UN-Handelskonferenz mit Kritik gegen Barrieren und Hunger eröffnet

21. Juli 2004, 19:53
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Brasiliens Staatspräsident Lula fordert "gerechtere Beziehungen zwischen den reichen und den armen Ländern"

Sao Paulo - Mit Kritik gegen Handelsbarrieren und den Hunger auf der Welt ist in Brasilien die 11. UN-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD) eröffnet worden. Die Pforten für den Handel müssten geöffnet werden, forderte UN-Generalsekretär Kofi Annan in der Eröffnungsrede am Montag in Sao Paulo. Die Zunahme des Handels könne die Verletzungen der Rechte vieler Völker reduzieren.

Brasiliens Staatspräsident Luiz Inácio Lula da Silva forderte ein Ende der Handelsbarrieren, ein internationales Abkommen gegen den Hunger, die Förderung einer nachhaltigen Entwicklung und "gerechtere Beziehungen zwischen den reichen und den armen Ländern". "Die Globalisierung kann ein Instrument der Entwicklung sein, aber nur dann, wenn ihre Vorteile unter allen verteilt werden", sagte der frühere Gewerkschaftsführer. Lula verwies auf seinen Plan zur Ausmerzung des Welthungers, den er am 20. September in New York vorstellen will. Zudem sprach er sich für Abkommen zum Abbau von Handelsbarrieren unter den Ländern der so genannten Dritten Welt aus.

Vertreter aus 192 Ländern

Eine bessere Abstimmung der nationalen Entwicklungsstrategien mit den globalen Wirtschaftsprozessen ist das zentrale Thema des sechstägigen Treffens, das am Sonntag mit vorbereitenden Sitzungen begonnen hatte. Vertreter aus 192 Ländern, darunter mehrere Staatschefs vor allem aus Lateinamerika, nehmen an den Debatten teil. Die Konferenz findet rund neun Monate nach der gescheiterten Konferenz der Welthandelsorganisation WTO im mexikanischen Cancun statt.

Annan prangerte in Brasilien die großen Ungleichgewichte sowie "diskriminierende Aktionen" im internationalen Handel an. Er rief die unterentwickelten Länder aber auf, die Chancen des "Süd-Süd-Handels" auszunutzen. Er hoffe auf eine Wiederbelebung der Welthandelsrunde während der Konferenz in Sao Paulo.

Am Sonntag hatte die Welternährungsorganisation FAO in Sao Paulo von "enttäuschenden" Ergebnissen im Kampf gegen den Hunger berichtet. Weltweit gebe es 798 Millionen Menschen, die unterernährt seien. "Ausgenommen von den Situationen, in denen ein Krieg oder eine Naturkatastrophe irgendwo die Aufmerksamkeit und das Mitleid der Welt wecken, wird wenig gesagt und noch weniger getan, um das Leiden der Hungernden zu beenden", klagte der stellvertretende FAO-Direktor Hartwig de Haen.

Die vor 40 Jahren ins Leben gerufene UNCTAD setzt sich für Handelserleichterungen zwischen Industrie- und Entwicklungsländern ein. Mit Gründung des allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT) sowie der Nachfolgeorganisation WTO 1995 hat die Bedeutung der UN-Konferenz abgenommen. Das vorherige Treffen fand vor vier Jahren in Bangkok statt. (APA/dpa)

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