Ways of Wein

21. Juni 2004, 17:17
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Altbewährtes und neues Leben, Rebsorten und Weinstile, die kommen und gehen. Impressionen von der "Vie Vinum"

Dass sich Generationswechsel durchaus positiv auf Weinbaugebiete auswirken, kann man seit einem guten Jahrzehnt im Weinbaugebiet Carnuntum beobachten. Ähnliches zeichnet sich derzeit im Weinviertel ab, der größten Weinbaugebiet Österreichs, das als Produzent von einfachem Heurigen-oder Sektgrundwein "verschrien" war. In vielen Betrieben begannen im Lauf der vergangenen Jahre "die Jungen" ans Werk zu gehen, viele von ihnen Absolventen einschlägiger Fachschulen mit Auslandserfahrung, die frischen Wind in das bis dato eher stoische Weinbaudasein der Region brachten. Auch die DAC-Strategie der Vermarktung nach Herkunft, die nicht unumstritten ist, hat im Weinviertel einen deutlichen Qualitätsschub bewirkt. Grüne Veltliner - und auch andere Rebsorten - gibt es in differenzierten Stilen, die Besten darunter zeigen, was der Boden im Zusammenspiel mit Klima - Stichwort "Terroir" - hergibt: ein mittlerweile marketingtechnisch etwas überstrapazierter Begriff. Denn nicht immer, wo Terroir vollmundig angekündigt wird, ist selbiges auch drin.

Wachau, Kamptal, Kremstal sind bewährte Klassiker: Viel "Gelbfruchtigkeit" bei den Veltlinern (Ananas, Mango & Co), feinere Säurestruktur als in kühleren Jahren, aber immer genug. Positiv ist, dass sich immer mehr Betriebe entschließen, ihren Weinen mehr Zeit zur Entwicklung vor der Füllung zu gewähren, was angesichts der hiesigen Jungweintrink-Manie nicht immer auf Verständnis stoßen wird.

Der Jahrgang 2003 in der Steiermark brilliert mit Weinen von ausgeprägter Fruchtigkeit und dichter Struktur. Die rein nominellen Alkoholwerte mögen so manchem den Angstschweiß auf die Stirn treiben - Stichwort "brandig". Geschmacklich ist das kaum ein Problem, da 2003 die Qualität der Trauben offensichtlich hoch genug war, um die hohen Werte gut auszubalancieren. Probierenswert sind z. B. auch diverse Schilcherexperimente in der Weststeiermark - Schilcher-Trockenbeerenauslese (TBA) von Strohmeier sei da als Beispiel genannt. Als Süßweinwunderjahr wird 2003 nicht in die Geschichte eingehen, blieb die Edelfäule in so manchen Gegenden aufgrund der Witterung weitgehend aus. Ergebnis sind wenige, dafür hochkonzentrierte Süßweine.

Auch in der Thermenregion regt sich neues Leben in Gestalt mehrerer neuer Winzervereinigungen. Spannend z. B. die Gumpoldskirchner Weinmacher, die eine Dreiteilung der Weinqualitäten à la Wachau - Klassik, Tradition und Grand Reserve - propagieren. Die Begriffe stehen für Alkoholstärken in Verbindung mit einem speziellen Vinifikationsstil (Stahltankausbau, große Holzfässer, Barrique).

Spürbare Rückbesinnung auf strukturiertere Weine

Der Hang zu einheimischen Rebsorten ist erfreulicherweise ungebrochen, aber auch Merlot tritt immer häufiger in Erscheinung. Positiv ist die generelle, vor allem im Burgenland und in Carnuntum spürbare Rückbesinnung auf strukturiertere Weine, die auch etwas kantiger sein dürfen, anstatt hochalkoholischer "Wuchtbrummer", von denen oft schon ein zweites Glas einiges an Trinküberwindung kostet. Exemplarisch dafür ist die Initiative "Blaufränkisch unplugged", an der Schiefer, Velich, Krutzler, Achs und (Ernst) Triebaumer beteiligt sind.

Das Burgenland versucht auch verstärkt, Weißweine ins Spiel zu bringen ("Burgenland in Weiß"), wobei man dabei v.a. Burgundersorten wie Chardonnay ins Auge fasst und sich an einem üppigeren, reiferen Weißweinstil burgundischer Prägung orientiert. (DERSTANDARD/rondo/Luzia Schrampf/11/06/04)

  • Artikelbild
    foto: www.mac-hoffmann.com/sepp wejwar
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