Intendantensuche als Politmachtkampf

23. Juli 2004, 19:55
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Salzburg kontra Bund - eine Pattstellung

Salzburg - Eigentlich hätte Peter Ruzicka erst nach Ende der diesjährigen Salzburger Festspiele seine Zukunftsperspektiven bekannt geben müssen. Doch der Intendant teilte bereits im März mit, keine Verlängerung seines Vertrags über 2006 hinaus anzustreben. Dies wurde vom Kuratorium als professionell empfunden, da man für die Suche des Nachfolgers ein halbes Jahr gewonnen hatte. Den Zeitpolster aber hat man bereits verspielt: Die nächste Sitzung findet erst am 30. August statt. Bis dahin herrscht ob eines Machtkampfes zwischen Schwarz und Rot Ratlosigkeit.

Denn die Vorstellungen des Staatssekretariats für Kunst (der Bund steuert 40 Prozent der Subventionen bei) liegen diametral entgegengesetzt zu jenen von Stadt, Land und Tourismusverband (je 20 Prozent): Salzburg plädiert für einen "Ermöglicher", also Manager, Wien für einen "Macher", sprich Künstler. Auf Namen heruntergebrochen: Dirigent Franz Welser-Möst (zusammen mit Eva Wagner-Pasquier?) gegen Burgtheaterdirektor Klaus Bachler.

Doch nur Bachler hat sich auf die Ausschreibung (erst nach Zureden) beworben - wenn auch nicht explizit. Sein Dreizeilenbrief an Heinrich Wiesmüller, den Vorsitzenden des politisch besetzten Kuratoriums, wird dennoch als Bewerbung gewertet. Und nur jene zwölf, die ihr Interesse schriftlich bekundeten, können, meinen manche, laut Stellenvergabegesetz zum Intendanten bestellt werden.

Der Bund hingegen gab zu bedenken, ob es nicht auch legitim sein könnte, Kandidaten zu nominieren und zu bestellen, die sich nicht beworben haben. Schließlich sieht das Bundestheaterorganisationsgesetz diese Möglichkeit vor. Doch die Salzburger Festspiele sind kein Bundestheater.

Andererseits: Ruzicka wurde 1999 von einer Findungskommission ausgewählt - ohne Ausschreibung. Die Frage lautet daher: War Ruzickas Kür eigentlich illegal? Oder kann sie nicht doch als Präzedenzfall gewertet werden, um Welser-Möst gegen Salzburger Widerstand durchzuboxen?

In der Mozartstadt fühlt man sich an das Ergebnis der Ausschreibung gebunden. Sir Peter Jonas (Bayerische Staatsoper) soll zwar seine Bewerbung mittlerweile wieder zurückgezogen haben, aber neben Bachler und einem Arbeitslosen, der nicht in Betracht kommt, stellen sich der Wahl laut Kurier: Jürgen Flimm (noch heuer Salzburger Schauspielchef), Louwrens Langevoort (Hamburg), Christoph Lieben-Seuter (Wiener Konzerthaus), Walter Blov- sky (Wiener Philharmoniker), Christian Meyer (Schoenberg Center Wien), Andreas Mölich-Zebhauser (Festspielhaus Baden-Baden), Georg Quander (Staatsoper Berlin), Claudius Hirt (Ex-Polygram-Marketingleiter) und Hans-Christian Wille (Braunschweig).

Wiesmüller regte daher an, mit den Bewerbern Gespräche über deren Konzepte zu führen. Bis jetzt allerdings erhielt er dazu keinen Auftrag: "Wir sind so weit auseinander", sagt er. Den Begriff "Pattstellung" hält er für zutreffend. Schließlich muss es eine Einstimmigkeit geben.

Und diese dürfte nur über Nebenabsprachen zu erzielen sein. Schließlich sind von der Bestellung des Intendanten auch die anderen beiden Mitglieder des Festspieldirektoriums betroffen: Die Verträge von Präsidentin Helga Rabl-Stadler (VP) und Geschäftsführer Gerbert Schwaighofer laufen 2006 aus. Wiesmüller plädiert, nicht das komplette Leitungsteam auszutauschen. Der taktischen Möglichkeiten gibt es also mehrere. (DER STANDARD, Printausgabe, 8.6.2004)

Von Thomas Trenkler
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