Manager und Paten

19. Juni 2006, 14:34
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Mentoring erfreut sich in den Unternehmen der neuen EU-Länder bereits größerer Verbreitung als in Österreich

Dem Grundgedanken nach ist Mentoring ein Instrument des Management-Development, das externe und interne Ausbildungsmaßnahmen ergänzt. Es ist ein Führungsinstrument, bei dem eine erfahrene Persönlichkeit (Mentor) während einer klar begrenzten Zeit eine Nachwuchskraft (Mentee) "durch die Klippen der Neulandschaft" begleitet.

Rund 87 Prozent der britischen Unternehmen haben bereits entsprechende Programme etabliert. Viele große deutsche Konzerne, wie etwa die Deutsche Bank, die Commerzbank und die Lufthansa setzen ebenfalls auf den "Anfang mit Netz". Für den Start stellt mehr als die Hälfte der Personalmanager von Großunternehmen in den neuen EU-Ländern ihren Mitarbeitern einen Mentor zur Seite - so lautet das Ergebnis einer Studie des Hernstein International Management Institute*.

Unterschiede gibt es zwischen den einzelnen Ländern. Während etwa in Slowenien 41 Prozent der Betriebe al- len neuen Mitarbeitern einen Paten für die Startphase zur Seite stellen, tun dies nur 16 Prozent der ungarischen Manager. Sie stellen nur bestimmten Mitarbeitergruppen einen Mentor zur Verfügung. Österreich bildet mit 38 Prozent Mentoringpraxis das Schlusslicht. Auch von Einführungsprogrammen für neue Mitarbeiter halten die neuen EU-Länder mehr als die deutschsprachigen Länder. So gibt es in 42 Prozent der osteuropäischen Großbetriebe immer für alle Neueinsteiger Einführungsprogramme. Vor allem Slowenen legen darauf viel Wert (69 Prozent). Und wer in einem osteuropäischen Unternehmen anheuert, weiß eher, was er zu tun hat als Neulinge in der alten EU. Für 73 Prozent ungarischer und 63 Prozent slowenischer Unternehmen ist die präzise Stellenbeschreibung Selbstverständlichkeit. Anders in Österreich: Nur 44 Prozent geben festgelegte Stellenbeschreibungen vor. (Der Standard, Printausgabe 12./13.6.2004)

*Auftraggeber der Untersuchung ist das Hernstein International Management Institute in Wien, die Abwicklung erfolgte durch OGM. Für diese Studie wurden im Jänner 2004 rund 450 Führungskräfte von Großbetrieben in Tschechien, Slowenien und Ungarn (ab 100 Beschäftigten) befragt. 51 Prozent der Antwortenden waren älter als 45 Jahre. Vergleichszahlen von Deutschland, Österreich und der Schweiz wurden 2002 ebenfalls unter 450 Führungskräften in Großbetrieben erhoben.

Von Judith Grohmann
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