4. Etappe: Glomser gewinnt Königsetappe

4. Juli 2005, 11:35
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Saeco-Profi verab­schiedet sich mit Sieg - Matzbacher sorgt für ÖRV-Doppelerfolg - Konecny Glockner-König, Evans Gesamtführender

Lienz - Mit der angekündigten Galavorstellung hat sich Gerrit Glomser am Donnerstag von der Wiesbauer-Tour verabschiedet. Der Gesamtsieger der vergangenen zwei Jahre fuhr auf der zweiten Etappe von Bad Gastein über die Glockner-Straße zum Tristacher See bei Lienz (148 km) Hand in Hand mit seinem Saeco-Teamkollegen Andreas Matzbacher als Erster über die Ziellinie. Das ÖRV-Duo hatte sich mit tollkühner Abfahrt vom Hochtor (2.575 m) gemeinsam mit dem tschechischen Glocknerkönig Tomas Konecny, dem Tages-Dritten, abgesetzt. Der Australier Cadel Evans führte mit 15 Sekunden Rückstand die Verfolger ins Ziel und verteidigte das Gelbe Trikot erfolgreich.

Formanstieg bei Glomser

Der Doppelsieg der Saeco-Fahrer hat die Rundfahrt aus österreichischer Sicht "gerettet". Nach der Enttäuschung auf dem Kitzbühler Horn stellte Glomser seine Formsteigerung unter Beweis und Neo-Profi Matzbacher gelang mit Rang zwei sein bisher wertvollstes Resultat. Der 27-jährige Steirer hielt sich an die Team-Hierarchie. Denn nachdem das Duo kurz vor dem fast zwei Kilometer langen Schlussanstieg zum Tristacher See Konecny distanziert hatte, war Matzbacher im Finish der stärkere Kletterer.

U23-Meister zurückgepfiffen

Doch auf "Befehl" seines Teamkapitäns schaltete der ÖRV-U23-Meister zurück. "Er hat das Tempo verschärft und ich habe ihm gesagt, dass er es reduzieren soll, weil wir ohnehin alleine vorne waren", erklärte Glomser und sprach seinem jungen Kollegen ein "Riesenkompliment" aus. "Ich bin froh, dass ich diesen Sieg mitnehmen kann, Andi ist sieben Jahre jünger, seine Erfolge werden noch kommen", sagte der Salzburger. Sein Ausstieg mit Zustimmung des Tour-Direktors Rolf Slavik ist trotz seines insgesamt fünften Etappensieges bei der Österreich-Rundfahrt fix, ab Samstag bestreitet Glomser als Vorbereitung auf die Tour de France die Tour de Suisse. "Denn bei der Wiesbauer-Tour ist mein Rückstand von zehn Minuten nicht mehr aufzuholen."

Rasender Maturant Matzbacher

Matzbacher war auch mit Rang zwei zufrieden. "Ich habe kein Problem damit, wenn der Ältere gewinnt, für mich ist wichtig, dass ich jetzt ein Ergebnis bei Saeco habe. Jetzt wird alles etwas leichter für mich. Ich weiß, dass ich's kann", erklärte der Maturant aus Rein bei Graz. Er hatte bis zum Hochtor einen 50-Sekunden Rückstand auf Glomser, den Vierten am Fuschertörl, wett gemacht und in der Abfahrt Kopf und Kragen riskiert.

Konecny in Rekordzeit am Fuschertörl

Drei Minuten waren die Ausreißer schon vor dem Feld gelegen. Konecny, der mit 47:46 Minuten einen neuen Rekord auf dem 13-km-Anstieg von der Mautstelle Ferleiten zum Fuschertörl fixierte (1:06 Minuten schneller als Frank Vandenbroucke/BEL 1997) beteiligte sich an der Führungsarbeit und als Gesamtsiebenter mit 1:24 Minuten Rückstand auf seinen Teamkollegen Evans fuhr er virtuell schon im Gelben Trikot.

Evans in Bedrängnis

Horn-Sieger Evans geriet in Bedrängnis, musste die letzte Phase der Klettertour zum Fuschertörl ohne Helfer absolvieren und zur Kenntnis nehmen, dass sich sein Rückstand nach dem Hochtor in kurzer Zeit verdoppelte. "Ich war überrascht, dass die Gruppe so schnell weg war, ich musste alles alleine machen", sagte der Gesamtsieger von 2001, der auf den letzten drei Etappen noch Angriffe befürchtet. "Es ist noch nicht vorbei, es kommen noch längere Anstiege."

