Shirin Ebadi: "Ein Mann gilt so viel wie zwei Frauen"

8. Juli 2004, 13:46
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Nobelpreisträgerin sieht zwar Fortschritte bei Frauenrechten im Iran, Umsetzung aber weiterhin ausständig

New York - Die iranische Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi erkennt Fortschritte bei der Beachtung der Rechte von Frauen und Kindern in ihrer Heimat. Die Lage der Menschenrechte sei viel besser als vor rund 25 Jahren nach dem Sturz des Schahs und der Ausrufung der Islamischen Republik, sagte Ebadi am Montag vor dem Rat für Auswärtige Beziehungen in New York.

Gesetze noch nicht angemessen

Dennoch gebe es Probleme. "Das Gesetz muss gerecht und in Übereinstimmung mit der Kultur sein", sagte sie. "Die Menschen im Iran glauben fest an die Demokratie, doch die gegenwärtigen Gesetze sind nicht angemessen."

Das Volk wolle schnellere Reformen und hoffe, dass die Regierung in Teheran die internationalen Verpflichtungen bezüglich der Menschenrechte erfülle. Den Feminismus beschrieb Ebadi als treibende Kraft bei der Umsetzung von mehr Rechten für Frauen und Kinder.

Frauenrechte noch immer ausständig

Obwohl 63 Prozent der HochschulstudentInnen weiblich seien, hätten Frauen vor dem Gesetz noch immer weniger Rechte als Männer. So gelte ein Mann so viel wie zwei Frauen, er könne mehrere Ehefrauen haben und habe fast ein Exklusivrecht auf Scheidung. Dennoch hätten Anwälte und Frauenrechtlerinnen einige Reformen durchgesetzt, insbesondere in Sorgerechtsfällen. Viele Gerichte ignorierten diese Reformen aber einfach, sagte Ebadi, früher selbst Richterin. (APA)

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    Ebadi klagt an: Trotz vieler Reformen im Iran, hätten Frauen noch immer weniger Rechte.
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