Astefjew hofft gegen drei Ex-Europameister auf Überraschung

15. Juni 2004, 18:22
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Lettland will im Hammergruppe Zünglein an der Waage sein

Lissabon/Aveiro - Nachdem Mario Tokic und Joey Didulica bei Kroatiens torlosem Remis gegen die Schweiz nicht zum Einsatz gekommen sind, greift der erste Spieler aus der österreichischen Fußball-Bundesliga in Aveiro ins EM-Geschehen ein. Witalij Astafjew führt am Dienstag (18:00 Uhr/live ORF1) den krassen Außenseiter Lettland gegen den Mit-Favoriten Tschechien als Kapitän aufs Feld des Estadio Municipal. "Die EURO ist der Höhepunkt meine Karriere", erklärte der Admira-Mittelfeldspieler, der bei den Südstädtern allerdings keinen neuen Vertrag mehr erhält und auf Vereinssuche ist.

In der Relegation eliminierten die Balten überraschend den WM-Dritten Türkei, dennoch wären alles andere als drei Niederlagen gegen die drei Ex-Europameister Tschechien, Deutschland und Niederlande eine Sensation. Doch die Mannschaft von Aleksandrs Starkows, bei den Buchmachern 500:1-Außenseiter auf den Titel, will beim EM-Debüt den Ausgang der Hammer-Gruppe D durch den einen oder anderen Punktgewinn mitentscheiden.

"Unser erstes Ziel ist zu zeigen, dass wir gut spielen können, und vielleicht entsteht daraus eine Überraschung. Wir hoffen, dass wir einige Tore erzielen und ein paar Punkte machen. Wir werden unser Bestes geben, aber ich glaube nicht dass irgendjemand von uns erwartet, dass wir uns für die zweite Runde qualifizieren", sagt Astafjew, mit 102 Länderspielen Rekord-Internationaler seines Landes und neben Verteidiger Mihails Zemlinskis der einzige Spieler, der auch 1992 beim internationalen Comeback (Lettland war von 1922 bis 1940 unabhängig) mit von der Partie war.

Die Taktik scheint jedenfalls festzustehen. "Wir sind im Konter am stärksten. Wir spielen am Besten, wenn wir Platz haben, wir haben schnelle Spieler", sagt Astafjew, der damit vor allem Maris Verpakovskis meint. Der Stürmer von Dynamo Kiew wurde bei den 2,3 Millionen Letten mit zwei Treffern gegen die Türkei, dem Siegestreffer beim 1:0-Heimsieg und dem Ausgleichstreffer beim 2:2 in Istanbul, zum Nationalhelden.

Verpakovskis verhalf damit dem Fußball auch, aus dem Schatten von Eishockey zu treten, der Nummer eins-Sportart in Lettland. In die Fußball-Stadien verirren sich oft nicht einmal 1.000 Zuschauer, in der heimischen Meisterschaft mit acht Klubs spielen vor allem Amateure und Halb-Profis. Wer sich international in die Auslage stellen will, kommt um ein Engagement bei Skonto Riga kaum herum. Der Verein aus der Hauptstadt ist seit der Unabhängigkeit von der Sowjetunion 1991 Abonnement-Meister.

Acht Mal holte auch Astafjew mit Riga den Titel, als Belohnung gab's Champions League-Qualifikationsspiele gegen Barcelona, Inter oder Chelsea. Mit dem Nationalteam steht der 33-Jährige, der auch bei Austria Wien (1996/97) und dem englischen Drittligisten Bristol gespielt hat, nun erstmals im Rampenlicht. Das Vorbild ist klar: Griechenland, das die EM mit einem überraschenden 2:1 gegen Gastgeber Portugal eröffnete.(APA)

  • Astefjew im Gespräch mit Trainer Starkovs.

    Astefjew im Gespräch mit Trainer Starkovs.

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