Truppen räumen antikes Babylon

12. Juni 2004, 20:39
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Hauptquartier der multinationalen Division soll an einen anderen Ort im Irak verlegt werden: Keine Zähne putzende Soldaten im Amphitheater mehr

Babylon/Bagdad - Die US-Armee will das Hauptquartier der multinationalen Division im antiken Babylon an einen anderen Ort im Irak verlegen, um weiteren Schaden von den archäologischen Stätten abzuwenden. Wohncontainer neben dem Ischtar-Tor, Armee-Jeeps am Eingang des Palastes von Nebukadnezar und Zähne putzende Soldaten im hellenistischen Amphitheater werde es nach der Machtübergabe von der US-Zivilverwaltung an die Iraker nicht mehr geben, heißt es in einer am Freitag in Bagdad veröffentlichten Erklärung von US-Zivilverwaltung und Armee.

Im Auftrag der Amerikaner war ein Expertenteam aus Archäologen und irakischen Kunsthistorikern nach Babylon gereist, um die Situation in Camp Alpha zu begutachten. Dort befindet sich seit Sommer 2003 das Hauptquartier der multinationalen Division, der Truppen aus über 20 Ländern angehören. Unter polnischem Oberkommando kontrollieren die rund 8.000 Soldaten fünf Provinzen südlich von Bagdad. "Durch uns sind die antiken Stätten von Babylon vor weiteren Plünderungen bewahrt worden", sagte der Sprecher des Oberkommandos, Robert Streleczki.

Doch die Präsenz der Armee hat bereits Schäden an Iraks Kulturerbe angerichtet. Diese müssten jetzt behoben und künftig vermieden werden, forderten US-Zivilverwalter Paul Bremer und General Ricardo Sanchez. Nun solle ein neuer Standort für Camp Alpha gefunden und eine Umsiedlung vorbereitet werden.

Bremer: "Iraks Kulturschätze sind nicht nur wichtig für Irak, sondern für die gesamte Welt und Zivilisation"

Baumaßnahmen und Ausgrabungen in Babylon dürften künftig nur nach engen Konsultationen mit der irakischen Antiken-Verwaltung stattfinden. "Iraks Kulturschätze sind nicht nur wichtig für Irak, sondern für die gesamte Welt und Zivilisation", sagte Bremer. Unterdessen plant die irakische Übergangsregierung die Einsetzung einer 1.300 Mann starken Spezial-Polizei, die einige wichtige archäologische Stätten regelmäßig überwachen soll.

Der Direktor des Irak-Museums in Bagdad, Donny George, hatte Anfang Juni auf einer Konferenz der UNESCO in Jordanien erklärt, ein effektiver Schutz aller Kulturgüter sei unmöglich, da überhaupt nur zehn Prozent der archäologisch bedeutsamen Stätten offiziell registriert seien. Außerdem gebe es weiterhin Plünderungen. (APA/dpa)

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    foto: radek pietruszka
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