Jugendverbot für Moores "Fahrenheit 9/11" in den USA

16. Juni 2004, 15:48
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Film wegen Sprache und "gewalttätiger Bilder" erst ab siebzehn Jahren freigeben - Moores angebliche Pläne zu Film über Blair waren "nur ein Witz"

New York - In den USA sollen Zuschauer unter 17 Jahren den preisgekrönten und umstrittenen Streifen des US-Filmemachers Michael Moore, "Fahrenheit 9/11", nur in Begleitung Erwachsener sehen dürfen. Wie die Verleihergesellschaften Lions Gate Films und IFC Films am Sonntagabend (Ortszeit) in New York mitteilten, begründete die zuständige Filmorganisation MPAA dies mit den "gewalttätigen Bildern" und der Sprache in dem Moore-Streifen. Die Verleiher sprachen von einem "völlig ungerechtfertigten Urteil", gegen dass sie umgehend Einspruch einlegen wollten.

Filmstart in den USA: 25. Juni

Der neue Moore-Streifen, der bei den Filmfestspielen in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wurde, soll ab 25. Juni in rund tausend Sälen in den USA anlaufen. Die Dokumentation über die Verbindungen zwischen der Familie von US-Präsident George W. Bush und der des mutmaßlichen Terroristenchefs Osama bin Laden ist äußerst umstritten. Der Disney-Konzern, der ursprünglich die Rechte an dem Film hatte, wollte den Film nicht vor der Präsidentschaftswahl im November zeigen. Daraufhin kauften die Produzenten Bob und Harvey Weinstein dem Konzern die Rechte an ihrem Film persönlich ab - und fanden in dem unabhängigen kanadischen Lions Gate Filmstudios einen Partner.

Moore dementiert Pläne für Film über Blair: "Sorry to Scare You, Tony"

Großbritanniens Premierminister Tony Blair muss nun doch nicht fürchten, wegen seiner Rolle im Irak-Krieg zum "Helden" eines Dokumentarfilms von US-Regisseur Michael Moore zu werden. "Das war nur ein Witz", erklärte Moore jetzt. Einige Medien hätten eine scherzhafte Interviewäußerung für bare Münze genommen.

Auch die London Times hatte von Filmplänen berichtet

Berichte über einen Blair-Film seien "nicht wahr", war am Montag auf Moore's offizieller Website zu lesen. Überschrift: "Sorry to Scare You, Tony". Wie andere Zeitungen hatte auch die Londoner "Times" am Samstag berichtet, nach seinem Film "Fahrenheit 9/11" über US-Präsident George W. Bush wolle Moore nun Blair als dessen engsten ausländischen Verbündeten aufs Korn nehmen.

Moore hatte zuvor in Interviews erklärt, Blair habe besser als Bush gewusst, dass der Irak-Krieg ein Fehler sein würde. Deshalb müsse er auch einen Film über die Rolle Blairs drehen. Moore's Bush-kritischer Streifen "Fahrenheit 9/11" war bei den Filmfestspielen in Cannes mit der Goldenen Palmen ausgezeichnet worden. In den USA hat er am 25. Juni, in Österreich am 6. oder am 13. August Premiere. (APA/dpa)

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    foto: filmfestival cannes
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