Kunstkritiker und Kulturpolitiker Zinggl im Nationalrat

17. Juni 2004, 17:32
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Übernimmt Platz von Eva Lichtenbergers, die künftig für Grüne Sitz im Europäischen Parlament einnehmen wird

Wien - Das Nationalratsmandat der Grünen Eva Lichtenberger, die nach der gestrigen EU-Wahl künftig einen Sitz im Europäischen Parlament einnehmen wird, übernimmt Wolfgang Zinggl. Das war Montag Vormittag auf Anfrage im Parlamentsklub der Grünen zu erfahren. Wann genau Lichtenberger aus dem Nationalrat ausscheidet und Zinggl einzieht, das stand am Montag noch nicht fest. Zinggls Schwerpunkt liegt im Bereich der Kultur- und Medienpolitik. Der frühere Künstler wandelte sich zum Kunstkritiker und schließlich Kulturpolitiker.

Kunst als konkrete sozialpolitische Intervention

So machte sich Zinggl in den neunziger Jahren auf dem (Kultur-)Polit-Parkett vor allem als Kunstkurator einen Namen. Eingesetzt wurde er in diese Funktion Ende 1996 vom damaligen Kunstminister Rudolf Scholten (S). Zuvor hatte er ab 1993 als Leiter der Künstlergruppe "WochenKlausur" gewirkt, die Kunst als konkrete sozialpolitische Intervention verstand. Seit 1995 gab Zinggl die kulturpolitische Zeitschrift "Zur Sache" heraus. Zuletzt leitete der ehemalige Bundeskurator (1997-1999) das von Stella Rollig 1994 gegründete und oft von Schließung bedrohte "Depot", einem Raum für Kunst und Diskussion.

Zinggl entwarf 2001 Kulturprogramm der Grünen

Für die Grünen entwarf er 2001 deren Kulturprogramm, das dann im Mai im erweiterten Bundesvorstand beschlossen wurde. Und ebenfalls im Jahr 2001 wurde Zinggl von den Grünen als ORF-Stiftungsrat nominiert, dem er seit Oktober 2001 angehört. Die Grünen setzten Zinggl zudem auf die Listen für die Nationalratswahl 2002: so fand er sich auf Platz zehn der Bundesliste und auf Platz drei der Tiroler Liste. Von dieser Landesliste aus startet Zinggl nun auch in den Nationalrat: nachdem Lichtenberger ausscheidet und der Zweite der Tiroler Liste, Kurt Grünewald, bereits im Hohen Haus sitzt, ist jetzt der Kulturpolitiker am Zug.

Lebenslauf

Geboren wurde Zinggl 1954 in Wien. Er studierte von 1974 bis 1979 an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien Bühnenbild und Malerei. Von 1975 bis 1988 war Zinggl auch als Maler und Bühnenbildner tätig, begann aber 1980 mit einem Psychologie- und Ethnologiestudium an der Universität Wien. 1988 beendete er seine Dissertation über "die veränderte Wahrnehmung von Bildern nach deren Seitenverkehrung".

Seit 1989 verfasste Zinggl zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten und Publikationen vor allem als Kunstkritiker. Von 1992 bis 1993 arbeitete er u.a. als Assistent an der Technischen Universität (TU) Wien. 1993 nahm er an der Ars Electronica teil. Seit 1993 leitete er die Gruppe "WochenKlausur", die 1999 zur 48. Biennale Venedig geladen wurde. In dieser Funktion arbeitete er an Projekten in der Wiener Secession, beim steirischen herbst oder im Salzburger Kunstverein mit. (APA/red)

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    montage: derstandard / fotos: depot / fessler
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