Kanadas Diamantenkönigin

26. Juli 2004, 12:10
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Eira Thomas ist Kanadas Diamantenkönigin, Geschäftsfrau in einer Männerdomäne

Sie ist erst 34 Jahre alt und arbeitet in einer Industrie, in der es immer noch schwierig ist, sich als Frau zu behaupten - vor allem, wenn man so hübsch und jung ist wie die rothaarige Kanadierin.

Die Lorbeeren verdient sie aber zweifellos: Als ausgebildete Geologin hat sie mit ihrem Team vor einigen Jahren eines der wichtigsten Diamantenvorkommen in Kanada entdeckt.

Heute ist Eira Thomas nicht nur steinreich, sondern auch als Fachfrau in der Diamantenbranche anerkannt. Sie führt zwischenzeitlich ihre eigene Explorationsfirma, Stornoway Diamond Corp., deren Zentrale sich in der westkanadischen Stadt Vancouver befindet.

Als Vorstandschefin (CEO) dieses Unternehmens, dessen Aktien an der Risikokapital-Börse in Vancouver (TSX Venture Exchange) gehandelt werden, ist sie ständig unterwegs - auf der Suche nach noch mehr Diamanten.

Risikokapital

Vor allem im eisigen Norden Kanadas hat Stornoway Diamond riesige Flächen abgesteckt: Stornoway besitzt die Bergbaurechte für mehrere Millionen Hektaren Land im Territorium Nunavut.

Eira Thomas hat maßgeblich dazu beigetragen, dass Kanada heute der drittgrößte Diamantenproduzent der Welt ist, gleich nach Russland und Botswana. Von 1998 bis 2002 wurden in Kanada rund 13,8 Millionen Karat gefördert, im Wert von etwa 1,8 Milliarden Euro.

Vor dreizehn Jahren begann der steile Aufstieg von Eira Thomas. Sie hatte damals eine Stelle in einem kleinen kanadischen Explorationsunternehmen namens Aber Resources angetreten, das ihrem Vater Gwen Thomas gehörte.

Schon bald arbeitete die große, schlanke Geologin in der eisigen Tundra der Northwest Territories, inmitten von Bären und Elchen.

"Ich lebte von 1991 bis 1994 in der Wildnis", erzählte sie. "Ich liebe das Leben im Freien." Es half ihr, dass sie schon als Kind stets mit ihrem Vater und dem Zelt unterwegs gewesen war.

"Bergbau ist eine männliche Kultur", sagt sie, "aber ich wurde dort hineingeboren." Im kanadischen Norden, nur etwa 200 Kilometer südlich des Polarkreises, waren 1992 erstmals Diamanten gefunden worden.

Eira Thomas wusste, dass rübenförmige Röhren aus vulkanischem Kimberlit, die Diamanten enthalten, oft in Mulden unter Seen verborgen liegen. Im Gebiet des Lac de Gras fand der damals 24-jährige Neuling viel versprechende Bohrproben.

Als Eira Thomas und Laborexperten im Zelt des einsamen Tundra-Camps weitere Bohrproben untersuchten, trauten sie ihren Augen nicht: Ein zwei Karat schwerer Diamant lag vor ihnen.

Bohrproben

In jener Nacht schlief Eira Thomas mit dem Diamanten unter dem Kissen und flog dann aus der Arktis nach Vancouver. Auf dem Flughafen zeigte sie den Fund ihrem Vater. Der sagte perplex: "Nein." Seine strahlende Tochter erwiderte: "Ja."

Es stellte sich später heraus, dass Eira Thomas die ertragreichste Ansammlung von Diamantenminen auf der Welt entdeckt hatte.

Das Vorkommen reicht, um ein Diamantenbergwerk 20 Jahre lang in Betrieb zu halten. Heute gehört die von ihr entdeckte Diavik-Mine, die im vergangenen Jahr ihre Produktion aufnahm, zu 60 Prozent dem Bergbaukonzern Rio Tinto Plc.

Eira Thomas verhehlt nicht, dass die Suche nach Diamanten ein hartes Geschäft ist, aber ihre Firma Stornoway Diamonds ist bereits im kanadischen Nunavut fündig geworden. Stornoway investierte allein im Jahr 2003 über drei Millionen Euro in ihr "Aviat"-Förderprojekt.

"Da ist eine Menge Glück dabei", gibt Eira Thomas offen zu. Ihren Glücksbringer, ein Geschenk der Mutter, trägt sie immer bei sich. Es ist ein Ring mit einem seltenen blauen Edelstein - was sonst. (Der Standard, Printausgabe 12./13.6.2004)

Von Bernadette Calonego
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