Der Name der Blume

1. Juli 2004, 22:18
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Von einem kleinen Flecken Land kommt ein Wein, der sehr, sehr teuer ist. Nicht von ungefähr

Der Listenpreis für eine Flasche Château Lafleur 2000 beträgt 425 Euro. Und selbst dann, wenn man willens wäre, die 5100 Euro für eine Kiste dieses Weins aus Pomerol zu bezahlen, hätte man schlechte Karten. Denn der Lafleur ist Spekulationsobjekt erster Güte, ein extrem langlebiger Bordeaux, in dessen jüngerer Geschichte schon relativ viele Jahrgänge mit Robert Parkers Maximalwertung ausgezeichnet wurden. Und es gibt nur extrem wenig davon, 12.000 Flaschen, der Flecken namens Lafleur ist nur viereinhalb Hektar groß.

Auf den ersten Blick ist die Sachlage somit klar: Es handelt sich hier also um einen Wein mit einem schönen, kurzen Namen, der gleich neben Pétrus wächst, den Parker liebt, und dessen Ausstoß klein gehalten wird, damit sich eine Klientel, die sonst keine Sorgen hat, sich daran ereifern kann, eine Kiste zu bekommen.

Stimmt sicher auch. Aber auf Château Lafleur wird Wein mit einer Sorgfalt gemacht, wie sonst vielleicht nur noch zwei oder drei Mal auf der Welt: Zehn Leute "pflegen" die Rebstöcke, der Rebschnitt erfolgt auf jeden Stock individuell abgestimmt, gelesen wird gar von dreißig Leuten, bei jeder Traube wird schon am Stock bestimmt, ob sie gut genug für den "Grand Vin" ist oder in den Zweitwein "Pensées de Lafleur" kommt.

Den machen Sylvie und Jacques Guinaudeau allerdings erst seit 1987 (damals ging die gesamte Ernte in den Zweitwein, er ist übrigens hervorragend), Jacques' Großcousinen Marie und Thérèse Robin, die bis 1985 das kleine Weingut leiteten und sehr dem lieben Gott vertrauten, verließen sich da eher aufs Schicksal: Merlot und Cabernet Franc gemeinsam lesen, alles für den Grand Vin verwenden. "Das ist ein sehr ehrwürdiges und authentisches Prinzip", meint Jacques Guinaudeau (das durchaus auch seine Erfolge zeitigte, Parker bewertete die Jahrgänge 1945, 1947, 1950, 1961, 1975 mit 100 Punkten), "wir vertrauten dann aber dennoch der Selektion, es ist jedes Mal wie ein Urteil".

Ein Wein mit Persönlichkeit

Erst nach vielen Jahren und nach Verkostung auch aller Jahrgänge hätte er endlich genug Erfahrung, um einen Lafleur zu begreifen, schrieb René Gabriel, renommiertester Bordeaux-Kenner des deutschsprachigen Sprachraumes. Es ist ein metaphysischer Wein, ein Wein mit Persönlichkeit, einmal streng, einmal sanft und verlockend, sich aber nie anbiedernd. Wer eine Flasche Lafleur besitzt, hat damit die Aufgabe übernommen, einem Wein mit Demut und Respekt zu begegnen. Und das eben nicht nur wegen des Preises. (DERSTANDARD/rondo/Florian Holzer/11/06/04)

Lafleur und Pensées de Lafleur bei weinart.at
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