Uneinigkeit unter T-Mobile-Kollegen

Im Ziel stellte er seinen T-Mobile-Kollegen Konecny zur Rede. Der 30-Jährige aus Brünn, der schon vor neun Jahren erstmals über die 1.600 Höhenmeter von Fusch zum Törl geklettert war, sah seine aktive Fahrt in der Spitzengruppe durchaus gerechtfertigt. "So mussten die anderen Teams auf uns Jagd machen und haben Kraft verbraucht. Jetzt hat Cadel weiter das Trikot, wenn wir größeren Vorsprung gehabt hätten, hätte eben ich geführt."

Strafminute für Trampusch

Matzbacher verbesserte sich in der Gesamtwertung von Platz 25 auf 14 (+3:38 Min.). Bester Österreicher ist Thomas Rohregger als Zehnter (Hervis Linz/3:01) unmittelbar vor Gerhard Trampusch (3:13), der wegen mehrfachen Abstoßens von Fahrzeugen eine Strafminute erhielt.

Glomser: "Habe mich am Berg gespielt"

Glomser hat zwar den ersten "Hattrick" in der Geschichte der Österreich-Rundfahrt verpasst, dennoch brachte ihm die 56. Auflage wertvolle Aufschlüsse. Der 29-jährige Salzburger hat nach langer Rennpause den Rhythmus auch am Berg wieder gefunden und reist mit gesteigertem Selbstvertrauen zur Tour de Suisse. "Das war ein würdiger Abschluss", freute sich Glomser nach seinem Sieg in der Glockneretappe in Lienz. "Ich habe mich am Berg gespielt und sehe der Tour de Suisse positiv entgegen." (APA/red)

Donnerstag-Ergebnisse der 56. internationalen Wiesbauer Tour:
4. Etappe (Bad Gastein - Lienz/148 km):

1. Gerrit Glomser (AUT) 3:57:20 Stunden (Schnitt: 37,42 km/h) - 2. Andreas Matzbacher (AUT) gl. Zeit - 3. Tomas Konecny (CZE) +5 Sek. - 4. Cadel Evans (AUS) +15 Sek. - 5. Paul Crake (AUS) +16 Sek. - 6. Michele Scarponi (ITA) - 7. Maurizio Vandelli (ITA) - alle gl. Zeit - 8. Wim van Huffel (BEL) +27 - 9. Jaroslaw Popowitsch (UKR) +30 - 10. Matija Kvasina (CRO) +37 - weiter: 14. Harald Morscher (AUT) +46 - 15. Gerhard Trampusch (AUT) gl. Zeit - 16. Thomas Rohregger (AUT) +58 - 30. Harald Totschnig (AUT) +7:48 Min.

Glockner-Auffahrtszeiten Mautstelle Ferleiten-Fuschertörl (13 km/HD 1.278 m): 1. Tomas Konecny (CZE) 47:46,42 Minuten (Rekord/bisher Frank Vandenbroucke/BEL 48:52) - 2. Paul Crake (AUS) 48:31,9 - 3. Mitja Mahoric (SLO) 48:32,1 - 4. Gerrit Glomser (AUT) 48:35,2 - 5. Wim van Huffel (BEL) 48:35,5 - 6. Maurizio Vandelli (ITA) 48:35,6 - 7. Jure Golcer (SLO) 48:58,3 - 8. Cadel Evans (AUS) 49:19,6 ... 10. Andreas Matzbacher (AUT) 49:26,9 - 14. Thomas Rohregger (AUT) 49:57,1 - 20. Gerhard Trampusch 50:30,45.

Aufgegeben: Paul Kasis (AUT/Nationalteam), Jo Planckaert (BEL)

Gesamtwertung:
1. Evans 15:16:48 Stunden - 2. Scarponi +19 Sek. - 3. Vandelli +28 - 4. Crake 59 - 5. Konecny +1:07 Min. - 6. Golcer +1:28 - 7. Christian Werner (GER) +1:36 - 8. Popowitsch +2:03 - 9. Van Huffel +2:52 - 10. Rohregger +3:01 - 11. Trampusch +3:13 - 12. Morscher +3:16 - 14. Matzbacher +3:38 - 22. Glomser +9:12 - 25. Totschnig +10:32

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    Gerrit Glomser verabschiedet sich mit einem Etappensieg von der Wiesbauer-Tour.

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