Schärferer Jugendschutz: Ohne Card kein Tschick

8. Juni 2004, 19:20
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In Vorarlberg dürfen an unter 16-Jährige weder Alkohol noch Zigaretten verkauft werden - Ab 2007 sollen auch Zigarettenautomaten kindersicher werden - Die anderen Bundesländer ziehen nach

Bregenz/St.Pölten – Noch sind Zigarettenautomaten anonyme Suchtmittellieferanten für jugendliche Raucher. Ab 2007 soll auch diese Quelle versiegen. Entsprechend einer EU- Rats-Empfehlung zur Bekämpfung des Tabakkonsums werden bundesweit alle Zigarettenautomaten umgestellt und sind dann nur noch mit Zugangsberechtigung bedienbar. Als Sesam-öffne-dich dienen Bankomat- oder Kreditkarte. Als Käufer (mit Bargeld oder Karte) zugelassen wird nur, wer über 16 ist.

Dazu bedürfe es keiner großen technischen Aufwände, sagt Ewald Judt, Geschäftsführer von Europay. Es werde der Code "minderjährig" auf die Jugend-Karte programmiert, das Lesegerät des Automaten erkennt die Beschränkung, der Automat wird nicht entriegelt. Die ersten Maestro- Karten mit Jugendschutz- Code kommen am 1. Juli auf den Markt.

Trafikanten-Initiative

Die Trafikanten stehen zur Zugangsbeschränkung: "Wir haben die Sperrung der Zigarettenautomaten für Jugendliche initiiert", betont Peter Trinkl, Obmann des Bundesgremiums. Schließlich seien Jugendliche "nicht unsere Zielgruppe". In Vorarlberg wird die Umstellung besonders forciert. Noch heuer sollen die ersten Automaten umgestellt werden. Trafikanten- Sprecher Anton Hämmerle: "Es bleibt jedem selbst überlassen, wann er umstellt. Frist ist 2007." Unmutsäußerungen fürchtet Hämmerle nicht: "Jeder, der ein Konto hat, hat auch eine Bankomatkarte."

Chipkartenpläne für Zigarettenautomaten wälzt man auch in Niederösterreich. Eine diesbezüglich novellierte Fassung des Landes-Jugendgesetzes liege derzeit als Entwurf vor, erläutert die zuständige Landesrätin, Johanna Mikl- Leitner (VP). Das derzeit geltende Jugendgesetz nämlich sei "unzureichend", da es unter 16-Jährigen nicht den Kauf, sondern nur den Konsum von Zigaretten (und Alkohol) in der Öffentlichkeit verbiete. Das neue, strengere Gesetz solle nun auch den Erwerb der Genuss- und Suchtmittel unter Strafe stellen.

Was den blauen Dunst angeht, will Mikl-Leitner das Verbot "in zwei Schritten" wirksam werden lassen. Zuerst – "wenn möglich schon ab kommendem Jahr" – durch Verkaufsverbote in Geschäften, ab 2007 dann via EU-weiter Chipkartenpflicht auch an Automaten.

Von diesem Stufenplan will sie – vorerst "auf Beamtenebene" – auch Wien und das Burgenland überzeugen, deren Jugendschutzgesetze mit jenen Niederösterreichs vor eineinhalb Jahren harmonisiert wurden. Doch in Wien reagiert Kinder- und Jugendanwalt Anton Schmid ablehnend auf Mikl-Leitners Vorstoß. Besser, als "aus politischen Gründen" neue Verbote in einzelnen Bundesländern zu propagieren, wäre "eine Chipkartenpflicht für Zigarettenautomaten ab 2007 im Rahmen eines bundesweiten Jugendschutzgesetzes", schlägt er vor. Ein solches Bundesgesetz jedoch wäre "derzeit leider nicht in Sicht". (Jutta Berger, Irene Brickner, Der Standard

  • Noch sind
Zigarettenautomaten anonyme Suchtmittellieferanten für
jugendliche Raucher.
    foto: cremer

    Noch sind Zigarettenautomaten anonyme Suchtmittellieferanten für jugendliche Raucher.

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