"Gegen Angstmache vor Asylwerbern"

17. Juni 2004, 19:47
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UNHCR startet Kampagne gegen Vorurteile - Österreich-Chef Köfner: "Immer weniger Asylsuchende stoßen auf immer mehr Vorurteile"

Wien - Das UN-Flüchtlingshochkommissariat in Österreich zeigte sich anlässlich einer Pressekonferenz in Wien besorgt über das Fortschreiten von Vorurteilen gegenüber Asylsuchenden. "Selbst groteske Vorurteile feiern in Österreich mittlerweile fröhliche Urständ'", meinte UNHCR-Chef Gottfried Köfner am Montag. Deshalb werde das UNHCR in den nächsten Tagen eine Plakat- und Internet-Kampagne mit dem Motto "Fairness statt Vorurteile!" starten, so Köfner weiter.

Gegen unreflektiertes Wiederholen

Das unreflektierte Wiederholen von Vorurteilen über Menschen auf der Flucht mache den Weg frei für immer schlimmere Aussagen, die auch in "offenem Rassismus gipfeln können", erklärte der österreichische Vertreter des UNHCR die Beweggründe für die Kampagne. Diesen Vorurteilen gegenüber stehen nüchterne Fakten auf der Homepage des UNHCR Österreichs, die das Kernelement der Kampagne bilden soll. Mit 2.000 in ganz Österreich affichierten Plakaten will das UN-Flüchtlingshochkommissariat die Informationsoffensive eröffnen.

Die Politik in Österreich müsse dem "Nachplappern" von Vorurteilen aktiv entgegentreten, deren Verbreitung "schwer wiegende Folgen" für Integration und Zusammenleben habe, meinte Köfner. Zum Beispiel stünden dem Ressentiment, Asylwerber würden mit Drogen dealen, das Faktum gegenüber, dass 73,1 Prozent der Verstöße gegen das Suchtmittelgesetz von Österreichern begangen werden. Laut Presseunterlagen des UNHCR werden nur 26,9 Prozent der Vergehen von Ausländern begangen, darunter neben anderen auch Asylsuchenden. Insgesamt zwölf Vorurteile versucht der UNHCR auf seiner Website zu entkräften, darunter jene, dass die Zahl der Asylsuchenden in Österreich immer stärker steige, oder die Flüchtlinge für den Anstieg der Kriminalität verantwortlich seien.

"Bild des Bedrohtwerdens"

"Diese Vorurteile gipfeln in einem Bild in der Bevölkerung des bedroht Werdens, der Angstmache, was es für uns dann schwierig macht, selbst kleinere Gruppen von Asylwerbern in manchen Gemeinden unterzubekommen", wies Köfner auf die Problematik der Flüchtlings-Organisationen hin. Dabei seien Asylsuchende alles andere als faul und kriminell, schloss der Österreich-Chef des UN-Flüchtlingshochkommissariats, vielmehr seien sie jederzeit bereit in die Hände zu spucken, und neu anzufangen. "Sie wollen ja auf ihren eigenen Beinen stehen", wusste Köfner aus 22 Jahren UNHCR-Erfahrung. (APA)

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UNHCR

  • "Fairness statt Vorurteile!" lautet das Motto der UNHCR-Kampagne gegen "Angstmache vor Asylwerbern"
    foto: unhcr

    "Fairness statt Vorurteile!" lautet das Motto der UNHCR-Kampagne gegen "Angstmache vor Asylwerbern"

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