Sommer der Österreicher im Karakorum

20. Juni 2004, 18:50
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Läuft alles nach Plan, dann werden heuer gleich drei Achttausendergipfel in Pakistan "Besuch" von österreichischen Alpinisten bekommen

Zwei österreichische Expeditionen sind im Karakorum unterwegs: Eine Gruppe will auf den Nanga Parbat. Broad Peak und K2 sind das Ziel der zweiten Expedition.

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Salzburg - Läuft alles nach Plan, dann werden diesen Sommer gleich drei Achttausendergipfel in Pakistan "Besuch" von österreichischen Alpinisten bekommen: Derzeit befindet sich eine Gruppe von Heeres-Bergführern aus der Steiermark, Tirol und Salzburg auf dem Anmarsch zum Basislager unter dem Nanga Parbat. Am Donnerstag wurde die Ausrüstung auf die Trägerkolonne umgeladen. ´

1970 verunglückte Günther Messner am hohen Eisriesen

Die neun Bergsteiger wollen den 8125 Meter hohen Eisriesen im Karakorum über die Diamir-Wand besteigen. Dort verunglückte 1970 Günther Messner, der Bruder von Reinhold Messner, tödlich. Wie für alle anderen modernen Expeditionsbergsteiger ist der Verzicht auf künstlichen Sauerstoff für die Heeres-Bergführer obligat. Die anspruchsvolle Route wurde 1962 von einem deutschen Team erstmals begangen. Beim Abstieg kam ein Bergsteiger ums Leben.

Kombi-Besteigung von Broad Peak und K2

Die zweite Expedition bestehend aus sieben Tiroler und Salzburger Bergführern will noch höher hinaus. Geplant ist die Kombi-Besteigung von Broad Peak (8047 Meter) und K2 - dem mit 8611 Meter zweithöchsten und schwierigsten der 14 Achttausender. Dieser Tage marschieren die einheimischen Träger und die österreichischen Alpinisten über den Baltoro-Gletscher zum Basislager. Auch dieses ehrgeizige Unternehmen soll eine faire Besteigung ohne künstlichen Sauerstoff und ohne Hochträger werden.

Für den Broad Peak ist die Route über den Westgrat geplant. Am K2 wollen die sieben über den Abruzzensporn auf den Gipfel. Auf jener Route ist einer italienischen Expedition die Erstbesteigung gelungen: Am 31. Juli 1954 betraten Lino Lacedelli und Achille Compagnoni als erste Menschen den Gipfel des K2.

Mit der Geschichte des österreichischen Alpinismus verbunden

Alle drei Achttausender sind eng mit der Geschichte des österreichischen Alpinismus verbunden. Der Nanga Parbat wurde 1953 vom Innsbrucker Hermann Buhl in einem legendären Alleingang erstbestiegen. Buhl verunglückte 1957 tödlich. Wenige Wochen davor war ihm gemeinsam mit den Salzburgern Markus Schmuck, Kurt Diemberger und Fritz Wintersteller die erste Besteigung des Broad Peak geglückt.

Alpinismus und Tragödien

Der K2 ist in die Geschichte des heimischen Alpinismus durch zwei Tragödien eingegangen: Im Sommer 1986 starben insgesamt 13 Menschen am K2; sieben davon bei einem "hastigen Vorstoß zum Gipfel", wie die britische Bergsteigerlegende Chris Bonington das Unternehmen nachträglich bewertet hatte. Diemberger und der Oberösterreicher Willi Bauer entkamen dem Höhensturm nur knapp. 1989 versucht eine Gruppe unter der Leitung des Linzers Edi Koblmüller die Ostwand des K2 zu bezwingen. Der Versuch scheiterte: Koblmüller hatte den technisch schwierigsten Teil geschafft, Schlechtwetter verhinderte aber den Gipfelsieg. Einige Tage später stürzte der Steirer Hans Bärnthaler beim Versuch die Wand aus einer perspektivisch günstigen Position zu fotografieren (siehe Bild) in den Tod. (Thomas Neuhold, DER STANDARD Printausgabe 12/13.6.2004)

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    Bereits der Karakorum High Way in Pakistan ist beschwerlich

  • Der K2 ist eng mit der Geschichte des österrei- 
chischen Alpinismus verbunden. Sieben heimische Bergsteiger wollen ihn im Sommer bezwingen.
    foto: montagna.org press office

    Der K2 ist eng mit der Geschichte des österrei- chischen Alpinismus verbunden. Sieben heimische Bergsteiger wollen ihn im Sommer bezwingen.

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