Steiermark: Frauenpolitische Tradition auf dem Prüfstein

8. Juli 2004, 13:46
posten

Grüne fordern Frauenbeauftragte und mehr weibliche Präsenz in allen Gremien

Graz - Dass 52 Prozent der österreichischen Bevölkerung weiblich sind, kann man angesichts der Zahlen im Grünen-Frauenbericht 2004 vergessen: Im Parlament sitzen mit 501 männlichen Abgeordneten 216 weibliche und im Verfassungskonvent, der gerade in Sachen Gendermainstreaming viel zu tun hätte, sind nur 14 der 70 Mitglieder Frauen. Ähnlich sieht es auf Länderebene aus: Auf 96 Hofräte kommen in der Steiermark acht Hofrätinnen.

Die Frauensprecherin der Grazer Grünen, Lisa Rücker, und jene der Landespartei, Edith Zitz, zogen am Montag Schlüsse für ihr Bundesland. "Wir haben hier eine vergleichsweise gute frauenpolitische Tradition", erinnert Zitz an das Bekenntnis der Grazer Stadtpolitik zur Frauenförderung, der ersten Frauenbeauftragten Österreichs, die in Graz ihr Amt antrat oder an den überparteilichen Frauenrat der Stadt.

Was dem Land aber fehle, sei eine "weisungsungebundene, parteifreie Frauenbeauftragte", erklärt Zitz. Denn schwarzblaue Frauenpolitik, die nur im Kontext der Familienpolitik existiere, wie im steirischen Referat "Frau, Familie und Gesellschaft" der VP-Nationalratsabgeordneten Ridi Steibl, sei nicht genug. Gerade dieses Frauenbild der Bundesregierung habe in den vergangenen Jahren Arbeitslosgkeit und Armut von Frauen gefördert. Im Herbst 2005 soll das steirische Gleichbehandlungsgesetz in Kraft treten, mit dem auch mittelbare Diskriminierung geahndet werden kann. (cms, DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 8.6.2004)

Share if you care.