Possanner-Staatspreis an Elisabeth List

14. Juni 2004, 15:00
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Philosophin für Lebenswerk geehrt, das der "Geschlechterdemokratie in Österreich förderlich ist"

Wien - Die Philosophin Elisabeth List ist am Montag Nachmittag von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) mit dem mit 7.300 Euro dotierten Gabriele Possanner-Staatspreis 2003 ausgezeichnet worden. Der Preis wird alle zwei Jahre an Personen aus Forschung und Lehre vergeben, deren wissenschaftliche Leistungen die Geschlechterdemokratie fördern. Die mit je 1.900 Euro dotierten Possanner-Förderungspreise gingen an die Wiener Ethnologin Gabriele Habinger und die Wiener Politologin Gabriele Michalitsch.

Biografisches

List, 1946 in St. Veit an der Glan (Kärnten) geboren, studierte Philosophie, Geschichte und Soziologie in Graz, Konstanz und Berlin. Nach ihrer Promotion wurde sie 1971 Assistentin am Institut für Philosophie an der Uni Graz, wo sie 1981 Assistenzprofessorin und 1996 außerordentliche Professorin wurde. Seit Jänner 1998 fungiert sie als Leiterin der Arbeitsgruppe Kulturwissenschaften der Geisteswissenschaftlichen Fakultät an der Uni Graz.

Die Arbeitsschwerpunkte Lists liegen in den Bereichen Wissenschafts- und Gesellschaftstheorie, Feministische Theorie und Wissenschaftskritik, Theorien des Körpers im kulturellen Kontext und Theorien des Lebendigen. Daneben sei es ihr gelungen, ab den frühen 80er-Jahren Netzwerke zwischen den lehrenden Mittelbau-Frauen im Bereich von feministischer Wissenschaftskritik zu bündeln, lobte die Jury.

Ausgezeichnete Arbeiten

Habinger erhielt den Förderungspreis für ihre Arbeit "Geschlecht, Differenz und Macht der Räume - Diskurse und Repräsentationen von reisenden Europäerinnen im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert", Michalitsch für "Die Domestizierung der Leidenschaften. Über die Formierung neoliberaler Subjektivität."

"Die Preise sind ein Zeichen dafür, dass viele Fortschritte und Verbesserungen für wissenschaftlich arbeitende Frauen erreicht wurden", betonte Gehrer in einer Aussendung. Trotzdem müssten weiterhin alle Anstrengungen unternommen werden, die Gleichstellung von Männern und Frauen im Wissenschafts- und Forschungsbereich weiterhin voranzutreiben.

Preis zum Gedenken eingeführt

Die Staatspreise werden seit 1997 zum Gedenken an die erstmalige Verleihung eines akademischen Grades an eine Frau durch eine österreichische Universität vergeben. Gabriele Possanner erhielt 1897 nach nochmaliger Ablegung zahlreicher Prüfungen ihr an der Universität Zürich erworbenes Doktorat der Medizin von der Uni Wien nostrifiziert.

Jury

Der Jury für die Gabriele-Possanner-Preise 2003 gehörten an: Johanna Dohnal (ehemalige Bundesministerin, Wien), Ute Gerhard (Gesellschaftswissenschafterin, Frankfurt/M.), Eva Kreisky (Politikwissenschafterin, Wien), Susanne Schunter-Kleemann (Wirtschaftswissenschafterin, Bremen) und Edith Saurer (Historikerin, Wien). (APA/red)

  • Die Preisträgerinnen mit Ministerin Gehrer.
    foto: spiola/noll
    Die Preisträgerinnen mit Ministerin Gehrer.
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