Osteuropa nach der Osterweiterung

22. Februar 2005, 20:11
posten

Wie geht es mit osteuropäischen Aktien nach der Osterweiterung weiter? Ein Interview mit Jaroslav Krabec, Fondsmanager des ING International Czech Equity Fund

Der ING International Czech Equity Fund besteht zu mindestens 51 Prozent aus tschechischen Aktien. Den Rest investiert Fondsmanager Jaroslav Krabec zum Großteil in Polen und Ungarn (aktuell je 20 Prozent) bzw. zu einem kleinen Teil in der Slowakei. Da der Fonds keine Russland-Gewichtung enthält, weist er ein deutlich geringeres Risiko auf als andere Osteuropa-Aktienfonds.

Vergleicht man die risikoadjustierte Performance des ING Fonds mit Konkurrenten wie Griffin Eastern European, Templeton Eastern European, Raiffeisen-Osteuropa-Aktien oder Baring Eastern Europa wird der Unterschied deutlich: Der in Prag verwaltete Fonds weist mit einer Sharpe Ratio von 0,94 auf Sicht der letzten fünf Jahre einen besseren Wert auf als alle anderen Osteuropa-Aktienfonds (Griffin 0,83 / Templeton 0,71 / Raiffeisen 0,7 / Baring 0,43). Aber auch die abolute Performance kann sich sehen lassen: In den letzten zwei Jahren erziele der Fonds kumuliert +59,8 Prozent, und liegt damit weit vor dem zweitbesten Fonds von Griffin mit immer noch beachtlichen +45,3 Prozent.

Outperformance: Tschechien vs. Russland

e-fundresearch: Herr Krabec, warum konnten Sie in den letzten Jahren andere Osteuropa-Fonds so stark abhängen?

Jaroslav Krabec: Das liegt vor allem an unserem Schwerpunkt in Tschechien. Die Prager Börse hat in den letzten beiden Jahren andere Emerging Markets klar outperformt. Zum Vergleich: Der PX50 stieg seit Juni 2002 um 72 Prozent, der russische RTS nur um 13,5 Prozent. Das liegt großteils an den schlechten Verhältnissen hier zwischen 1995-98. Damals gab es eine Rezession bzw. politische Instabilität. Der lokale Aktienmarkt hat darauf natürlich gar nicht gut reagiert. Damals war ich Aktienanalyst in Prag und wirklich niemand wollte etwas von tschechischen Aktien hören, sowohl im In- als auch im Ausland. Die Outperformance der letzten Jahren ist da sozusagen eine Gegenbewegung.

Weiters haben wir als größter Aktienfonds in Prag natürlich viel lokales Know-how und Erfahrung in der Unternehmensanalyse. Das hilft auch enorm…

Die weiteren Aussichten...

e-fundresearch: Wie geht es aber nun weiter? Erwarten Sie eine Fortführung dieser guten Performance?

Jaroslav Krabec: Eine gute Frage. Ich glaube, dass die Aktienmärkte weltweit, aber auch die in Tschechien, Polen, Ungarn und der Slowakei nicht mehr billig sind. Vor zwei Jahren war der Fall genau umgekehrt. Vergleicht man aber diese Region mit anderen, so denke ich gibt es mehr Potential. Man darf nicht auf den noch immer stattfindenden Konvergenzprozess vergessen. Dieser ist durch den Beitritt dieser Länder zu EU ja nicht vorüber. Als nächstes etwa steht der Beitritt zum Euro auf dem Plan. Der gesamte Konvergenzprozess dauert sicher noch einige Jahre und die dadurch stattfindenden Reformen sollten den Börsen helfen.

"Telekom-Sektor hat das meiste Potential"

e-fundresearch: Welche Sektoren bzw. Unternehmen haben zukünftig das größte Potential?

Jaroslav Krabec: Im Telekom-Sektor sehe ich aktuell das meiste Potential. Hier habe ich Firmen wie Cesky Telekom mit über neun Prozent im Fonds stark gewichtet. Unter den Versorgern sehe ich vor allem das Energieunternehmen CEZ als Kauf. Die Aktie ist immer noch unterbewertet. Schließlich darf man natürlich auch Banken nicht vergessen: Meine größte Position ist zurzeit Komerèní banka. Auch werden wir an dem ersten IPO in Tschechien seit 1992 teilnehmen, wenn das Pharmaunternehmen Zentiva an die Börse kommt. Ein dringend erforderlicher Schritt um den Kapitalmarkt weiter zu beleben…

e-fundresearch: Wie sieht das konkrete Anlageziel des Fonds aus?

Jaroslav Krabec: Ein definitives Performanceziel für den Fonds gibt es bis jetzt nicht. Natürlich wollen wir aber unsere Benchmark schlagen. Diese besteht zu 52 Prozent aus dem tschechischen PX-50 Index (52%), 26 Prozent WIG Index (Polen), 20 Prozent BUX Index (Ungarn) bzw. zwei Prozent slowakischer SAX Index (2%). Der Fokus liegt dabei auf großen, etablierten Firmen die fundamental unterbewertet sind.

e-fundresearch: Vielen Dank für das Gespräch!

Performancedaten per 7.6.2004 in Euro Datenquelle: Lipper

In Kooperation mit
  • Artikelbild
    ing
Share if you care.