Stärkstes Motiv der Nichtwähler: EU-Enttäuschung

15. Juni 2004, 19:09
22 Postings

Wahlbeteiligung ging weiter zurück - Mit Infografiken

Wien - Die Wahlbeteiligung bei der EU-Wahl ist wie erwartet weiter eingebrochen: Lediglich 41,81 Prozent der Wahlberechtigten machten sich am Sonntag auf den Weg ins Wahllokal. Bei der vorangegangenen EU-Wahl 1999 waren es 49,40 Prozent gewesen, bei der Premiere im Jahr 1996, als die österreichische Bevölkerung erstmals über die EU-Parlamentarier abstimmten, noch 67,73 Prozent. Als Hauptursache für ihren Verzicht führten 76 Prozent der Nichtwähler laut einer OGM-Wahltagsbefragung für den ORF (1.094 Befragte) ihre Enttäuschung über die EU an.

"Fehlende Attraktivität"

Ein weiteres "besonders wichtiges Motiv" für das Fernbleiben von der Wahlurne war für 61 Prozent der Wahlmüden die fehlende Attraktivität der Parteien bzw. Kandidaten. Für 60 Prozent der Nichtwähler spielte die Überzeugung "Meine Stimme hat keinen Einfluss" eine große Rolle, 42 Prozent beklagten einen Mangel an Information. Politisches Desinteresse (39 Prozent) sowie persönliche Verhinderung (29 Prozent) waren andere wichtige Gründe, vom Wahlrecht keinen Gebrauch zu machen.

Vor allem Junge blieben fern

OGM zufolge waren es vor allem die unter 30-Jährigen, die der Wahl fern blieben, überdurchschnittlich vertreten waren in der Gruppe der Nichtwähler außerdem Arbeiter, Angestellte sowie klassische FPÖ-Wähler. Die 41,81 Prozent bedeuten die geringste Wahlbeteiligung bei bundesweiten Wahlen überhaupt.

Bundesweiter Rückgang

Die Wahlbeteiligung ging in allen Bundesländern zurück, die Einbußen betrugen zwischen 1,91 (Tirol) und 11,07 Prozentpunkte (Oberösterreich). Oberösterreich war damit das einzige Bundesland mit zweistelligem Rückgang. Wahlbeteiligungshochburgen blieben Burgenland (57,91 Prozent), Niederösterreich (54,23 Prozent) und Oberösterreich (44,64 Prozent), in den anderen Bundesländern pendelte sich die Beteiligung zwischen 33,50 Prozent (Tirol) und 38,03 Prozent (Salzburg) ein.

Tradition

Der Verzicht auf den Urnengang bei der EU-Wahl hat in Österreich schon eine gewisse Tradition. Seit jeher lag die Beteiligung unter den üblichen Werten bei anderen österreichischen Wahlen. Bei Nationalratswahlen etwa lag die Wahlbeteiligung seit 1990 stets über 80 Prozent, bei den heurigen Präsidentenwahlen am 25. April wurde für die Wahl des Staatsoberhauptes zwar ein neuer Tiefstand erreicht, mit 71,60 Prozent lag die Beteiligung aber noch immer rund 30 Prozentpunkte über der EU-Wahl. Unter 50 Prozent lag die Beteiligung bei bundesweiten Urnengängen bisher nur bei EU-Wahlen, 1999 und 2004 eben. (APA)

  • Artikelbild
  • Artikelbild
Share if you care.