Jaguar enttäuschend

Für Christian Klien hätte es trotz seiner drei Runden Rückstand fast doch noch den ersten WM-Punkt gegeben. Obwohl er schon in Kurve zwei mit David Coulthard kollidiert war und insgesamt vier Mal an die Box musste, verbesserte er sich im offiziellen Ergebnis vom 13. auf den neunten Platz. Gleich zwei Zähler gingen an den für Giorgio Pantanao eingesprungenen WM-Neuling Timo Glock (Jordan). Jenen Glock, der nach dem Start das Malheur der Jaguar-Piloten ausgelöst hatte. Am Ende kamen sogar beide Jordans in die Punkte, damit liegt nur noch das punktlose Minardi-Team in der Konstrukteurswertung hinter Jaguar.

Eigentlich peinlich für die Briten und auch Klien war frustriert. "Im Nachhinein ist Platz neun fast eine Ohrfeige, denn da sieht man erst, was alles möglich gewesen wäre", sagte der Vorarlberger. "Ich war eigentlich gut positioniert, dann habe ich aber von Glock einen Stoß bekommen und bin in Coulthard rein gerutscht", erinnerte er sich an die vorentscheidende Szene. Danach erwischte er auch noch seinen Jaguar-Teamkollegen Mark Webber. Webber gab später auf, der Vorarlberger musste mit verstellter Spur sowie defekten Front- und Heckflügeln so oft an die Box, "dass dann eh nichts mehr zu retten war. Ich bin nur noch gefahren, um Erfahrung zu sammeln, aber so etwas gibt es im Rennsport eben."

Für die Statistik durfte sich der Hohenemser aber den bisher besten GP gut schreiben lassen. Platz zehn im Training und Rang neun im Rennen - das hatte er bis Kanada noch nicht geschafft. (APA/Reuters/dpa)

  • Schumacher, Mass aller gegenwärtigen F1-Dinge.

    Schumacher, Mass aller gegenwärtigen F1-Dinge.

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