Bis zur nächsten Eiszeit sollte es noch 15.000 Jahre dauern

10. Juni 2004, 10:30
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Antarktische Bohrungen führen zu Hochrechnung der Klimaentwicklung - Einschränkung: der menschliche Faktor ist neu in der Gleichung

Bern - Die gegenwärtige "Warmzeit" dürfte nach Einschätzung von Wissenschaftern noch mindestens weitere 15.000 Jahre andauern. Dies ist eines der Ergebnisse der Untersuchungen im ältesten Eis der Antarktis, die am Donnerstag im Wissenschaftsjournal "Nature" veröffentlicht werden, wie die Universität Bern bekannt gab.

In einem drei Kilometer langen Eisbohrkern werden die Geheimnisse der Klimageschichte der Erde enthüllt, wie die Universität am Mittwoch mitteilte. Der Eisbohrkern setzt sich aus den Schneefällen der letzten 740.000 Jahren zusammen und ist derzeit die älteste vorhandene kontinuierliche Klimaaufzeichnung. Gebohrt wurde der Kern während eines achtjährigen Projekts von Wissenschaftern und Technikern aus zehn europäischen Ländern auf Dome C, hoch auf dem östlichen antarktischen Eisschild.

Eis- und Warmzeiten

Die ersten Resultate bestätigen, dass in den letzten 740.000 Jahren acht Eiszeiten aufeinander folgten, während denen das Klima auf der Erde sehr viel kälter war als heute. Die Eiszeiten wurden jeweils von acht wärmeren Phasen abgelöst, so genannten Warmzeiten. In den letzten 400.000 Jahren waren die Temperaturen dieser Warmzeiten vergleichbar mit heute. Davor waren diese Zwischeneiszeiten nicht ganz so warm, dauerten jedoch länger. Beim Vergleich des Klimamusters in der Vergangenheit mit den gegenwärtigen globalen Umweltbedingungen folgern die Wissenschafter, dass die gegenwärtige Warmzeit ohne menschlichen Einfluss noch mindestens weitere 15.000 Jahre dauern würde.

Am Eisbohrkern werden auch kleinste Blasen aus dem Eis extrahiert, um herauszufinden, wie sich die Zusammensetzung der Atmosphäre verändert hat. Vorausgegangene Analysen zeigten bereits, dass die Kohlenstoffdioxid-Konzentration in den letzten 440.000 Jahren nie so hoch war wie heute. Sobald die Forscher verstehen, welche Parameter die Klimaveränderung beeinflusst haben, erwarten sie bessere Voraussagen über das Klima.

EPICA

Die Bohrung auf Dome C ist Teil des Europäischen Projektes für die Eisbohrung in der Antarktis (EPICA). Das Team war während den Bohrungen Sommertemperaturen von minus 40 Grad ausgesetzt. Die Feldstation Dome C befindet sich mehr als tausend Kilometer entfernt von der nächsten Forschungsstation. Das EPICA-Konsortium wird im Dezember 2004 mit der Tiefbohrung fortfahren, in der Hoffnung, das Felsbett unter dem Eis zu erreichen. Bis dorthin sind es nur noch 100 Meter. Läuft alles nach Plan, wird die Forschungsgruppe am Grund über 900.000 Jahre altes Eis "erbohren".

Die Abteilung für Klima- und Umweltphysik des Physikalischen Instituts der Universität Bern nimmt im Projekt eine Schlüsselstellung ein. Sie ist weltweit führend bei der Bestimmung der Konzentration der Treibhausgase, die in kleinsten Bläschen in polaren Eisbohrkernen eingeschlossen sind.(APA/AP)

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