Harte Bandagen bis zum Schluss

13. Juni 2004, 17:11
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ÖVP und SPÖ beendeten ihren Wahlkampf, wie sie ihn zuletzt geführt hatten - Gusenbauer: "Scheinheilig" - Lopatka: "Stillos"

ÖVP und SPÖ beendeten ihren Wahlkampf, wie sie ihn zuletzt geführt hatten: mit gegenseitigen Vorwürfen. Die Koalition agiere "scheinheilig", befand SP-Chef Gusenbauer. "Unangemessen und stillos" seien diese Aussagen, entgegnete VP-Generalsekretär Lopatka.

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Die SPÖ setzte ihre Schlussveranstaltung in EU-Wahlkampf ganz ins Zeichen ihrer Kritik an der Koalitionsregierung, die ÖVP spannte die Parteijugend für Spitzenkandidatin Ursula Stenzel ein.

Beide Parteien waren bemüht, ihre in der Schlammschlacht um die "Vaterlandsverräter" verwischten Positionen noch einmal sauber darzustellen - ohne einander jedoch etwas zu schenken. Beide appellierten auch an die Wähler, zu den Urnen zu gehen, rechnen sich doch sowohl SPÖ und ÖVP bessere Gewinnchancen bei hoher Wahlbeteiligung aus.

Die "rote Karte"

Jedenfalls will die SPÖ der Regierung am Sonntag die "rote Karte" zeigen. Parteichef Alfred Gusenbauer kritisierte nochmals den Wahlkampf der Koalitionsparteien und verteidigte die SPÖ-Themen. Mit einer "verdeckten Operation", so Gusenbauer, wolle die Regierung von ihren wahren Vorhaben in Brüssel ablenken, daher habe sie sich auch so vehement auf den SP-Kandidaten Hannes Swoboda eingeschossen. Diese "Ersatzkampagne" sei unter dem Niveau jeder bisherigen Auseinandersetzung gewesen, Bundeskanzler Wolfgang Schüssel habe sich überaus spät und dann bloß halbherzig davon distanziert. Gusenbauers Fazit: "Scheinheilig."

Dass sich die SPÖ mit aller Macht auf das Thema Arbeitslosigkeit geworfen habe, begründete der SP-Chef mit der Säumigkeit der Regierung. Finanzminister Karl-Heinz Grasser sei das Thema Vollbeschäftigung auf EU-Ebene "nicht einmal einen Nebensatz" wert. Spitzenkandidat Swoboda betonte, nur die SPÖ trete für ein soziales Europa, die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, gegen Privatisierungen und gegen ein Europa der Konzerne ein.

Mithilfe der Jugend

VP-Spitzenkandidatin Ursula Stenzel umgab sich zum Abschluss mit Parteijugend. Die VP werde die EU "jugendfreundlicher" machen, versprach Stenzel bei einer Veranstaltung der jungen VP auf dem Wiener Donauturm. Sie will sich für eine Jugendverträglichkeitsprüfung sowie einen Jugendausschuss im EU-Parlament stark machen. Ihr Ziel: Mithilfe der Jugend "etwas gegen die Frustration und Entfremdung der Bürger der EU gegenüber zu tun".

ÖVP-Generalsekretär Reinhold Lopatka sorgte dann dafür, dass das Generalthema seines Wahlkampfes auch am letzten Tag der Kampagne auf der Tagesordnung blieb. SPÖ-Chef Gusenbauer habe noch immer kein Wort des Bedauerns für seine "Pogrom"-Aussage gefunden, kritisierte Lopatka. Ganz im Gegenteil habe sich Gusenbauer "wieder dazu verstiegen, bei einer Pressekonferenz andere Mitbewerber als Meister der Scheinheiligkeit zu bezeichnen. Wie schon so oft in den vergangenen Tagen ist auch hier die Wortwahl des SPÖ-Parteivorsitzenden völlig unangemessen und stillos."

"Verbal-Schlamassel"

Während Bundeskanzler Wolfgang Schüssel mehrfach sehr deutliche Worte zu den verbalen Ausrutschern von Vertretern aller Parteien gefunden und zur Mäßigung in der Wortwahl aufgerufen habe, rede sich der SPÖ-Chef immer tiefer in das von ihm selbst verursachte "Verbal-Schlamassel" hinein, befand Lopatka.

Zuletzt warf sich auch noch der Vorarlberger Landeshauptmann Herbert Sausgruber für die ÖVP und Stenzel in die Schlacht. Sie sei eine "bewährte und kompetente" Kandidatin. Auch Sausgruber appellierte an die Wähler, möglichst zahlreich von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. (kob, DER STANDARD, Printausgabe 12./13.6.2004)

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    SP-Spitzenkandidat Hannes Swoboda mit seinem Hauptthema "Für ein soziales Europa", das nicht wirklich an Landesverrat erinnert.

  • VP-Spitzenkandidatin Ursula Stenzel und Bundeskanzler Wolfgang Schüssel wollen Österreich stark vertreten. Wie stark, hängt wie immer von den Wählern ab.
    foto: standard

    VP-Spitzenkandidatin Ursula Stenzel und Bundeskanzler Wolfgang Schüssel wollen Österreich stark vertreten. Wie stark, hängt wie immer von den Wählern ab.

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