Setzkastenspiel mit kaputter Familie

7. Juni 2004, 18:53
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"Tätowierung" , Dea Lohers Stück über Kindesmissbrauch, in der Alten Werft in Korneuburg

Die Alte Werft in Korneuburg wurde vom Niederösterreichischen Donaufestival als Spielstätte entdeckt. Die bestechende Ufergegend hat das Publikum mindestens so beeindruckt wie die dort gezeigten Gastspiele. Die leere Fabrikshalle hat mit dem Verein act for motion, der seit Jänner des Jahres seinen Standort am Werftgelände hat, einen weiteren Mieter gefunden.

Ursula Mihelic hat zum Einstand eine Inszenierung bereitgestellt: Dea Lohers Stück über Kindesmissbrauch, Tätowierung, kam in ihrer Regie und dank eines genialen Bühnenbildes sowie eines recht guten Ensembles (leider nur wenige Male) zur Aufführung: Das Drama um eine Familie, in der der Vater die Mutter unterdrückt und seine beiden Töchter schwängert, entwerfen Mihelic bzw. ihre Bühnenbildnerin Christine Tritthart in einem Setzkastenhaus.

Wenn's in den Holzabteilen eng wird, stürzen die Kinder kopfüber durch die Fenster nach hinten. In der kunstvoll formalistischen Bühne mit ihren Figuren- und Objektanordnungen - die Atemschutzbinde: Sie macht die Mutter mundtot; das Gewehr: es hängt zur Selbstjustiz im Schlafzimmer mit Saloonschwingtüren - sticht einzig der als tumber Grobian zu archetypisch geratene Vater ab. (afze / DER STANDARD, Printausgabe, 8.6.2004)

Alte Werft Korneuburg,

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actformotion.com
  • Der Querschnitt durchs Einfamilienhaus entlarvt im Kinderzimmer besonderes Grauen.
    foto: stefan haring

    Der Querschnitt durchs Einfamilienhaus entlarvt im Kinderzimmer besonderes Grauen.

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