Das "Zappelphilipp-Syndrom" bei Erwachsenen

14. Juni 2004, 17:00
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Symptome sind innere Unruhe, Ratlosigkeit und ein Mangel an Entspannungsfähigkeit

Köln - Hyperaktivität wurde lange Zeit als rein kinder- und jugendpsychiatrische Störung betrachtet. Doch auch im Erwachsenenalter können Unruhe, Aufmerksamkeitsdefizite und starke Impulsivität auftreten und eine ernstzunehmende Krankheit darstellen. Diese Erkenntnis setzt sich jedoch erst allmählich durch. Viele Betroffene wurden bisher aufgrund von falschen Diagnosen unzureichend behandelt.

Denn die bestehenden Kriterien zum Erfassen der Symptome der Störung beziehen sich auf Kinder und reichen im Erwachsenenbereich nicht aus. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung von Benedikt Wann von der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters der Universität Köln.

Diagnose bei Erwachsenen erschwert

Wissenschaftler in den USA waren die ersten, die aufgrund von Langzeitstudien zu der Erkenntnis kamen, dass derartige Aufmerksamkeitsstörungen auch im Erwachsenenalter auftreten. Die europäischen Länder hinken bei der Erforschung des "Zappelphilipp-Syndroms" bei Erwachsenen noch hinterher. In Deutschland wurden die Symptome der Krankheit bislang nur für Kinder und Jugendliche festgelegt und beschrieben. Angepasste Kriterien für Auffälligkeiten bei Erwachsenen existieren nicht.

Dadurch wird eine Diagnose der Störung im Erwachsenenalter erheblich erschwert. Betroffene Kinder fallen in erster Linie durch ihre Überaktivität, wildes Umherlaufen und übertriebenes Getobe auf. Im Erwachsenenalter hingegen zeugen innere Unruhe und Ratlosigkeit von möglicher Hyperaktivität. Die Betroffenen sehen ihren Mangel an Entspannungsfähigkeit als Belastung an und meiden bewusst Situationen, die Ruhe und Zurückhaltung erfordern.

Unaufmerksamkeit

Als Hauptproblem geben die meisten erwachsenen Betroffenen ihre Unaufmerksamkeit an. Zu den typischen Beschwerden zählen Vergesslichkeit, Unordnung und mangelnde Organisationsfähigkeit. Das ist ein Hinweis darauf, dass sich Aufmerksamkeitsstörungen bei Erwachsenen auch in solchen Symptomen äußern können, die überhaupt erst im Zusammenhang des Älterwerdens entstehen. Erwachsen zu werden bedeutet nicht zuletzt, zukunftsorientierter zu denken, Verantwortung zu übernehmen und Selbstdisziplin zu üben. Diese Eigenschaften fallen hyperaktiven Erwachsenen meist sehr schwer. Verglichen mit gesunden Menschen sind sie häufiger in Verkehrsunfälle verwickelt, haben instabilere Ehen und leiden unter sozialen Anpassungsstörungen. (pte)

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    derstandard.at
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