EM-Run auf Flach-TV

15. Juli 2004, 16:59
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Elektrohandel feiert "Tor-Erfolge" - 10 bis 20 Prozent mehr Umsatz mit TV-Geräten erwartet, auch DVD-Recorder gefragt

Wien - Die am Samstag beginnende Fußball-EM beschert dem zuletzt nicht eben verwöhnten Elektrohandel wieder Erfolgserlebnisse. Das sportliche Großereignis in Portugal, dem kurz danach die Olympischen Spiele in Griechenland folgen, wird der Branche in Österreich wenigstens vorübergehend merkliche Umsatzzuwächse bescheren, rechnen Händler. "Renner" sind Hitech-Fernseher, aber auch die zuletzt deutlich billiger gewordenen DVD-Recorder. Der Preis ist aber nicht mehr das einzige Kaufargument: Rege Nachfrage herrscht auch nach Produkten, die noch vor kurzem ein echtes Luxus-Image hatten.

Verkaufsschlager sind derzeit nämlich moderne, oft noch hochpreisige Fernsehgeräte mit flachen Bildschirmen, berichten Händler übereinstimmend. Teilweise komme es bei TV-Geräten mit LCD- oder Plasma-Schirm heute schon zu Lieferengpässen. "Die Sättigungsrate mit Fernsehern ist an sich hundert Prozent, da hat jeder Haushalt schon zwei. Aber mit den neuen Geräten erwarten wir für die nächsten vier Wochen ein Umsatzplus von 20 Prozent. Auf Basis der alten Technik wäre so etwas pure Utopie", sagte Kurt Weiß, Geschäftsführer des Elektrohändler-Verbunds Red Zac (260 selbstständige Unternehmen in Österreich), am Freitag zur APA.

Kleine, flache TV-Geräte

Kleine, flache TV-Geräte stehen derzeit an der Spitze der Einkaufslisten, berichtet auch Robert Hartlauer, Chef der gleichnamigen Elektrohandelskette. "Die sind als Zweitgeräte optimal geeignet - wenn die Ehefrau nicht so sehr an Fußball interessiert ist." Aber auch für konventionelle, größere Röhren-Fernseher mit 70 bis 80 Zentimeter Bildschirmdiagonale sei die Nachfrage gut, so Hartlauer. Auch Mitbewerber Niedermeyer verspürt seit zwei Wochen deutlich deutlich lebhaftere Geschäfte, besonders bei Fernsehgeräten, Videorecordern und Projektoren, meint Einkaufsleiter Karl Dwulit auf APA-Anfrage. Die EM und die Olympiade könnten zusammengenommen durchaus ein zusätzliches Umsatzplus von fünf Prozent bringen.

Der Radio und Elektrohandel hat bisher - wie auch andere Handelsbranchen - an einer hartnäckigen Konjunkturflaute gelitten; die allgemeine Wirtschaftslage, aber etwa auch die Pensionsdebatte haben vielen Österreichern die Konsumfreude vergällt. Während es in Industrie und Bauwirtschaft schon seit vergangenem Herbst Anzeichen für eine Belebung gegeben hat, sind diese bei den langlebigen Konsumgütern bisher ausgeblieben.

Keine Initialzündung

Dass die durch die Europameisterschaften ausgelöste Nachfrage nun zu einer Art Initialzündung für einen rasanten Aufschwung werden könnte, glaubt Wolfgang Krejcik, Elektrohandels-Obmann in der Wirtschaftskammer zwar nicht: "Umsatzspitzen wie früher gibt es heute nicht mehr." Aber: "Bei der Konsumzurückhaltung, die bisher bisher geherrscht hat, ist dieser Impuls schon wichtig." Das Umsatzwachstum im Elektrohandel sei bisher nur knapp über der Null-Linie gelegen. Zwar sei mehr abgesetzt worden, durch Preisrückgänge sei heuer aber lediglich eine "schwarze Null" herausgekommen, sagt der Bundesgremial-Obmann, der für 10.000 heimische Elektrohändler spricht.

Stark nachgefragt seien auch die neuen Digitalrecorder, "die dem Videorecorder (VHS, Anm.) schneller als wir erwartet haben, den Rang ablaufen", urteilte Krejcik gegenüber der APA. Gemeint sind dabei Geräte auf DVD-Basis, aber auch Maschinen mit eingebauter Festplatte. Der Preis vieler DVD-Recorder hat sich seit vergangenem Herbst beinahe halbiert. Vielseitigere und daher teurere Digitalrecorder werden von vielen Händlern derzeit mit speziellen Finanzierungsangeboten offeriert. "Viele Geräte sind preislich jetzt aber in einer Klasse zu haben, wo sich die Kunden sagen: Bevor ich mit einen Player kaufe, leg' ich mir gleich einen DVD-Recorder zu", bestätigt Hartlauer. "Aber mit der Fußball-EM hat das weniger zu tun: Ein aufgezeichnetes Spiel ist wohl doch nicht so interessant."

Nachfrageboom "etwas überraschend"

Der Nachfrageboom nach TV-Geräten "ist etwas überraschend gekommen, weil der Fernseher-Markt ja eigentlich gesättigt ist und wir die Werbung auch nicht besonders stark verstärkt haben", sagt Alfred Danzmair, der für die Einkaufskooperation "Expert" (220 Anbieter in Österreich) für das Marketing zuständig ist. "Auch in den vergangenen Jahren hat es sportliche Großereignisse gegeben und es hat sich nichts bewegt", wundert sich Danzmair. Wenn die Sommer-Olympiade noch einmal einen Schub bringe, könnten die Monatsumsätze mit Fernsehgeräten bis zu 20 Prozent über den Vorjahreswerten liegen, meint man bei "Expert". Besonders stark nachgefragt seien derzeit TV-Geräte mit kleinen Bildformaten (oft mit Flachbildschirm), Videorecorder (DVD, aber auch noch VHS) sowie Videoprojektoren. (APA)

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    Die am Samstag beginnende Fußball-EM beschert dem zuletzt nicht eben verwöhnten Elektrohandel wieder Erfolgserlebnisse

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